Hygiene: Am Klinikum Kassel wird wieder operiert

Fabian Peters

Wieder Operationen am Klinikum Kassel: Ist der Hygiene-Skandal damit überstanden?

07.02.2011

Im Klinikum Kassel wird nach dem Skandal um verunreinigtes Operationsbestecks seit heute wieder eingeschränkt operiert. Mit geliehenen Operationsinstrumenten werden „eine Handvoll planbare Maßnahmen“ durchgeführt, erklärte eine Sprecherin des Klinikums. Seit dem Bekanntwerden der Hygiene-Mängel beim OP-Besteck hatte das Klinikum Kassel sämtliche geplanten Operationen abgesagt und nur noch Noteingriffe durchgeführt. Ab heute werden nun wieder die ersten planmäßigen Operationen durchgeführt. Dass der Operationsbetrieb noch nicht in vollem Umfang wieder aufgenommen werden kann, ist nach Aussage der Sprecherin des Klinikums auf die begrenzte Anzahl der vorhandenen Instrumente zurückzuführen.

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Operationen mit Hilfe geliehener Instrumente
Da die Zentralsterilisation des Klinikums Kassel nach den Funden von verunreinigtem OP-Besteck umgehend geschlossen wurde, musste sich die Klinik seither Operationsinstrumente aus anderen Häusern ausleihen oder bekam von den Herstellern Ersatz gestellt. Mit Hilfe dieser gestellten Instrumente soll nun laut Angaben der Klinik-Sprecherin der Operationsbetrieb allmählich wieder normalisiert werden. In den vergangenen Tagen fanden lediglich rund zehn Notfall-Operationen pro Tag statt, hieß es von Seiten des Klinikums. Um wieder zum Normalbetrieb zurückzukehren, bedarf es jedoch auch einer schnellen Wiedereröffnung der Zentralsterilisation, da die ausgeliehenen Operationsinstrumenten auf Dauer nicht ausreichen. Die eigenen Sterilisationsgeräte wurden daher laut Aussage der „Gesundheit Nordhessen AG“, welcher das Klinikum Kassel angehört, bereits überprüft und funktionieren einwandfrei. So hoffen die Verantwortlichen möglichst schnell wieder zum Alltag übergehen zu können.

Hessische Hygiene-Verordnung geplant
Die Häufung der Hygiene-Mängel in hessischen Kliniken – innerhalb weniger Wochen zuerst in Fulda und anschließend in Kassel – bereitet jedoch nicht nur den Verantwortlichen Klinikleitungen Kopfzerbrechen, sondern auch die Politik sieht sich gezwungen stärker für die Hygiene in den hessischen Kliniken zu sorgen. Der Sozialminister des Landes, Stefan Grüttner (CDU) forderte intensivere Kontrollen für Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen sowie eine besser Ausbildung des Fachpersonals in Bezug auf die Hygienevorschriften.. Im Sinne der Sicherheit „müssen die Kliniken häufiger überprüft werden“, betonte der Sozialminister. Außerdem kündigte Grüttner auch die Einführung einer Hygiene-Verordnung an, wie sie die Grünen bereits seit langem fordern. Neben den verbesserten Kontrollen und der intensiveren Ausbildung von Hygienefachkräfte in Pflege und Technik werde die Hygiene-Verordnung Regelungen zur allgemeinen Hygiene-Struktur in den hessischen Kliniken umfassen, erklärte Grüttner.

Hygiene-Mängel führen zu erhöhter Anzahl von Infektionen
Das Handlungsbedarf besteht, zeigen nicht nur die aktuellen Funde von verunreinigtem OP-Besteck in Fulda und Kassel, sondern auch die im internationalen Vergleich deutlich erhöhten Krankenhausinfektionen. In Deutschland infizieren sich nach Aussage der Gesundheitsbehörden deutlich mehr Menschen bei einem Krankenhausaufenthalt als Beispielsweise in den Niederlande oder den skandinavischen Staaten. Insbesondere die multiresistenten Erreger MRSA, welche gegen sämtliche gängigen Antibiotika immun sind, bilden dabei nach Einschätzung der Experten ein wachsendes Problem. So hat die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) bereits mehrfach darauf hingewiesen, dass die Hygiene-Mängel in den Krankenhäusern deutschlandweit eine stetig zunehmende Zahl von MRSA-Infektionen bedingen. Hier wäre die Einführung einer einheitlichen Hygiene-Verordnung auch nach Ansicht des DGKH-Experten Klaus-Dieter Zastrow ein wesentlicher Schritt in die richtige Richtung. (fp)