Hyposensibilisierung gegen Heuschnupfen

Fabian Peters

Hyposensibilisierung bestenfalls ab Herbst beginnen

23.08.2011

Die diesjährige Heuschnupfen-Saison geht ihrem Ende entgegen und Millionen Allergiker deutschlandweit können seit Monaten erstmals wieder frei durchatmen. Experten des Deutschen Allergie- und Asthmabundes weisen nun in einer aktuellen Mitteilung darauf hin, dass der Herbst die beste Zeit für eine sogenannte Hyposensibilisierung sei.

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Durch die Hyposensibilisierung sollen die Ursachen des Heuschnupfens behoben werden, so dass die Betroffenen idealerweise nach der Therapie nicht länger allergisch auf die Pollen der verschiedenen Pflanzen reagieren. Im Rahmen der Hyposensibilisierung erhalten die Allergiker regelmäßig Injektionen mit genau den Substanzen, die als Auslöser des Heuschnupfens diagnostiziert wurden. Durch die kontinuierlich Erhöhung der verabreichten Dosen soll die Empfindlichkeit des Körpers gegen die allergieauslösenden Pollen reduziert und so bestenfalls der Heuschnupfen langfristig behoben werden. Der Herbst eignet sich laut Aussage der Experten besonders gut für den Beginn einer solchen Therapie, da zu dieser Zeit kaum Pollen in der Luft liegen.

Herbstzeit für Hyposensibilisierung nutzen
Heuschnupfen-Patienten, die eine Hyposensibilisierung in Betracht ziehen, sollten laut Aussage des Deutschen Allergie- und Asthmabundes, am besten im Herbst mit der Therapie beginnen. Denn zu dieser Jahreszeit ist die Pollenbelastung der Luft besonders gering. Je nach Witterung seien im Dezember oder Januar die „Frühblüher wie Haselnuss oder Erle“ bereits wieder aktiv, erklärte die Biologin des Deutschen Allergie- und Asthmabundes, Anja Schwalfenberg. Anschließend folgt laut Aussage der Expertin die Birkenblütezeit zwischen „Ende März und Anfang Mai“, so dass nur ein relativ kleines Zeitfenster ohne Pollenflug verbleibe. Bei Interesse an einer Hyposensibilisierung sollten die Betroffenen daher diese Zeit nutzen, um mit der Therapie zu beginnen, erklärte Schwalfenberg. Bestenfalls sind die Heuschnupfen-Patienten nach Abschluss der mehrjährigen Therapie immun gegen die ursprünglichen Allergieauslöser und können fortan auch die Pollenflug-Saison ohne Beschwerden durchleben, erläuterte Anja Schwalfenberg. So könnte die Hyposensibilisierung nach Einschätzung des Deutschen Allergie- und Asthmabundes Millionen Heuschnupfen-Patienten hierzulande von ihrem Leiden erlösen. Die Kosten hierfür übernehme die Krankenkasse.

Behandlungsmethode der Hyposensibilisierung
Im Rahmen der Hyposensibilisierung werden den Heuschnupfen-Patient jene Substanzen verabreicht, die bei ihnen die Allergie auslösen. Dabei ist die Hyposensibilisierung normalerweise auf einen Zeitraum von drei Jahren ausgelegt, in dem die Betroffenen alle vier bis acht Wochen eine kontinuierlich steigende Dosis der Allergieauslöser verabreicht bekommen, erklärte die Expertin des Deutschen Allergie- und Asthmabundes. Durch die langsame Erhöhung der Dosierung könne sich der Körper allmählich an die Allergieauslöser gewöhnen und „im Idealfall lindert das die Beschwerden gut und senkt das Risiko, dass sich aus der Pollenallergie ein allergisches Asthma entwickelt“, erklärte Anja Schwalfenberg gegenüber der Nachrichtenagentur „dapd“. In der Regel werden die Allergieauslöser dabei unter die Haut injiziert, doch die Patient können die Wirkstoffe auch in Tropfen- oder Tablettenform zu sich nehmen, so Schwalfenberg weiter. Die Aufnahme über die Mundschleimhaut habe „den Vorteil, dass man die Therapie auch zu Hause durchführen kann, wenn beispielsweise eine Spritzentherapie mangels Zeit für die Arzttermine nicht möglich ist“, betonte die Allergieexpertin. Bei Erfolg der Hyposensibilisierung können die Patienten am Ende den Sommer ohne ständig tränende Augen, laufende Nasen und Reizhusten durchleben, betonte Schwalfenberg.

