Hunderttausende Menschen nicht krankenversichert

Sebastian

Hunderttausende Menschen in Deutschland nicht krankenversichert

04.05.2013

In Deutschland ist es mehreren hunderttausend hier lebender Menschen nicht möglich, sich medizinisch behandeln zu lassen. Betroffen sind vor allem Ausländer ohne geregelten Aufenthaltsstatus. Die Bundesärztekammer wies vergangene Woche in Berlin auf diesen Missstand hin.

Krankenversicherungspflicht in Deutschland
Obwohl in Deutschland eine Krankenversicherungspflicht besteht, erhalten nicht alle Menschen hierzulande eine angemessene medizinische Behandlung. Vor allem Ausländer ohne klaren Aufenthaltsstatus sind davon betroffen. Die deutsche Bundesregierung wird von den Ärzten für dieses Defizit verantwortlich gemacht. Deutsche Mediziner fordern deshalb bessere Regelungen für die Behandlungen von hunderttausenden Ausländern ohne Krankenversicherung oder klarem Aufenthaltsort. Der Menschenbeauftragte der Bundesärztekammer, Ulrich Clever, betonte in einem Interview, dass es nicht sein kann, das Menschen mit Migrationshintergrund aus Angst vor Abschiebung oder wegen einer fehlenden Krankenversicherung gar nicht oder viel zu spät einen Arzt aufsuchen.

Bürokratische Hürden gegen Versicherungsschutz
Für behandelnde Ärzte stellen sich Fragen wie nach Einhaltung der Schweigepflicht oder der Übernahme der Kosten. Mediziner müssten außerdem notwendige Therapien unterlassen und deshalb werden Krankheiten der Patienten immer schlimmer und enden nicht selten in einem medizinischen Notfall, so Clever. Laut Ethikkommission der Bundesärztekammer gibt es nach aktuellen Schätzungen in Deutschland "zwischen 200.000 bis 600.000 Menschen ohne klaren Aufenthaltsstatus". Außerdem kämen "noch Personen vor allem aus osteuropäischen Ländern ohne Arbeit und Krankenversicherungsschutz und Asylbewerber, sowohl mit als auch ohne gesicherten Aufenthaltsstatus hinzu". Das Asylbewerberleistungsgesetz sichert zwar eigentlich eine erforderliche medizinische Behandlung zu. Der Krankenschein muss jedoch beim Sozialamt beantragt werden und wird oft abgelehnt. Besonders kritisiert wird, dass vor allem auch Kinder und Jugendliche nicht die notwendigen Vorsorgeuntersuchungen, Impfungen und Therapien erhalten. Die Ethikkommission mahnte: „Für viele Menschen ohne gültige Aufenthaltspapiere und deren Kinder besteht faktisch keine reguläre Behandlungsmöglichkeit.“

Anonyme Hilfe im Notfall
Seit 2001 bieten die Malteser Werke auch anonyme Behandlungen an. Laut Aussage einer Sprecherin der Malteser in Fulda zählt, „wenn ein Mensch es vor Schmerzen nicht mehr aushält oder eine Erkrankung sein Leben bedroht, nur noch die Frage, wie dieser Mensch wieder gesund werden kann.“ (sb)

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