Im afrikanischen Uganda lauern tödliche Viren

Alfred Domke

Frau am Krim-Kongo-Fieber gestorben: Gerade im afrikanischen Uganda lauern tödliche Viren

01.09.2013

Ebola, Marburg-Fieber, oder andere exotische Viruserkrankungen – sehr oft ist Uganda davon betroffen, wenn in Afrika eine Epidemie ausbricht. Erstmals ist jetzt dort ein Mensch am Krim-Kongo-Fieber gestorben.

Todesfall durch Krim-Kongo-Fieber
Immer wieder trifft es Uganda, wenn in Afrika schwere Seuchen ausbrechen. Schlagzeilen über einen Ebola-Ausbruch, das Auftreten des Marburg-Virus oder der mysteriösen Kopfnick-Krankheit, von der vor allem Kinder betroffen sind, scheinen in dem ostafrikanischen Land kein Ende nehmen zu wollen. Nun muss auch noch das Krim-Kongo-Fieber (CCHF) dazu gezählt werden, eine Krankheit, die es bislang in dieser Region in so schwerer Form nicht gab. Eine 27-jährige Frau sei bereits daran gestorben, drei Todesfälle würden derzeit untersucht, eine weitere Patientin befinde sich in Quarantäne und rund 50 weitere, die Kontakt mit der Infizierten hatten, würden überwacht werden.

Bislang nur milde Form in Afrika
„Nie zuvor ist jemand in Uganda an CCHF gestorben", so Issa Makumbi, ein Epidemiologie-Experte des Gesundheitsministeriums. „Das beweist, dass es sich um die schwere Form der Krankheit handelt, die zum Tod führen kann." Bislang gab es in Afrika nur die milde Form der von Zecken übertragenen Krankheit. Bisher kam es hauptsächlich in Zentralasien, in Süd-Ost-Europa – speziell in der Türkei – und im Mittleren Osten zu der lebensgefährlichen Verlaufsform.

Überträger in Deutschland nachgewiesen
Die Sterberate der Infizierten erreicht in einigen Ländern wie beispielsweise Bulgarien rund 18 Prozent. Hierzulande hat sich zwar bislang noch niemand mit der potenziell tödlichen Tropenkrankheit infiziert, doch Forscher konnten sowohl in Holland als auch in Deutschland „dessen Überträger, die Schildzecken Hyalomma und Rhipicephalus, die braune Hundezecke“, nachweisen, so die Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e. V. Bei einer Erkrankung komme es zu grippeähnlichen Symptomen wie Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen und einer Gesichtsrötung. Oft komme es zu inneren Blutungen und Organversagen mit Todesfolge.

Zecken als Überträger
Wissenschaftlern zufolge bestehe das Problem in der stetig zunehmenden Zahl an Zecken, die sich in erster Linie vom Blut von Kühen, Schafen und Ziegen ernähren. „Das macht uns große Sorgen", so Makumbi. „Früher wurden Zecken bei Haus- und Nutztieren auf kommunaler Ebene bekämpft, aber jetzt ist es jedem Farmer selbst überlassen, gegen Zecken vorzugehen." Wenn das Problem nicht auf nationaler Ebenen angegangen werde, „besteht die Gefahr, dass sich die Krankheit in eine Epidemie ausweitet." Menschen könnten mit dem hochansteckenden Krim-Kongo-Fieber nicht nur über Zeckenbisse infiziert werden, sondern auch durch den Verzehr infizierten Tierfleisches. Die Übertragung von Mensch zu Mensch erfolge über infizierten Speichel oder den Kontakt mit Blut oder Urin. Vize-Gesundheitsminister Elioda Tumwesigye warnte vor wenigen Tagen: „Bei der schweren Form sterben bis zu 40 Prozent aller Infizierten.“

Ebola kehrt immer wieder
Neben der aktuellen Gefahr durch das Krim-Kongo-Fieber besteht in dem ostafrikanischen Land scheinbar dauerhaft des Risiko eines Ebola-Ausbruchs. So wüteten in Uganda bereits mehrfach Ausbrüche des Ebolafiebers, wobei im Zuge der bislang schlimmsten Infektionswelle mehr als 200 Todesfälle zu verzeichnen waren. Das Virus ruft beim Menschen sogenanntes hämorrhagische Fieber (Fiebererkrankung mit Blutungen) hervor, das in 50 bis 90 Prozent der Fälle einen qualvollen Tod der Patienten zur Folge hat. Im letzten Jahr starben 16 Menschen an Ebola im nordwestlichen Bezirk Kibaale. Fast zeitgleich wurden fünf Todesfälle wegen Marburg-Fiebers aus einer anderen Region gemeldet. Beide Krankheiten werden von Viren verursacht und gleichen sich in ihrem Verlauf.

Ebola in Zukunft heilbar?
Im vorvergangenen Jahr berichteten erstmals zwei unabhängige Forscherteams in dem Fachmagazin „Nature“, dass Ebola in Zukunft heilbar sei. In einer der vorgestellten Studie erläuterten die Forscher um James Cunningham von der Harvard Medical School in Boston, dass durch die Ausschaltung eines speziellen Proteins ( NPC1) ein Schutz vor Ebola aufgebaut werden kann. Die Wissenschaftler blockierten das Protein mit Hilfe eines neu entwickelten Wirkstoffs, woraufhin die Zellen zuverlässig vor einer Infektion mit dem Ebolavirus geschützt waren. In einer im Fachjournal „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (PNAS) vorgestellten Studie hatten US-Wissenschaftler außerdem gezeigt, dass Rhesusaffen, die kurze Zeit nach dem Kontakt mit den Ebolaviren Antikörper gegen Ebola injiziert bekamen, überhaupt nicht oder nur sehr leicht an Ebola erkrankten. Sämtliche bisherigen Behandlungsansätze befinden sich derzeit jedoch noch in der Forschungsphase und müssen sich erst bewähren.

Essen von Primatenfleisch Schuld an Ausbreitung?
Für die Häufung dieser tödlichen Infektionskrankheiten meint Makumbi eine Erklärung zu haben: „Uganda liegt in der Nähe des Kongo-Beckens, einem Hotspot für diese Krankheiten.“ Vor allem Affen aus der Region seien scheinbar Träger des Ebola-Virus. Kongolesische Flüchtlinge hätten mittlerweile die Tradition des Essens von Primatenfleisch in Uganda eingeführt. „Durch den Verzehr dieser Tiere wird das Virus übertragen und eine Seuche kann sich ausbreiten", so Makumbi. Das Ebola-Virus tauchte 1976 erstmals in Zaire, der heutigen Demokratischen Republik Kongo, auf. Etwa zur selben Zeit kam es im Sudan zu einem Ausbruch. Das CCHF-Virus wurde 1956 ebenso erstmals in dem zentralafrikanischen Land aus menschlichem Blut isoliert. Die Behörden in Uganda hoffen, dass durch die guten Frühwarnsysteme und die Überwachung möglicher Virusträger eine weitere Ausbreitung des Virus´zu verhindern ist. (ad)

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Bild: Cornelia Menichelli / pixelio.de