Ibuprofen als Schutz vor Parkinson?

Fabian Peters

Schützt Ibuprofen vor Parkinson? Mediziner betrachten US-Studie kritisch.

05.03.2011

Die regelmäßige Einnahme von Ibuprofen schützt vor Parkinson, das behaupten US-Forscher der Harvard School of Public Health, die eine Auswertung von über 130.000 Teilnehmer-Datensätzen aus mehrere Gesundheitsstudien erstellt haben. Parkinson-Experten bemängeln allerdings die geringe Aussagekraft der aktuellen Studie.

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Die Analyse der Daten von 99.000 Frauen und 37.000 Männern, die an Gesundheitsstudien teilgenommen hatten, ergab den Aussagen der US-Wissenschaftler zufolge, dass die regelmäßige Einnahme des Schmerzmittels Ibuprofen vor Parkinson schützt. Allerdings sei eine vorsorgliche Einnahme aufgrund der möglichen Nebenwirkungen nicht zu empfehlen, warnen der Epidemiologe Xiang Gao und seine Kollegen von der Harvard School of Public Health bei der Veröffentlichung ihrer Ergebnisse in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins „Neurology“.

Zusammenhang zwischen Parkinson und entzündungshemmenden Schmerzmitteln?
Den US-Forschern zufolge hat die Auswertung der Daten aus den Gesundheitsstudien ergeben, dass
Ibuprofen bei regelmäßiger Einnahme (mindestens zweimal die Woche) das Risiko einer Parkinson-Erkrankung um 38 Prozent senkt. „Bis jetzt ist Parkinson unheilbar. Die Möglichkeit, dass Ibuprofen, ein vorhandenes und relativ unschädliches Medikament, ein Schutz gegen die Krankheit sein könnte, ist eine bestechende Vorstellung“, erklärte der ebenfalls an der Studie beteiligte Alberto Ascherio von der Harvard School of Public Health in Boston. Im Rahmen der Gesundheitsstudien wurde erfasst, wie häufig die Teilnehmer Schmerzmittel einnahmen und welche dies waren. So konnten die US-Forscher bei der Auswertung Rückschlüsse auf die Wirkung sogenannter nichtsteroidale Antirheumatika wie beispielsweise Ibuprofen, Aspirin oder anderer entzündungshemmender Medikamente auf das Risiko einer Parkinson-Erkrankung ziehen. Dabei seien auch andere bekannte Risikofaktoren (zum Beispiel Alter, Ernährung, Rauchen) berücksichtigt worden, berichten die US-Wissenschaftler. Insgesamt wurde in dem Untersuchungszeitraum von sechs Jahren bei 291 Studienteilnehmern Parkinson diagnostiziert.

Reduzierung der Parkinson-Risikos um ein Drittel
Nachdem sie eine Reduzierung des Parkinson-Risikos um 38 Prozent im ersten Schritt ihrer Datenanalyse festgestellt haben, bezogen die US-Forscher in einem zweiten Schritt weitere Studien in ihre Untersuchungen mit ein. Dabei seien sie zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen, berichten Xiang Gao und Kollegen. Ibuprofen habe auch hier das Risiko einer Parkinson-Erkrankung um 27 Prozent gesenkt. Zwar sei die Wirkung nicht ganz so deutlich gewesen, doch auch eine Reduzierung des Parkinson-Risikos um knapp ein Drittel stelle noch eine beachtlich Schutzwirkung dar. Allerdings konnten die Wissenschaftler bisher nicht klären, wie genau das Arylpropionsäurederivat Ibuprofen gegen Parkinson wirkt. Laut Aussage der US-Forschern könnte die entzündungshemmende Wirkung die entzündlichen Veränderungen im Gehirn verhindern, welche einen Auslöser für Parkinson bilden. Auch sei es denkbar, dass Ibuprofen die Gehirnzellen schütze und so das Fortschreiten der Krankheit verlangsame, erklärten Xiang Gao und Kollegen.

