Im Sommer 2018 vorbei: Keine Amalgam-Zahnfüllungen für Kinder und Schwangere

Alfred Domke
Gefährliches Quecksilber: Kein Amalgam für Kinder und Schwangere
Die Nutzung von Quecksilber in Europa soll deutlich eingeschränkt werden. Das Schwermetall zählt zu den zehn gefährlichsten Umweltgiften der Welt. Es ist auch in Amalgam-Zahnfüllungen enthalten. Solche Plomben soll es für Kinder und Schwangere in Zukunft nur noch in Ausnahmefällen geben.

Billiger Füllstoff für Löcher in den Zähnen
Amalgam ist seit Jahrzehnten ein billiger und gängiger Füllstoff für Löcher in den Zähnen. Es besteht aus einer Mischung aus Silber, Kupfer, Zinn und Quecksilber. Seitdem es Hinweise darauf gibt, dass das Material gesundheitsschädlich sein kann, fragen sich Patienten, was sie mit ihren Zahnfüllungen aus Amalgam tun sollen. Manchmal wird angeraten – vor allem bei einer bekannten Amalgam-Allergie – die Füllung ersetzen zu lassen. Allerdings gibt es auch Fachleute, die meinen sie können im Mund bleiben, da es wissenschaftlich nicht eindeutig belegt ist, ob, beziehungsweise wie stark dieses Material die Gesundheit belastet. Der Einsatz von Amalgam wird aber künftig reduziert werden.

Ab Juli 2018 soll es für Kinder und Schwangere Amalgam-Zahnfüllungen nur noch in Ausnahmefällen geben. Dadurch soll die Nutzung von giftigem Quecksilber eingeschränkt werden. (Bild: Kzenon/fotolia.com)
Ab Juli 2018 soll es für Kinder und Schwangere Amalgam-Zahnfüllungen nur noch in Ausnahmefällen geben. Dadurch soll die Nutzung von giftigem Quecksilber eingeschränkt werden. (Bild: Kzenon/fotolia.com)

Für Kinder sowie schwangere und stillende Frauen nur in Ausnahmefällen
Laut einer Meldung der Nachrichtenagentur dpa will die Europäische Union die millionenfach verwendete Zahnfüllung wegen des giftigen Quecksilbers in Amalgam deutlich zurückdrängen. Den Angaben zufolge sollen es die Zahnärzte bei Kindern sowie schwangeren und stillenden Frauen ab 1. Juli 2018 nur noch in absoluten Ausnahmen nutzen. Dies wurde von der EU-Kommission am 7. Dezember bestätigt.

Zwar ist ein Verbot vorerst vom Tisch, doch bis 2020 wird geprüft, ob Zahnärzte ab 2030 ganz darauf verzichten können. Wie es in der Meldung heißt, ist der Kompromiss zwischen dem EU-Parlament, den Mitgliedsländern und der Kommission Teil eines Pakets zur Umsetzung der sogenannten Minamata-Konvention, die die Nutzung von Quecksilber eindämmen soll.

Gesundheitsgefahren durch Quecksilber
Besonders im Blickfeld ist dabei Amalgam. Denn damit kommen in der EU jährlich bis zu 75 Tonnen des hochgiftigen Quecksilbers in Umlauf.

Die möglichen Gesundheitsgefahren durch das Schwermetall sind bekannt. Bei Erwachsenen können Vergiftungen mit Quecksilber unter anderem zu Nieren-, Leber- und Nervenschäden führen. Zudem steht das giftige Schwermetall im Verdacht, die Risiken für Herzinfarkt und Alzheimer-Erkrankungen zu erhöhen. Auch ein erhöhtes Krebsrisiko durch Quecksilber wird angenommen.

Quecksilber gehört zu den zehn gefährlichsten Umweltgiften, die im Giftreport der Schweizer Umweltorganisation Green Cross und der Organisation Pure Earth aus New York aufgelistet werden. „Zur Eindämmung der Emissionen des Schwermetalls Quecksilber unterzeichneten 140 Staaten im Oktober 2013 das Minamata-Übereinkommen (Quecksilber-Konvention)“, heißt es in einer Mitteilung.

Verminderung der Nutzung
Laut dpa hält die EU-Kommission die Amalgam-Füllungen zwar für Patienten für ungefährlich, zumal sie im Mund verkapselt sind, doch Kritiker wecken immer wieder Zweifel. Sie verweisen insbesondere auf Gesundheitsrisiken bei der Verarbeitung und der Entsorgung und bei der Verbrennung von Verstorbenen in Krematorien. Das Schwermetall kann über die Atmosphäre in die Nahrungskette kommen und sich letztlich im Körper anreichern.

„Die EU hat jetzt einen klaren Fahrplan, Zahn-Amalgam zu reduzieren und möglicherweise sogar zu stoppen”, meinte eine Kommissionssprecherin. Den Angaben zufolge wird zum 1. Januar 2019 eine eigene Sammlung und sichere Entsorgung quecksilberhaltiger Abfälle aus Zahnarztpraxen vorgeschrieben. Von den 28 EU-Staaten sollen Aktionspläne zur Verminderung der Nutzung aufgestellt werden. (ad)