Hunde können Darmkrebs erschnüffeln

Fabian Peters

Hunde werden erfolgreich zur Erkennung von Darmkrebs eingesetzt

01.02.2011

Hunde sind in der Lage Darmkrebs am Atem der Patienten zu erkennen. Dies haben japanische Wissenschaftler in einer umfassenden Studie herausgefunden.

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Bereits seit längerem wird der Einsatz von Hunden bei der Diagnose verschiedener Krebsarten erforscht. Nun haben japanische Wissenschaftler den guten Geruchssinn der Vierbeiner erstmals erfolgreich für die Darmkrebsdiagnose genutzt. Im Rahmen der Studie erkannte ein Hund Darmkrebs-Erkrankungen anhand von Atem- und Stuhlproben der Patienten, selbst wenn sich die Krankheit erst im Anfangsstadium befand.

Hunde erkennen Darmkrebs bereits im frühen Krankheitsstadium
Das Forscherteam um Hideto Sonoda von der Kyushu University in Fukuoka hat bei der aktuellen Studie für die Darmkrebs-Diagnose einen acht Jahre alten schwarzen Labrador Retriever eingesetzt, der im Hundetrainingscenter gelernt hatte, zwölf Krebsarten am Geruch der Atemluft der Patienten zu diagnostizieren. Die Wissenschaftler nahmen von den 306 Studienteilnehmern (48 mit vorliegender Darmkrebs-Diagnose; 258 gesunde Kontrollpersonen) je eine Atemprobe mit 100-200 Milliliter ausgeatmeter Luft und eine Stuhlprobe. Die Stuhlprobe wurde bei einer Darmspiegelung als 50-Milliliter-Probe flüssigen Stuhls entnommen, filtriert und tiefgefroren gelagert. Anschließend wurden die entsprechenden Proben dem Labrador Retriever vorgelegt. Der Hund sollte dabei unter fünf präsentierten Proben – vier von gesunden Studienteilnehmern, eine von einem Darmkrebspatienten – die Probe des Krebspatienten erkennen. Vor dem Schnüffel-Versuch roch der Diagnose-Hund jeweils an einer Darmkrebs-Standardprobe. Das Ergebnis der Studie hat die Forscher dabei mehr als überzeugt. So konnte der Labrador bei den Atemluftproben in 37 von 38 Fällen den Krebs erfolgreich feststellen, bei den Stuhlproben lag er immerhin noch bei 33 von 36 Fällen richtig, berichten die japanischen Forscher. Zudem habe der Hund auch Darmkrebs-Erkrankungen in einem sehr frühen Krankheitsstadium zuverlässig diagnostiziert.

Krebsdiagnose durch Detektor für krebsspezifische Substanzen?
In vorangegangenen Studien wurde bereits mehrfach festgestellt, dass Hunde verschiedene Krebsarten am Atem, Urin oder Stuhl der Patienten erkennen können. Doch welche für Hunde riechbaren chemischen Substanzen bei einer Krebserkrankung auftreten, ist bislang ungeklärt. Im Körper der Krebspatienten müssen nach Aussage der japanischen Forscher leicht flüchtige Verbindungen entstehen, welche der Hund riechen kann und die sich auch für eine Diagnose mittels anderer Detektoren eignen würde. Wenn die organischen Verbindungen identifiziert werden könnten, wäre die Entwicklung eines Sensors denkbar, der die krankheitstypischen Substanzen erkennt. Dieser Geruchssensor könnte im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen eingesetzt werden, so die Hoffnung der Wissenschaftler der Kyushu University. Künftig könnte der Nachweis krebsspezifischer, leicht flüchtiger organischer Verbindungen ein wesentlicher Bestandteil der Früherkennung von kolorektalen Karzinomen (Darmkrebs) sein, erklärten Hideto Sonoda und Kollegen. Somit wäre der derzeit übliche Stuhlbluttest (Guajak-Test) ersetzbar, dessen Empfindlichkeit (Sensitivität) von nur rund 20 bis 40 Prozent gegenüber kolorektalen Karzinomen ohnehin nur eine eingeschränkte Aussagekraft bietet.Trotz ihrer zuverlässigen Diagnosefähigkeiten ist der direkte Einsatz von Hunden zur Vorsorgeuntersuchung indes eher unwahrscheinlich. Dieser sei zu teuer und unpraktikabel so die Aussage der japanischen Forscher.

Darmkrebs zweithäufigste Krebserkrankung in Deutschland
Darmkrebs zählt in Deutschland zu den verbreitetsten Krebsarten. Sowohl bei Männern als auch bei Frauen bilden kolorektale Karzinome die zweithäufigsten Krebserkrankungen. Deutschlandweit erkranken mehr als sechs Prozent der Bevölkerung im Laufe ihres Lebens an Darmkrebs. Die kolorektalen Karzinome entstehen meist aus anfänglich gutartigen Darmpolypen und verursachen zunächst nur äußerst selten auffällige Symptome. Umso wichtiger wäre es im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung, Darmkrebs anhand krankheitsspezifischer Substanzen bereits im frühen Krankheitsstadium nachweisen zu können. Denn die Aussichten auf eine erfolgreiche Behandlung stehen in direktem Zusammenhang mit dem Krankheitsstadium, in dem der Darmkrebs festgestellt wird und bei frühzeitiger Diagnose steigen die Chancen auf eine Heilung für die Patienten deutlich an. (fp)