Hyposensibilisierung schützt vor Heuschnupfen und senkt das Asthma-Risiko
Auch Michael Barczok, Lungenfacharzt und Allergologe vom Lungenzentrum Ulm sowie Vorstandsmitglied im Deutschen Pneumologenverband erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur „dapd“, dass seiner Ansicht nach ein Hyposensibilisierung durchaus sinnvoll sei, da diese „nicht nur das Risiko, dass sich aus einer Pollenallergie Asthma entwickelt,“ reduziert, sondern auch die Gefahr anderer Allergien mindert. Dem Lungenfacharzt zufolge kann eine erfolgreiche Hyposensibilisierung die Patienten mit ein wenig Glück ihr Leben lang vor Heuschnupfen schützen, wobei die Chancen auf eine erfolgreiche Therapie besonders hoch seien, wenn nur eine Allergie vorliegt. Bereits zu Beginn der diesjährigen Pollenflug-Saison hatte der Allergologe und Facharzt für Lungen- und Bronchialheilkunde, Dr. Wolfram Feußner, auf die Vorteile der Hyposensibilisierung hingewiesen. Diese könne vor allem bei Heuschnupfen-Patienten, die nur auf einzelne Allergene reagieren und noch eine gute Lungenfunktion aufweisen, deutliche Vorteile bieten, betonte Dr. Feußner Anfang des Jahres. Bei Patienten mit sogenannten Kreuzallergien (Betroffenen leiden zum Beispiel an Heuschnupfen und Nahrungsmittelallergien) ist die Hyposensibilisierung jedoch erheblich schwieriger, so die Aussage von Michael Barczok.

Kreuzallergien erschweren die Behandlung
Bei Patienten mit Kreuzallergie ist eine erfolgreiche Hyposensibilisierung nur möglich, wenn vorab eindeutig bestimmt werden kann, welche Substanz die stärksten Beschwerden auslöst und welche Haupt- und Nebenallergien vorliegen, erläuterte der Lungenfacharzt Barczok. Anhand eines Bluttests könne im Vorfeld der Therapie bestimmt werden, wie hoch die Erfolgschancen der Hyposensibilisierung liegen, so Barczok weiter. Allerdings führen Allergologen ohnehin „routinemäßig“ einen solchen Test durch, „denn das Immunisierungsverfahren – das übrigens von der gesetzlichen Krankenversicherung bezahlt wird – ist schließlich aufwendig und auch teuer“, betonte das Vorstandsmitglied des Deutschen Pneumologenverbandes. Vor allem jungen Patienten sei eine Hyposensibilisierung zu empfehlen, da diese nicht nur bestehende Allergien abschwächt, sondern auch neuen Allergien vorbeugt, erklärte Barczok. Dabei könne die Hyposensibilisierung bereits ab dem Schulalter eingesetzt werden. Allerdings sollten laut Aussage des Lungenfacharztes drei wesentlich Voraussetzungen für den Einsatz der Behandlungsmethode gegeben sein: Die Allergene müssen bekannt sein, die Patienten haben keine Möglichkeit die Allergene im Alltag zu meiden und die Hyposensibilisierung ist als sichere, erfolgreiche Behandlungsmethode für die entsprechenden Allergene belegt.

Kritik an der Hyposensibilisierung
Während in der aktuellen Berichterstattung eher die Vorteile der Hyposensibilisierung thematisiert werden, so sehen Kritiker durchaus erhebliche Schwächen in dem Behandlungsansatz. Vor allem der zeitlich Aufwand und die drohenden Nebenwirkungen werden hier als Kritikpunkte der Hyposensibilisierung genannt. Zwar seien die Nebenwirkungen eher selten, doch schlimmstenfalls drohen erhebliche gesundheitliche Beeinträchtigungen, wie beispielsweise Anaphylaktische Schocks. Der zeitliche Aufwand ist aus Sicht der Kritiker zu bemängeln, da der menschliche Organismus sich ohnehin im Verlauf des Lebens mehrfach neu einstellt und dies auch im Verlauf der mehrjährigen Therapie der Fall sein könnte. In der Naturheilkunde setzen die Therapeuten daher eher auf Maßnahmen wie zum Beispiel Entspannungsverfahren, Magnetfeld/Bioresonanz-Verfahren, Eigenblut-Therapien, pflanzlichen Therapien, Selbstsuggestion, Akupunktur und Homöopathie, um die Heuschnupfen-Ursachen zu beheben. (fp)