Hypotonie: Wie gefährlich ist niedriger Blutdruck und was kann helfen?

Ist von Blutdruck die Rede geht es meist um Warnungen vor gesundheitsgefährdender Hypertonie. Doch manche Menschen haben auch zu niedrigen Blutdruck. Statt Medikamenten wird hier eher auf Mittel zur Selbsthilfe gesetzt. (Bild: goodluz/fotolia.com)
Alfred Domke
Niedriger Blutdruck: Wie Betroffene bei Hypotonie wieder in Schwung kommen
Schwindel, Benommenheit, Müdigkeit: Die Auswirkungen von niedrigem Blutdruck können ziemlich lästig sein. Dennoch ist Hypotonie häufig unbedenklich. Einfache Tipps können meist helfen, den Blutdruck wieder in Schwung zu bringen. Bei andauernden niedrigen Blutdruckwerten sollte jedoch ein Arzt kontaktiert werden.

Meist wird vor zu hohen Blutdruckwerten gewarnt
Geht es um das Thema Blutdruck, wird in der Regel vor zu hohen Werten gewarnt. Bluthochdruck gilt schließlich als maßgeblicher Risikofaktor für potenziell tödliche Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Zwar werden derzeit Werte über 140 zu 90 Millimeter Quecksilber (mmHg) als Hypertonie bezeichnet, doch Experten zufolge sollte eigentlich 120 statt 140 das neue Blutdruck-Ziel sein.

Ist von Blutdruck die Rede geht es meist um Warnungen vor gesundheitsgefährdender Hypertonie. Doch manche Menschen haben auch zu niedrigen Blutdruck. Statt Medikamenten wird hier eher auf Mittel zur Selbsthilfe gesetzt. (Bild: goodluz/fotolia.com)
Ist von Blutdruck die Rede geht es meist um Warnungen vor gesundheitsgefährdender Hypertonie. Doch manche Menschen haben auch zu niedrigen Blutdruck. Statt Medikamenten wird hier eher auf Mittel zur Selbsthilfe gesetzt. (Bild: goodluz/fotolia.com)

Bis zu fünf Millionen Bundesbürger haben niedrigen Blutdruck
Es gibt jedoch auch Menschen, deren Blutdruck zu niedrig ist. Allein in Deutschland soll dies bei schätzungsweise drei bis fünf Millionen der Fall sein. Weltweit sind bis zu fünf Prozent der Bevölkerung betroffen. Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge gilt bei Frauen ein Blutdruck von weniger als 100 zu 60 mmHg und bei Männern von unter 110 zu 70 mmHg als niedrig. Die sogenannte Hypotonie ist nicht immer harmlos, sie kann auch ein Krankheitsanzeichen sein.

Ursachen für Hypotonie herausfinden
In einer Meldung der Nachrichtenagentur dpa haben Experten wichtige Informationen zum Thema. Laut dem Pressesprecher des Bundesverbands niedergelassener Kardiologen (BNK), Heribert Brück, sollte ein Arzt mit einer Untersuchung herausfinden, ob der niedrige Blutdruck eine organische Ursache hat. Ein zu niedriger Blutdruck kann beispielsweise ein Hinweis auf eine Schilddrüsenunterfunktion oder auf Herzkrankheiten wie eine Herzmuskelschwäche sein.

Betroffene nehmen Kreislaufstörung nicht immer wahr
„Der niedrige Blutdruck an sich ist keine Krankheit“, erklärte Brück. Es liegt vielmehr eine Kreislaufstörung vor. Hypotonie wird von Betroffenen oft erst wahrgenommen, wenn sich in bestimmten Situationen Schwindel, Ohrensausen oder Kälteempfindlichkeit einstellen. Den Angaben zufolge unterscheiden Mediziner zwischen der regulativen sowie der chronischen und episodischen Hypotonie.

Störungen bei der Durchblutung
Bei ersterer gibt es zum Beispiel Probleme bei schnellen körperlichen Lagewechseln. Dies kann etwa das abrupte Wiederaufrichten des Körpers nach dem Bücken oder ein zu rasches Aufstehen nach dem Liegen sein. Betroffenen ist dann womöglich schwindelig, sie sehen kleine Sternchen. Bei einem chronisch oder episodisch erniedrigten Blutdruck hingegen gibt es Störungen bei der Durchblutung. Diese könne sich unter anderem in Konzentrationsschwäche und schneller Ermüdung äußern.

