Hypertonie: So dramatisch ist Bluthochdruck

Heilpraxisnet

Hypertonie: Bluthochdruck bleibt gefährlich

13.12.2014

Auch wenn heutzutage mehr Menschen von ihrem Bluthochdruck wissen, bleibt Hypertonie hierzulande indirekt die Todesursache Nummer 1. Die Volkskrankheit wäre jedoch mittlerweile oft ganz gut zu behandeln, nicht nur mit Medikamenten, sondern auch durch eine gesündere Lebensweise und Hausmittel gegen Bluthochdruck.

Mehr Menschen wissen von ihrem Bluthochdruck
Noch immer zählt hoher Blutdruck zu den größten Gesundheitsrisiken in der westlichen Welt. So wird dadurch beispielsweise das Gefäßsystem belastet, das Entstehen einer Arteriosklerose beschleunigt und das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall erhöht. Wie vor wenigen Tagen berichtet wurde, haben die Deutschen ihren Blutdruck heute jedoch besser im Griff als noch vor zwei Jahrzehnten. Damals wusste nur die Hälfte der Betroffenen über ihren zu hohen Blutdruck Bescheid, ein Viertel wurde behandelt und lediglich bei zehn bis 15 Prozent war der Blutdruck gut im Griff. Wie die „Welt“ in einem aktuellen Beitrag schreibt, sagte Professor Martin Hausberg, Chefarzt am Städtischen Klinikum Karlsruhe, dass sich dies "mittlerweile verbessert hat". So wüssten dem Experten zufolge heute "82 Prozent der Betroffenen von ihrer Hypertonie, 72 Prozent seien in Behandlung und immerhin 52 Prozent haben passable Werte", so Hausberg, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Hochdruckliga (DHL).

20 bis 30 Millionen Hypertonie-Patienten
Den Experten zufolge ist es heute leichter denn je, Hypertonie zu behandeln. So gibt es mittlerweile über 500 Medikamente. Bei Wechselwirkungen, die im Zusammenhang mit Medikamenten, die wegen anderer Leiden notwendig sind, entstehen können, existieren den Angaben zufolge genügend Ausweichmöglichkeiten. „Und auch wer seinen Blutdruck nicht optimal beherrscht, sondern nur ein Stück senken konnte, hat schon einen Erfolg erzielt“, so Hausberg laut der „Welt“. Dem Bericht zufolge gibt es dennoch nach wie vor 20 bis 30 Millionen Hypertonie-Patienten. Die Volkskrankheit bleibt Todesursache Nummer 1, wenn man berücksichtigt, dass der Druck in den Blutgefäßen hunderttausendfach zu Herzinfarkt, Hirnschlag und Nierenversagen führt. Jedes Jahr sterben demnach in Deutschland über 140.000 Menschen an den Folgen von Hypertonie. „Damit steht Bluthochdruck auch an der Spitze, wenn man die verlorenen gesunden Lebensjahre betrachtet“, so Professor Jürgen Scholze, Direktor der Medizinischen Poliklinik der Berliner Charité.

Gesünderer Lebensstil
Wie Scholze erläuterte, hat sich im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte mehrfach gewandelt, was unter Bluthochdruck zu verstehen ist. Aufgrund zahlreicher Studien meinen Forscher heutzutage sagen zu können, dass der Blutdruck nicht unter 140/90 mmHg sinken muss. „Bei Menschen über 80 Jahren gehen wir sogar davon aus, dass eine Absenkung des oberen Werts auf 150 bis 160 ausreicht“, so Scholze. Um dahin zu kommen gebe es prinzipiell zwei Wege: Gesünderer Lebensstil und Medikamente. Ersteres bedeutet unter anderem gegen das eigene Übergewicht beziehungsweise Adipositas anzukämpfen, das Rauchen aufzugeben, mehr Bewegung und eine gesündere Ernährungsweise etwa durch weniger Fleisch, Salz und Alkohol und dafür mehr Obst und Gemüse. Da auch Stress zu Bluthochdruck beitragen kann, bieten sich unter anderem Entspannungstechniken zum Stressabbau, wie beispielsweise Yoga oder autogenes Training als mögliche Hilfen zum Blutdrucksenken an.