Vorbeugende Einnahme von Ibuprofen nicht empfehlenswert
Die vorbeugende Einnahme von Ibuprofen ist nach Aussage der US-Forscher jedoch nicht zu empfehlen, da vor allem bei längerer anhaltender Anwendung, schwere Nebenwirkungen wie beispielsweise Blutungen im Magen-Darm-Trakt haben auftreten können. Alberto Ascherio zufolge muss erst in weiteren klinischen Studien untersucht werden, „ob ein langsameres Fortschreiten der Erkrankung solche Risiken rechtfertigt.“ Außerdem warnte der Neurologe James Bower von der Mayo Klinik in Rochester in einem Editorial zu dem Artikel im Fachmagazin „Neurology“ Ärzte davor, ihren Patienten Ibuprofen zur Parkinson-Vorbeugung zu empfehlen, denn die Risiken der Nebenwirkungen seien zu groß und die Aussagekraft der aktuellen Studie zu gering. Außerdem gebe „es noch eine Menge offener Fragen“, betonte James Bower.

Parkinson-Experten beurteilen aktuelle Studie kritisch
Auch der Mediziner Wolfgang Jost von der Deutschen Parkinsongesellschaft bemängelte die geringe Aussagekraft der aktuellen Studie, denn die Manifestation einer Parkinson-Erkrankung könne bis zu 20 Jahre dauern, der Untersuchungszeitraum der Studie sei daher nicht aussagekräftig. Außerdem werde seit längerem „entzündungshemmenden Medikamenten (…) ein kleiner Effekt auf Parkinson zugeschrieben“, der jedoch nicht klinisch relevant sei, erklärte Wolfgang Jost. „Innerhalb des Krankheitsverlaufes kann es zwar zu entzündlichen Veränderungen der Nervenzellen im Gehirn kommen, doch wir wissen hier noch nicht, ob dies eine Ursache oder eine Folge der Erkrankung ist“, so der Kritiker weiter. Daher sei zu bezweifeln, ob die entzündungshemmende Wirkung von Ibuprofen vor dem Ausbruch einer Parkinson-Erkrankung schützen kann. Insgesamt steht der Experte der Deutschen Parkinsongesellschaft den Ergebnissen der aktuellen Studie äußerst skeptisch gegenüber.

Symptome einer Parkinson-Erkrankung
Als degenerativen Erkrankungen des extrapyramidal-motorischen Systems (EPS) – unter anderem verantwortlich für die Motorik – tritt Parkinson überwiegend erst im späteren Lebensverlauf auf. Am häufigsten wird die neurologische Erkrankung im Alter zwischen 55 und 65 Jahren diagnostiziert, wobei im Gehirn die Zellen absterben, die den Botenstoff Dopamin produzieren. Durch den Mangel an Dopamin wird die Informationsübertragung im EPS gestört, wodurch die Motorik der Betroffenen in ihrer Funktion beeinträchtigt wird, was sich in Zittern und Bewegungsstörungen äußert. Schätzungen des Kompetenznetzes Parkinson zufolge leiden in Deutschland zwischen 100.000 und 250.000 Menschen an einer Parkinson-Erkrankung. Jedes Jahr werden durchschnittlich rund 10.000 neue Diagnosen hierzulande gestellt. Die Behandlung einer Parkinson-Erkrankung beruht dabei bisher im wesentlichen auf der Linderung der Beschwerden durch medikamentöse Behandlung – Aussichten auf Heilung bestehen nicht.

Nebenwirkungen von Ibuprofen
Die möglichen Nebenwirkungen von Ibuprofen vor denen die US-Forscher in ihrem aktuellen Beitrag warnen, umfassen neben gastrointestinale Beschwerden wie Sodbrennen, Übelkeit oder Durchfall, das Auftreten von Magen-Darm-Blutungen, Magengeschwüren oder Magenschleimhautentzündungen. Dabei ist nach Aussage der Experten die Dosis und die Anwendungsdauer von Ibuprofen für das Auftreten möglicher Nebenwirkungen entscheidend. Von einem vorbeugenden Gebrauch gegen Parkinson über mehrere Jahre beziehungsweise Jahrzehnte ist daher nicht nur nach Ansicht kritischer Experten wie Wolfgang Jost in jedem Fall abzuraten. Außerdem können auch bei geringerer Dosierung Überempfindlichkeitsreaktionen wie Hautausschlag oder Hautjucken auftreten.

Parkinson in der Naturheilkunde
Symptome des Morbus Parkinson können mit Naturheilkunde Methoden wie Entspannungs-, Meditations-, Atem- und Bewegungsübungen abgemildert werden. Hierzu gehören Methoden und Therapien wie Qigong, Yoga sowie Akupunktur und Massagen. (fp)