Im Job zwischen stehen und sitzen wechseln

Astrid Goldmayer

Öfters im Job die Haltung wechseln

22.07.2013

Wer im Büro arbeitet, verbringt fast den ganzen Tag in derselben Körperhaltung vor dem Computer. Aber auch LKW-Fahrer oder Friseure wechseln im Job selten ihre Haltung. Allzu oft verspannen sich dabei Bereiche des Körpers so sehr, dass vor allem muskuläre Beschwerden die Folge sind. So nehmen Rückenschmerzen den ersten Platz unter den krankheitsbedingten Ausfällen von Arbeitnehmern ein. Aber auch andere Beschwerden wie Nackenschmerzen, Dicke Beine, Schulterstechen und Oberarmschmerzen können eine Folge unnatürlicher, falscher Körperhaltung sein.


Bewegung und frische Luft sind im Job wichtig
Viele Menschen bewegen sich im Job fast gar nicht oder machen bei ihrer Arbeit immer wieder die gleiche Bewegung. Durch Bewegungsmangel oder einseitige Bewegung entstehen nicht selten Probleme mit dem Rücken, den Armen und Beinen sowie zahlreiche weitere Beschwerden, die auf Fehlhaltungen zurückzuführen sind. Anette Wahl-Wachendorf vom Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte in Deutschland (VDBW) erläuterte gegenüber der Nachrichtenagentur „dpa“, wie Berufstätige Kreuzschmerzen und Co. vorbeugen können.

Aufgrund immer gleicher Bewegungsmuster wie beispielsweise beim Tippen auf der Tastatur und Klicken mit der Maus werden bestimmte Muskeln dauerhaft überlastet, während andere gleichzeitig verkümmern, weil sie gar nicht beansprucht werden. Die Expertin vom VDBW rät Berufstätigen deshalb dazu, öfter bewusst die Körperhaltung zu verändern, um auf diese Weise einseitigen ungesunden Belastungen und Erkrankungen vorzubeugen. So könne ein Friseur, der meist im Stehen arbeitet, bewusst einigen Kunden im Sitzen die Haare scheiden. Ein LKW-Fahrer und Menschen, die im Büro arbeiteten, sollten zum Ausgleich für das lange Sitzen mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren. Wahl-Wachendorf zufolge sollte sich jeder Berufstätige am Ende des Arbeitstages auf unterschiedliche Weise bewegt haben.

Auch frische Luft sei wichtig. Das gelte vor allem für Menschen, die in geschlossenen Räumen ohne natürliches Licht und frische Luft arbeiteten. Die Expertin rät dazu, in er Mittagspause ins Freie zu gehen. Da sei gut für das Immunsystem und die Psyche.

Viele Unternehmen haben zudem mittlerweile reagiert und bieten ihren Mitarbeiten vergünstigte Fitness-Studio-Mitgliedschaften, die Nutzung eines firmeneigenen Trainingsraumes oder Kurse wie Tai Chi oder Yoga – zum Teil auch während der Arbeitszeit – an.

Langes Sitzen verkürzt Lebensdauer
Wie US-amerikanische Forscher herausfanden, sind ausgiebige Tätigkeiten im Sitzen nicht nur schlecht für die Körperhaltung, sondern verkürzen auch die Lebenszeit durchschnittlich um rund zwei Jahre. Wie das Team um Peter Katzmarzyk vom Pennington Biomedical Research Center an der Louisiana State University und I-Min Lee von der Harvard Medical School in Boston im „British Medical Journal“ im Juli vergangenen Jahres berichtete, zeigten die Ergebnisse ihrer Untersuchung, dass eine maximale Sitzzeit von weniger als drei Stunden pro Tag und die Begrenzung des Fernsehkonsums auf täglich unter zwei Stunden die Lebenserwartung ab der Geburt in den USA um circa 2,0 beziehungsweise 1,4 Jahre erhöhte. Für ihre Studie zogen die Forscher Daten des „National Health and Nutrition Examination Survey“ (NHANES) heran.

Wie die Wissenschaftler weiter berichteten, wirke sich langes Sitzen sogar noch stärker auf die Lebenserwartung aus als gesundheitliche Risikofaktoren wie beispielsweise Übergewicht (Adipositas). So würde geschätzt, dass sich die Lebenserwartung bei Geburt in den USA um 0,30 bis 1,08 Jahre durch Adipositas verkürze. Beim Rauen seien es 2,5 Jahre. (ag)