Senioren sollten niedrigen Blutdruck ernst nehmen
Laut der Apothekerin Ursula Sellerberg von der Bundesapothekerkammer in Berlin sollten vor allem ältere Menschen einen niedrigen Blutdruck ernst nehmen. Wenn Senioren zum Beispiel Probleme beim Aufstehen haben, riskieren sie, bei den ersten Schritten zu stürzen. „Das kann gerade bei älteren Menschen, die nicht selten an Osteoporose leiden, zu schmerzhaften und komplizierten Knochenbrüchen führen“, warnte Sellerberg.

Keine Medikamente bei Hypotonie
Blutdruck-Patienten bekommen mitunter blutdrucksenkende Medikamente verordnet. „Bei niedrigem Blutdruck werden meist keine Arzneimittel verabreicht“, erläuterte Brück. Vielmehr wird auf Mittel zur Selbsthilfe gesetzt. „Oft kann es schon hilfreich sein, für eine Verbesserung der Durchblutung und der Sauerstoffversorgung zu sorgen“, sagte Christian Dannhart vom Kneipp-Bund – Bundesverband für Gesundheitsförderung und Prävention in Bad Wörishofen.

Wechselduschen zur Selbsthilfe
Dafür bietet sich etwa eine Hydrotherapie in Form von Wechselduschen an. Diese regen das Herz-Kreislauf-System an und wirken durchblutungsfördernd. „Dabei sollte man das Duschen immer mit kaltem Wasser abschließen“, erläuterte Dr. Norbert Smetak vom BNK in einer älteren Mitteilung der „Kardiologen im Netz“.

Wem der Wechsel von warm auf kalt am ganzen Körper zu heftig ist, kann damit beginnen, erst einzelne Körperpartien mit wechselnden Wassertemperaturen abzubrausen. „Im Vorfeld sollte jedoch ein Arzt zurate gezogen werden“, mahnte Brück. Bei bestimmten Vorerkrankungen wie Venenleiden sind Wechselduschen nämlich nicht immer empfehlenswert.

Kochsalzreiche Kost und Mineralwasser
Außerdem wird bei niedrigem Blutdruck eine kochsalzreichere Kost empfohlen. Für manche Menschen kann eine Ernährung mit viel Salz also tatsächlich gesund sein. „Auch eine mineralstoff- und vitaminreiche Ernährung sind wichtig, also viel Obst und Gemüse“, sagte Dannhart. Darüber hinaus ist es für den Kreislauf wichtig, ausreichend zu trinken. Pro Tag sollten es mindestens zwei Liter Mineralwasser sein.

Mit den Beinen in der Luft Rad fahren
Heilpflanzen, die eine anregende Wirkung auf den Kreislauf haben, sollen ebenfalls einen positiven Effekt bei Hypotonie haben. Nicht zuletzt hilft auch Bewegung. „Eine Möglichkeit ist etwa, den Kreislauf dadurch anzukurbeln, indem man morgens im Bett vor dem Aufstehen mit den Beinen in der Luft Rad fährt“, erklärte Sellerberg.

„Regelmäßige körperliche Betätigung trägt ebenfalls dazu bei, die Regulationsfähigkeit der Blutgefäße zu verbessern. Vorteilhaft sind neben Ausdauersportarten wie Schwimmen, Radfahren und Joggen auch Sportarten mit schnellen Aktionen wie Badminton oder Squash“, so Dr. Smetak. Zudem ist maßvolle Bewegung an der frischen Luft zu empfehlen.

„Auch Entspannungstechniken wie Yoga oder Atemübungen können die Durchblutung fördern und damit die Sauerstoffversorgung des Gehirns verbessern“, so Dannhart. Ein Tipp von Sellerberg: „Betroffene sollten sich einfach mal des Öfteren flach hinlegen und die Beine hochlagern.“ (ad)

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