Mögliche Wechselwirkungen von Medikamenten beachten
Nur wenn all solche Maßnahmen nicht ausreichen, raten Ärzte zu Medikamenten. Der „Welt“ zufolge gilt als Regel, dass diejenigen die unter einem leichten Bluthochdruck leiden, also mit Werten bis zu 160/100, es erst einmal ein Jahr lang mit solchen Lebensstiländerungen versuchen sollten. Erst bei ausbleibendem Erfolg sei die Zeit für Medikamente gekommen. Da Hypertonie jedoch zunächst nicht schmerzt, fällt es Betroffenen oft schwer, sich an die Maßnahmen zu halten, zudem es viel bequemer ist, eine Tablette am Tag einzunehmen. Wie die Experten der Hochdruckliga erläuterten, reagiere jeder Patient anders. Zudem haben manche der Betroffenen zusätzliche Erkrankungen wie etwa Diabetes und nehmen weitere Medikamente ein, die man wegen möglicher Wechselwirkungen beachten müsse. „Manches Präparat wäre da kontraproduktiv“, so Scholze. „Deshalb ist es wichtig, dass sich Haus- und Fachärzte verständigen, um gegebenenfalls Medikamente auszutauschen und so die Gesamtsituation im Blick zu behalten.“

Zunahme von Übergewicht und Stoffwechselstörungen bei Kindern
Sorge bereitet Medizinern die Zunahme von Übergewicht und Stoffwechselstörungen bei Kindern und jungen Erwachsenen. Experten haben bei ihnen erst kürzlich zwei weitere Probleme ausgemacht: Zum einen den zunehmenden Konsum von sogenannten Energy Drinks mit Koffein und zum anderen die massenhafte medikamentöse Behandlung von Kindern mit dem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom/Hyperaktivitätsstörung (ADHS). Laut dem Bericht trägt beides zum Anstieg des Blutdrucks bei. „Unter Umständen bringt die medikamentöse ADHS-Therapie mehr Schaden als Nutzen“, meinte Charité-Mediziner Scholze. Zudem haben sich die Hinweise darauf verdichtet, dass krankes Zahnfleisch die Blutgefäße schädigt und zum Bluthochdruck beiträgt. „Zahnfleischentzündung, die Parodontitis, betrifft den ganzen Körper“, so Johannes Baulmann, Gefäßspezialist am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein. „Die Entzündungen durch bestimmte Bakterien lassen die Gefäße im Körper verkalken und vorzeitig altern.“ Wenn die Parodontitis aber erfolgreich behandelt wird, kann dies die Verkalkungen stoppen und zur Blutdrucksenkung beitragen. „Wichtig ist, dass der Zahnarzt die Parodontitis behandelt und nicht nur den Zahnstein entfernt.“

Weitere Diagnostik bei erfolgloser Therapie
Wenn der Blutdruck trotz Therapie schon seit längerer Zeit zu hoch ist, weiß man zunächst trotzdem noch nicht, ob die Blutgefäße bereits geschädigt sind und schon ein Schlaganfall oder Herzinfarkt droht. Wenn der Hypertonie-Patient zusätzliche Risikofaktoren trägt, wie beispielsweise Diabetes oder hohe Blutfettwerte, rät Professor Scholze zu weiterer Diagnostik, wobei bestimmte Marker bestimmt werden können, wie der Entzündungsindikator CRP im Blut und das Eiweiß Albumin im Urin. Zudem kann ein bildgebendes Verfahren, die Messung der „Pulswellenlaufzeit“, Auskunft darüber geben, ob die Gefäße noch flexibel und gesund sind oder hart und geschädigt. (ad)

Bild: hamma / pixelio.de