Ice-Bucket-Challenge für unsinnige Tierversuche?

Heilpraxisnet

Spendengelder der Ice-Bucket-Challenge werden auch für Tierversuche eingesetzt

29.08.2014

Innerhalb kürzester Zeit ging die Ice-Bucket-Challenge um die Welt und tausende Eimer Eiswasser wurden bereits über Köpfen ausgeschüttet – alles für den guten Zweck der ALS-Forschung. Denn gleichzeitig spendeten Promis, Politiker und andere Absolventen der Challenge zum Teil beträchtliche Summen, um die ALS Association zu unterstützen. Doch wie so oft, hat auch dieser Hype seine Schattenseiten. Den wenigsten dürfte bekannt sein, dass sie mit der Ice-Bucket-Challenge „grausame und sinnlose Tierversuche finanzieren“, berichtet nun die Vereinigung „Ärzte gegen Tierversuche“. Alle Nominierten werden von der Organisation aufgerufen, „nicht an die ALS Association zu spenden.“

Den meisten Menschen war die seltene Nervenkrankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) vor wenigen Wochen vermutlich noch kein Begriff. Doch mit dem originellen Spendenaufruf, bei dem Nominierte sich entweder einen Eimer Eiswasser über den Kopf schütten oder an die ALS Association spenden sollen, entwickelte sich ein regelrechter Hype in den sozialen Netzwerken. Etliche Prominente – aber auch viele Privatpersonen – filmten sich dabei, wie sie einen Eiswasser-Eimer über ihrem Kopf entleerten. Und viele entschieden sich, trotz erfüllter Aufgabe zu spenden. „Mittlerweile sind 80 Millionen Dollar Spendengelder zusammen gekommen, und täglich werden es mehr“, berichtet die kritische Ärztevereinigung. Corina Gericke, Vorstandsmitglied der „Ärzte gegen Tierversuche“ erhebt hier den Vorwurf, dass die Gelder auch für Tierversuche genutzt werden, obwohl „Tierversuche für die ALS-Forschung ein völliger Fehlgriff sind.“

ALS-Gesellschaft bestätigt Tierversuche
Die bundesweite Vereinigung „Ärzte gegen Tierversuche“ mit ihren nach eigenen Angaben rund 1.400 Mitgliedern warnt in der aktuellen Pressemitteilung, dass mit der gut gemeinten Aktion der Ice-Bucket-Challenge „grausame und sinnlose Tierversuche finanziert werden.“ Hier mache die ALS-Gesellschaft keinen Hehl daraus, dass bei den Forschungen auf „Tiermodelle“ gesetzt wird, „ wie es im lebensverachtenden Jargon der Tierexperimentatoren heißt“, betonte Corina Gericke. Hauptsächlich würden genmanipulierte Mäuse und Ratten verwendet, die durch Ausschalten eines Gens ähnliche Symptome aufweisen wie ALS-Patienten. „Die Tiere leiden an fortschreitenden Lähmungen und sterben qualvoll“, so die Mitteilung der Ärztevereinigung. Die Versuche seien besonders kritisch zu bewerten, da seit Jahren bekannt sei, dass die ALS-Forschung von diesen nicht profitiere.

ALS-Forschung profitiert nicht von Tierversuchen
Denn „trotz jahrelanger Tierversuchsforschung sind bislang nur ein Dutzend Wirkstoffe, die bei Mäusen die Symptome linderten, in klinischen Studien am Menschen getestet worden“, berichtet „Ärzte gegen Tierversuche“. Von den entwickelten Wirkstoffe hätten alle – bis auf einen – vollständig versagt, „und der eine Wirkstoff hat für ALS-Patienten nur einen marginalen Nutzen“, so die Vereinigung weiter. Schon seit langem warnt die Ärztevereinigung nach eigenen Angaben vor den Unzulänglichkeiten und Gefahren der Tierversuche. „Schon gesunde Tiere und Menschen unterscheiden sich in ihrer Reaktion auf Substanzen wesentlich“ und „bei der ALS-Forschung werden künstlich durch Genmanipulation geschädigte Tiere verwendet, die das komplexe Krankheitsbild beim Menschen nicht abbilden können“, erläutert die Vereinigung. Beispielweise sterbe „die häufig verwendete Maus-Mutante TDP 43 an Darmverschluss, weil ihr Darm gelähmt wird und nicht an Muskelschwund wie die menschlichen Patienten.“

Ärztevereinigung: Nicht an die ALS Association spenden
Ihre kritische Haltung sieht die Ärztevereinigung auch durch die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA bestätigt, der zufolge „92 Prozent der potentiellen Medikamente, die sich im Tierversuch als wirksam und sicher erwiesen, durch die klinische Prüfung fallen, weil sie gar nicht oder anders wirken oder aber schädlich für den Menschen sind“, so die Mitteilung von „Ärzte gegen Tierversuche“. Corina Gericke kommt zu dem Schluss, dass die Übertragung von Ergebnissen aus Tierversuchen auf den Menschen reine Spekulation ist. Dass die Spendengelder der Ice-Bucket-Challenge auch für solche Versuche Verwendung finden sollen, ist daher für die Ärztevereinigung nicht hinnehmbar und „Ärzte gegen Tierversuche“ fordert aus diesem Grund „alle Eiswassernominierten auf, nicht an die ALS Association zu spenden, um sich nicht mitschuldig zu machen an deren leidvollen und unsinnigen Tierversuchen.“ Gleichzeitig werde der ALS-Verband aufgefordert, „die Forschung an Tieren umgehend einzustellen und die Spendengelder für tierversuchsfreie Tests mit menschlichen Zellen, Computersimulationen und Biochips einzusetzen.“ (fp)

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