Hohe Schadstoffbelastungen in Kinderspielzeug

Fabian Peters

Hohe Schadstoffbelastungen in Kinderspielzeug: Verbraucherschützer fordern strengere Richtlinien für Spielzeug.

13.12.2010

Die Schadstoffbelastung zahlreicher Kinderspielzeuge ist zu hoch und so hat die Bundesregierung mit einem nationalen Alleingang bei der Festlegung von Grenzwerten gedroht, falls die EU keine schärferen Richtlinien zur Spielzeugsicherheit beschließt.

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„Falls Europa bis 2013 nicht handelt, müssen wir im Alleingang handeln“, erklärte die Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) gegenüber dem Berliner „Tagesspiegel“. Auch aus dem Bundeswirtschaftsministerium hieß es, die Bundesregierung wolle notfalls strengere nationale Grenzwerte im Alleingang festlegen, falls die erforderlichen Verbesserungen auf EU-Ebene nicht zeitnah erreicht werden. Zwar berät die EU derzeit über eine Reform der EU-Spielzeugrichtlinie, doch die ab 2013 geplanten neuen Grenzwerte für die Belastung von Spielzeug mit Schwermetallen seien nicht ausreichend, hieß es aus den Reihen der Bundesregierung. So setzt sich Deutschland für erheblich strengere Grenzwerte ein, als bisher in der Richtlinie vorgesehen sind.

Umweltwissenschaftler: Grenzwerte für krebserregende Kohlenwasserstoffe viel zu hoch
Auch der renommierte Umweltwissenschaftler und Leiter des Instituts für Umweltchemie an der Leuphana-Universität, Klaus Kümmerer, kommt zu dem Ergebnis, dass Kinderspielzeug in Deutschland viel zu stark mit gefährlichen Schadstoffen belastet ist und fordert daher strengere Richtlinie für Spielzeug. So seien zum Beispiel die Grenzwerte für krebserregende Kohlenwasserstoffe und Schwermetalle seiner Einschätzung nach in der EU-Richtlinie zu den Sicherheitsanforderungen für Spielzeug viel zu hoch angesetzt, betonte Kümmerer. „Die zulässigen Mengen sowohl an polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) als auch an Schwermetallen liegen weit über dem vertretbaren Maß“, kritisierte der Experte. Für Kinder bergen die teilweise massiven PAK-Belastungen erhebliche gesundheitliche Risiken, die etwa dem Konsum von 40 Zigaretten entsprechen, erklärte Kümmerer. Dabei zeigen die krebserregenden Kohlenwasserstoffe ihre Wirkung oft erst nach Jahrzehnten, so der Umweltwissenschaftler weiter. Auch Andreas Hensel, Präsident des Bundesinstituts für Risikoforschung (BfR), ist mit den bisherigen Richtlinien zur Spielzeugsicherheit nicht einverstanden und plädierte für ein totales Verbot von Cadmium, Blei und Arsen im Spielzeug. Denn Blei schädige die Hirnentwicklung der Kinder und Cadmium führe zu Langzeitschäden, so dass mit dem Kontakt erhebliche gesundheitliche Risiken einher gehen. „Die Kinder werden nicht akut krank, aber mit 50 Jahren bekommen sie vielleicht Nierenkrebs“, erklärte der Präsident des BfR.

Daher sollten Verbraucher beim Kauf von Kinderspielzeug besonders aufmerksam sein, so die einstimmige Empfehlung der Experten. Auffällig bzw. streng riechende Spielzeuge, sollte besser nicht gekauft werden, betonte Andreas Hensel. Bei „sehr bunten“ Spielsachen sollten die Verbraucher ebenfalls vorsichtig sein und am besten nach den verwendeten Stoffen fragen. Die Stiftung Warentest hat darüber hinaus dazu geraten, bei Kleinkindern auf lackierte (Holz-) Spielsachen gänzlich zu verzichten und nur aus Stoff gefertigte Puppen zu verwenden. Als unproblematisch und empfehlenswert können Spielwaren, die ein Bio-Siegel tragen, betrachtet werden. Diese sind jedoch meist erheblich teurer und so kann sich als Alternative ein Gang in die Natur lohnen. Anhand zahlreicher Bastelanleitungen lassen sich aus Eicheln, Stöcken, Blättern und Kastanien gerade für Kleinkinder gut geeignete Spielzeuge selber kreieren und herstellen. (fp)