Hypertonien: Ärzte finden wichtige Therapieform gegen Bluthochdruck

Fabian Peters
Bislang unbekannter Mechanismus zur Bluthochdruck-Therapie einsetzbar?
Bluthochdruck ist eine der weltweit häufigsten Volkskrankheiten und mit dem Risiko schwerer Folgeerkrankungen verbunden. So steigt bei Bluthochdruck das Risiko für Herzinfarkte, Schlaganfälle und langfristige Organschäden, berichtet die Universitätsmedizin Mainz. Hier haben Forscher nun eine neue Option zur Behandlung von Bluthochdruck entdeckt.

Mit den bisherigen Behandlungsansätze lassen sich die Spätfolgen von Bluthochdruck oft nur unzureichend verhindern, berichten die Mainzer Forscher um Professor Dr. Philip Wenzel. Doch eine neu entdeckte Interaktion von Faktoren der Blutgerinnung und der Entzündungsreaktion eröffne hier möglicherweise neue Behandlungsoptionen. Von ihren aktuellen Studienergebnissen berichten die Wissenschaftler in dem Fachmagazin „ Science Translational Medicine“.

(Bild: M.Dörr & M.Frommherz/fotolia.com)

Blutgerinnungsfaktor bei Bluthochdruck verstärkt aktiviert
Die Forscher vom Zentrum für Kardiologie und dem Centrum für Thrombose und Hämostase (CTH) an der Universitätsmedizin Mainz konnten nach eigenen Angaben nachweisen, dass bei Patienten mit Bluthochdruck der sogenannte Blutgerinnungsfaktor XI verstärkt aktiviert ist. Wird dieser Blutgerinnungsfaktor gehemmt, „dann lässt sich der Bluthochdruck deutlich senken, und es treten weniger Entzündungsreaktionen auf“, so die Mitteilung der Universitätsmedizin Mainz. Diese Entdeckung eröffne neue Therapieoptionen zur Behandlung von Bluthochdruck und Entzündungskrankheiten.

Bluthochdruck Ursache vieler Todesfälle
Den Angaben der Mediziner zufolge leiden in Deutschland etwa 25 Millionen Menschen an Bluthochdruck. Ein unerkannter beziehungsweise unbehandelter Bluthochdruck erhöhe deutlich das Risiko für Folgeschäden des Herz-Kreislaufsystems und der Niere, was fatale Folgen für die Betroffenen haben könne. Rund Jede/r vierte sterbe an den Folgen des Bluthochdruckes, so die Aussage der Mediziner.

Mehr zum Thema:

Überraschende Studienergebnisse
Bei den Auswirkungen ist schon seit einiger Zeit bekannt, dass Bluthochdruck mit einer Entzündung der Gefäßwände und infolgedessen einer Gefäßschädigung einhergeht. Der nun festgestellte Zusammenhang mit der Blutgerinnung ist jedoch eine bahnbrechende Neuentdeckung. „Vollkommen überraschend war für uns, dass ein Gerinnungsmechanismus auch an der Entstehung und Entwicklung von Bluthochdruck maßgeblich beteiligt sein kann“, berichtet Prof. Wenzel. Die Forscher hatten in ihrer Studie das blutdrucksteigernde Hormon Angiotensin II im Tiermodell getestet und dabei festgestellt, dass Angiotensin II in der Gefäßwand eine Entzündungsreaktion auslöst.

Therapeutische Hemmung des Blutgerinnungsfaktors bei Bluthochdruck
Zudem beobachteten die Forscher, dass die Entzündungsreaktion durch Komponenten des Blutgerinnungssystems maßgeblich verstärkt wurde. Hierfür sei der Blutgerinnungsfaktor XI verantwortlich. Dessen eigentliche Aufgabe sei es, die Aktivierung der Gerinnung auf der Oberfläche der Blutplättchen anzutreiben, wobei er von Oberflächenrezeptoren der Blutplättchen unterstützt werde. „Bei diesem komplexen Zusammenspiel verschiedener Faktoren und Zellen haben uns die Studienergebnisse erstaunt: Sowohl die Entzündungsreaktion als auch die Entstehung des Bluthochdrucks ließ sich durch eine therapeutische Hemmung des Blutgerinnungsfaktor XI signifikant reduzieren“, betont Prof. Wenzel.

Neuer Behandlungsansatz gegen die Hypertonie
Durch die Hemmung des Gerinnungsfaktors, der bekanntermaßen nur eine untergeordnete Rolle bei der normalen Blutstillung spielt, lies sich laut Aussage der Mediziner sogar das Ausmaß einer Nierenschädigung deutlich reduzieren. Auch sei in den anschließenden Untersuchungen von Patientenproben deutliche geworden, dass eine verstärkte Gerinnungsaktivierung auf den Blutplättchen bei Patienten mit erhöhtem Blutdruck stattfinde. Hier sei der Blutgerinnungsfaktor XI ebenfalls die treibende Kraft. „Diese Erkenntnisse legen nah, dass eine medikamentöse Hemmung des Blutgerinnungsfaktor XI Bluthochdruckpatienten helfen könnte“, so die Mitteilung der Universitätsmedizin Mainz.

Folgeschäden künftig besser vermeidbar
Vieles spreche dafür, dass sich der Therapieerfolg und damit auch die Lebenserwartung von Patienten mit Bluthochdruck mit einem gehemmten Blutgerinnungsfaktor XI deutlich verbessern ließe, betont Prof. Wenzel. Bisher sei die multifaktorielle Erkrankung Bluthochdruck mit einer Kombination aus verschiedenen Medikamenten behandelt worden, doch die aktuellen Forschungsergebnisse eröffnen neue Behandlungsoptionen gegen den Bluthochdruck und dessen Folgeschäden mit Hilfe einer Hemmung des Blutgerinnungsfaktors, so das Fazit der Forscher. (fp)