Hopfen-Inhaltsstoffe – Bier kann den Aufbau der Darmwandzellen stärken

Alfred Domke
Schutz vor Giftstoffen und Bakterien: Inhaltsstoff von Bier könnte Darmwand stärken
Bier ist zwar in vielen Ländern äußerst beliebt, aus gesundheitlichen Gründen wird jedoch häufig von einem regelmäßigen beziehungsweise zu hohem Konsum abgeraten. In kleinen Mengen könnte der Gerstensaft der Gesundheit womöglich aber von Nutzen sein. Forschern zufolge stärkt ein Hopfen-Inhaltsstoff die Darmwand.

Nicht zu viel Alkohol trinken
Auf der Liste der Lieblingsdrinks der Deutschen steht Bier ganz weit oben. Zu viel sollte jedoch nicht davon getrunken werden. Schließlich fördert ein hoher Konsum nicht nur die Entstehung eines Bierbauchs, sondern kann prinzipiell jedes Organ des menschlichen Körpers schädigen. Erst kürzlich berichteten Münchner Forscher über eine Studie, die zeigte, dass ein hoher Bierkonsum häufig ein Auslöser für Herzrhythmusstörungen ist. Allerdings gibt es auch Hinweise darauf, dass der beliebte Gerstensaft für die Gesundheit förderlich sein kann.

Ein hoher Bierkonsum macht dick und schädigt die Organe. In kleinen Mengen könnte der beliebte Gerstensaft der Gesundheit aber auch dienen. So stärkt etwa ein Hopfen-Inhaltsstoff die Darmwand. (Bild: Nitr/fotolia.com)

Gesundheitliche Vorteile durch geringen Bierkonsum
So stellten Wissenschaftler aus Großbritannien in einer Studie fest, dass ein mäßiger Alkoholkonsum (etwa ein Bier am Tag) das Risiko für schwere Herzleiden vermindern kann.

Und Forscher aus der Schweiz haben nun herausgefunden, dass ein Molekül aus Hopfen den „Kitt“ zwischen Darmwandzellen und damit die Barriere gegen Giftstoffe und Bakterien stärkt, berichtet die nationale Nachrichtenagentur der Schweiz (sda).

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Die Entdeckung der Experten von der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) soll jedoch nicht zu vermehrtem Bierkonsum zwecks Darmschutz führen. Möglicherweise könnte aber ein Nahrungsergänzungsmittel entwickelt werden.

Der Darm übernimmt verschiedene Funktionen
Der Darm reguliert nicht nur die Verdauung und die Aufnahme von Nährstoffen, sondern auch den Wasserhaushalt des Körpers. Außerdem bildet er eine wichtige Schutzbarriere und sorgt dafür, dass keine Giftstoffe oder Bakterien in der Blutbahn landen.

Wie in der sda-Meldung erläutert wird, sind Darmwandzellen durch eine Art „Kitt“ miteinander verbunden: Proteine, welche die Membranen benachbarter Zellen verbinden und so die Zwischenräume undurchlässig machen.

Dieser „Kitt“ wird auch als „Tight Junctions“ bezeichnet. Bei bestimmten Krankheiten wie beispielsweise Morbus Crohn oder Lebensmittelunverträglichkeiten ist diese Barriere beschädigt.

Hopfen-Inhaltsstoff stärkt die Darmwand
Das Team um Veronika Butterweck von der Hochschule für Life Sciences der FHNW hat zusammen mit Kollegen aus Österreich und Deutschland herausgefunden, dass sogenannte Prenylflavonoide aus Hopfen, die auch in Bier vorhanden sind, diese „Tight Junctions“ stärken und teilweise sogar reparieren können.

Um zu ihren Ergebnissen zu gelangen, verwendeten die Forscher eine Art künstliche Darmwand in der Zellkulturschale. Der Durchlässigkeit testeten sie durch Messung des elektrischen Widerstands.

Nachdem die Wissenschaftler mit einem Entzündungsbotenstoff Erkrankungen wie Morbus Crohn simulierten und die künstliche Darmwand schädigten, wurde diese durchlässiger.

Im Anschluss daran wurden vier verschiedene Inhaltsstoffe von Hopfen auf einen möglichen Einfluss auf die „Tight Junctions“ getestet.

Es zeigte sich, dass die Barriere bei mehrtägiger Behandlung mit einem dieser Stoffe, dem sogenannten 8-Prenylnaringinin, wieder undurchlässiger wurde. Demnach regenerierte sich der „Kitt“ zwischen den Zellen also wieder.

Wie die Forscher in einem Artikel, der kürzlich vom Fachblatt „Journal of Natural Products“ zur Publikation angenommen wurde, berichten, ließ er sich durch Vorbehandlung mit dem Hopfen-Molekül auch vor dem Entzündungsbotenstoff schützen.

Positive Auswirkungen von Flavonoiden
„Es gab bereits aus verschiedenen früheren Studien Hinweise, dass Flavonoide sich positiv auf die ‚Tight Junctions‘ auswirken“, erläuterte Butterweck im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda.

Dieser Effekt sei zum Beispiel auch schon bei dem Flavonoid Kaempferol bekannt, das in Gemüse und Obst, unter anderem in Weintrauben und Grapefruits, vorkommt.

„Nun wäre interessant, einen Vergleich der verschiedenen Pflanzeninhaltsstoffe anzustellen, wie gross der Schutzeffekt für die Darmwand ist“, so Butterweck.

Den Angaben zufolge kämen Prenylflavonoide eher in den dunklen amerikanischen Ale- und Porter-Bieren sowie auch in Pilsenern vor, in Hefeweizen allerdings weniger.

Alternative auf Naturstoffbasis
Die Wissenschaftler raten dennoch vom vermehrten Bierkonsum zwecks Darmschutz ab. Es wäre jedoch vorstellbar, dass sich auf Basis dieser Entdeckung ein Wellnessgetränk kreieren lässt, das als Nahrungsergänzung den Darm stärkt.

„Joghurts und ähnliche Produkte mit Laktobazillen, die die Darmwand stärken, gibt es zwar bereits. Aber man könnte eine Alternative auf Naturstoffbasis entwickeln“, erklärte die Forscherin. Sie und ihr Team arbeiten jedoch nicht an einer medizinischen Anwendung. (ad)