Hormone in zahlreichen Kosmetika

Fabian Peters

Tägliche Gesichtspflege mit hormoneller Wirkung?

24.07.2013

Ein Drittel der Kosmetikprodukte auf dem deutschen Markt enthält „hormonell wirksame Chemikalien“, so das Ergebnis einer aktuellen Studie des BUND. Den Angaben der Umweltschutzorganisation zufolge waren gerade die teuren Produkte der Marktführer Beiersdorf (Nivea) und L’Oréal besonders stark belastet. „Dagegen kommt Naturkosmetik in der Regel ganz ohne diese bedenklichen Chemikalien aus“, so die Mitteilung des BUND. Auch die Eigenmarken der Drogerieketten schnitten im Rahmen der BUND-Studie verhältnismäßig gut ab (17 Prozent der Produkte belastet).

Mehr als 60.000 Pflege- und Kosmetikprodukte hat der BUND auf 15 verschiedenen Chemikalien untersucht, die wie Hormone wirken. Die überprüften hormonell wirksamen Substanzen sind auf einer Prioritätenliste der EU mit der höchsten Priorität belegt und für alle wurde die hormonelle Wirksamkeit in Tierversuchen dokumentiert, begründete der BUND die Fokussierung der Untersuchungen auf eben diese Inhaltsstoffe. Die Palette belasteter Produkte reichte in der aktuellen Auswertung von Sonnencreme über Duschgel, Rasierschaum, Haarwachs und Haargel bis hin zu Lippenstift, Handcremes, Bodylotions oder gar Zahnpasta.

Föten, Kleinkinder und Pubertierende durch Hormone in Kosmetika besonders gefährdet
Zwar ist die Verwendung der Chemikalien mit hormoneller Wirkung grundsätzlich nicht verboten, doch besteht die Sorge, dass diese langfristig erhebliche gesundheitliche Beeinträchtigungen in Form von Entwicklungsstörungen hervorrufen könnten. „Vor allem Föten im Mutterleib, Kleinkinder und Pubertierende sind durch hormonell wirksame Chemikalien gefährdet“, berichtet der BUND. Unter der Überschrift „Der Kosmetik-Check – Hormoncocktail im Badezimmer“ hat die Umweltschutzorganisation die Ergebnisse ihrer aktuellen Studie veröffentlicht. Den Angaben des BUND zufolge werden die „hormonell wirksame Stoffe in Kosmetika vor allem als Konservierungsmittel und UV-Filter eingesetzt.“ Dabei würden die Stoffe auch über die Haut aufgenommen, was für Föten im Mutterleib, Kleinkinder und Pubertierende ein nicht zu unterschätzendes Risiko darstellen kann. Denn hormonell wirksamen Substanzen stören unter Umständen diese sensiblen Entwicklungsphasen erheblich.

Gesundheitliche Beschwerden durch hormonell wirksame Chemikalien
Die hormonell wirkenden Chemikalien werden laut Angaben des BUND „mit gesundheitlichen Problemen in Verbindung gebracht, die in den letzten Jahrzehnten weltweit immer häufiger auftreten“, wie einem Rückgang der Spermienqualität beziehungsweise der männlichen Fruchtbarkeit und bestimmten hormonbedingten Krebsarten (Brustkrebs, Prostatakrebs, Hodenkrebs). Auch seien Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern und eine verfrühte Pubertät bei Mädchen mögliche Folgen hormonell wirkender Chemikalien. Gleiches gelte für Lern- und Gedächtnisschwierigkeiten, Fettleibigkeit, Altersdiabetes und Herzkreislauferkrankungen. Der tägliche Kontakt mit den in Pflege- und Kosmetikprodukten enthaltenen hormonell wirksamen Substanzen ist daher nach Ansicht der Umweltschutzorganisation äußerst kritisch zu bewerten.

Produkte von Marktführern besonders stark belastet
Insgesamt waren 30 Prozent der untersuchten Kosmetikprodukte laut BUND „hormonell belastet“ und jedes fünfte Produkt habe gleich mehrere hormonell wirksame Substanzen enthalten. Als „erschreckend“ bezeichnet die Umweltschutzorganisation den hohen Anteil der belasteten Artikel bei den Marktführern L’Oréal (45 Prozent) und Beiersdorf (46 Prozent). Auch Baby-Shampoos, die aufgrund der besonders empfindlichen Reaktionen von Kleinkindern auf hormonelle Beeinträchtigungen dringend frei von den entsprechenden Substanzen seien sollte, waren laut BUND zu neun Prozent belastet. Kritisch war zudem der hohe Anteil an Produkten, die gleich eine Vielzahl hormonell wirkender Substanzen enthielten. Studien hätten „gezeigt, dass sich hormonell wirksame Chemikalien gegenseitig in ihrer Wirkung verstärken können“ und „dann sozusagen als Chemikaliencocktail wirken“, berichtet der BUND. Die Experten gehen „bei Stoffen mit gleichartiger Wirkung (z. B. Östrogene, Androgene oder Schilddrüsenhormone) davon aus, dass sich die Wirkungen addieren“, so die Umweltschutzorganisation weiter.

Kombinationswirkung der Chemikalien
Laut BUND könnten durch den vielfachen Einsatz von Parabenen und UV-Filtern in Kosmetika Kombinationswirkungen auftreten, die einen deutlichen Effekt haben, „selbst wenn die einzelnen Stoffe in so niedrigen Dosen vorhanden sind, dass sie alleine keinen beobachtbaren Effekt besitzen.“ Dies werde in der gegenwärtige Risikobewertung der Europäischen Union jedoch nicht berücksichtigt. Stattdessen erfolge weiter eine Fokussierung auf die Grenzwerte für einzelne Stoffe, obwohl auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mittlerweile davor warne, dass „die Gesundheitsrisiken, die von Kombinationswirkungen hormonell wirksamer Chemikalien ausgehen, stark unterschätzt werden.“

Naturkosmetik meist frei von Chemikalien mit hormoneller Wirkung
Um den Verbrauchern die Möglichkeit zu bieten, beim Einkauf bewusst auf Kosmetika mit hormoneller Wirkung zu verzichten, bietet der BUND die kostenlose iPhone-App „ToxFox“ an, die ein Einscannen des Barcodes von Kosmetikprodukten ermöglicht und sofort erkennbar macht, inwieweit die Produkte belastet sind. Auch bietet die App die Möglichkeit, direkt eine Beschwerde per Email an den Hersteller des Produktes zu versenden. Auf diese Weise hofft die Umweltschutzorganisation den Druck auf die Hersteller zu erhöhen, um diese zum Verzicht auf die hormonell wirkenden Chemikalien in ihren Artikeln zu bringen. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann außerdem auf die unbelasteten Produkte von Herstellern wie „alva Naturkosmetik, Laverana Naturkosmetik, Logocos Naturkosmetik, Martina Gebhardt Naturkosmetik und Weleda Naturkosmetik“ zurückgreifen, berichtet der BUND. (fp)

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