Immer größere Abweichungen bei der Lebenserwartung – Arme Menschen sterben deutlich früher

Die Lebenserwartung steht in engem Zusammenhang mit dem erzielten Einkommen. (Bild: Syda Productions/fotolia.com)
Fabian Peters
US-Studie belegt: Mit dem Einkommen steigt die Lebenserwartung
Der Zusammenhang zwischen dem Einkommen und der Lebenserwartung ist durch zahlreiche Studien belegt. In einer aktuellen Untersuchung haben US-Wissenschaftler nun eine detaillierte Auswertung von 1,4 Milliarden Steuerunterlagen aus den Jahren 1999 bis 2014 und den entsprechenden Sterbeurkunden vorgenommen. So konnten sie nicht nur die Auswirkungen des Einkommens auf die Lebenserwartung erfassen, sondern auch die Entwicklung über fünfzehn Jahre analysieren. Ihr Fazit: Das Einkommen hat maßgeblichen Einfluss auf die Lebenserwartung und in den letzten fünfzehn Jahren sind die Abweichungen zwischen den reichen und den armen Bevölkerungsgruppen weiter gewachsen.

Das Forscherteam um Raj Chetty von der Stanford University hat in seiner aktuellen Studie die Daten aus 1,4 Milliarden Steuerunterlagen genutzt, um die Auswirkungen des Einkommens auf die durchschnittliche weitere Lebenserwartung im Alter von 40 Jahren abzuschätzen. Sie stellten fest, dass „die Lücke in der Lebenserwartung zwischen dem reichsten und dem ärmsten Prozent der Personen 14,6 Jahre für Männer und 10,1 Jahre für Frauen“ betrug. Das Einkommen hat demnach erheblichen Einfluss auf die Lebenserwartung. Die Ergebnisse ihrer Studie haben die Forscher in dem Fachmagazin „JAMA“.

Die Lebenserwartung steht in engem Zusammenhang mit dem erzielten Einkommen. (Bild: Syda Productions/fotolia.com)
Die Lebenserwartung steht in engem Zusammenhang mit dem erzielten Einkommen. (Bild: Syda Productions/fotolia.com)

Lebenserwartung der Reichen zusätzlich deutlich gestiegen
Die Wissenschaftler stellten nicht nicht nur fest, dass die reichsten Menschen in den USA durchschnittlich deutlich länger leben als die ärmsten Personen, sondern sie konnten auch nachweisen, dass die Unterschiede bei der Lebenserwartung sich im Laufe der Zeit erhöht haben. So sei die Lebenserwartung für die fünf Prozent der Männer mit dem höchsten Einkommen im Studienzeitraum um 2,34 Jahre gestiegen und für Frauen dieses Einkommenssegments um 2,91 Jahre. Hingegen stieg die Lebenserwartung bei den ärmsten fünf Prozent der Männer nur um 0,32 Jahre und bei den Frauen dieser Einkommensgruppe um lediglich 0,04 Jahre. Die Kluft in der Lebenserwartung zwischen reichen und armen Bevölkerungsgruppen ist demnach während der vergangen 15 Jahre in den USA deutlich gestiegen.

Regionale Unterschiede bei der Lebenserwartung
Im Rahmen ihrer Untersuchung konnten die US-Forscher außerdem feststellen, dass die Lebenserwartung für Menschen mit geringem Einkommen regional deutlich variiert. Hier seien Abweichungen von bis zu 4,5 Jahren bei der Lebenserwartung feststellbar, berichten Raj Chetty und Kollegen. Welche Faktoren bei den geografischen Unterschieden in der Lebenserwartung eine maßgebliche Rolle spielen, haben die Wissenschaftler ebenfalls analysiert und dabei insbesondere die Gesetzgebung zum Schutz von Nichtrauchern bzw. zur Einschränkung des Tabakkonsums als signifikanten Faktor identifiziert. Auch sei die Lebenserwartung für Menschen mit geringem Einkommen in Regionen, die einen hohem Anteil von Einwanderern und/oder Hochschulabsolventen aufweisen, deutlich erhöht, schreiben die Forscher. Ebenfalls positiv auf die Lebenserwartung der Personen mit geringem Einkommen hätten hohe Ausgaben der öffentlichen Hand in den jeweiligen Regionen gewirkt.

Auch in Deutschland leben arme Menschen deutlich kürzer als reiche
Angesichts der wachsenden Kluft zwischen armen und reichen Bevölkerungsgruppen sind die nachweislichen Auswirkungen des Einkommens auf die Lebensdauer äußerst bedenklich. Dies gilt nicht nur für die USA, sondern auch für Deutschland. Hierzulande hatten Forscher des Robert Koch-Instituts (RKI) bereits im Jahr 2014 auf Basis der Daten aus dem sogenannten Sozio-oekonomische Panel (SOEP) Zusammenhänge zwischen dem Einkommen und dem Mortalitätsrisiko beziehungsweise der Lebenserwartung aufgedeckt. Demnach zeigten Frauen und Männer, deren Einkommen unterhalb der Armutsrisikogrenze lag, ein im Verhältnis zur höchsten Einkommensgruppe um das 2,4- beziehungsweise 2,7-Fache erhöhtes Mortalitätsrisiko.

Lediglich 84 Prozent der Frauen, die in relativer Armut leben, erreichen das 65. Lebensjahr, während 93 Prozent der relativ wohlhabenden Frauen diese Altersgrenze erreichen, berichteten die Experten des RKI. Bei den Männern seien die Unterschiede noch deutlicher ausgefallen. Die Abweichung der mittleren Lebenserwartung zwischen den ärmsten und reichsten Bevölkerungsgruppen in Deutschland lag laut Angaben der Forscher bei den Männern bei 10,8 Jahren und bei den Frauen bei 8,4 Jahren. Hier sind ärmere Bevölkerungsgruppen und insbesondere die Kinder in Bezug auf die Lebenserwartung deutlich benachteiligt. (fp)

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