Immer häufiger Jüngere von Schlaganfall betroffen

Astrid Goldmayer

Gut 30 Prozent der Schlaganfälle weltweit betreffen 20- bis 64-Jährige

27.02.2014

Während der Schlaganfall früher als Erkrankung im höheren Alter galt, sind mittlerweile auch immer mehr Jüngere betroffen. Das ergab eine Auswertung im Rahmen der „Global Burden of Disease“-Studie, einem gemeinsamen Projekt der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Weltbank zum weltweiten Auftreten der häufigsten Krankheiten. Die Ergebnisse der Studie wurden im Fachmagazin „The Lancet“ veröffentlicht. Besonders dramatisch: Etwa jeder 20. Schlaganfall tritt bei einem Kind oder Jugendlichen auf. Darauf weisen die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) und die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) in einer gemeinsamen Mitteilung hin.

Mit dem Wohlstand sind auch die Risikofaktoren für Schlaganfall gewachsen
Der „Global Burden of Disease“-Studie zufolge entfielen 1990 25 Prozent aller Schlaganfälle auf die Altersgruppe der 20- bis 64-Jährigen. 2010 waren es bereits 31 Prozent – Tendenz steigend. „Der Anstieg der Krankheitslast ist nicht allein die Folge der steigenden Lebenserwartung", berichtet Professor Gerhard F. Hamann, 1. Vorsitzender der DSG und Direktor der Klinik für Neurologie an den Dr. Horst Schmidt Kliniken in Wiesbaden. „Die aktuelle Studie hat zwar nicht die Gründe für den weltweiten Anstieg untersucht, wir gehen aber davon aus, dass in vielen Ländern mit dem Wohlstand auch die Risikofaktoren gewachsen sind", fügt Professor Hans-Christoph Diener, Direktor der Klinik für Neurologie am Uniklinikum Essen und Pressesprecher der DGN, hinzu.

Zu den Hauptrisikofaktoren für Schlaganfall zählen Bluthochdruck und Vorhofflimmern. „Auch hohe Cholesterinwerte, Diabetes, Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum, Bewegungsmangel, Übergewicht und eine ungesunde Ernährung tragen zum Risiko bei", ergänzt der Essener Experte. Durch eine gesunde Lebensweise und gegebenenfalls medizinische Behandlung könnten der DSG und DGN zufolge etwa 70 Prozent aller Schlaganfälle weltweit vermieden werden.

Bei Schlaganfall treten Hirnblutungen häufig bei Jüngeren auf
Im untersuchten Zeitraum von 1990 bis 2010 ist es weltweit zu einem Anstieg der Schlaganfälle um 68 Prozent gekommen. Die Zahl der Todesfälle stieg um 26 Prozent und die Zahl der Lebensjahre mit Behinderungen um 12 Prozent. Schlaganfall ist die häufigste Ursache für Behinderungen bei Erwachsenen. Vor allem in den Entwicklungs- und Schwellenländern sowie in Osteuropa hat sich die Lage verschlechtert. So ist die Zahl der Neuerkrankungen am Schlaganfall in Russland in den letzten 20 Jahren von 322 auf 371 pro 100.000 Einwohner gestiegen. In Deutschland ist dagegen ein Rückgang von 176 auf 141 pro 100.000 Einwohner bei Schlaganfällen zu verzeichnen. Dieser dramatische Unterschied hat vermutlich gesellschaftliche Gründe wie eine schlechtere medizinische Versorgung. „Sicher ist aber auch, dass ein Schlaganfall durch eine gesunde Lebensweise in hohem Maße vermeidbar ist und dass die gute Schlaganfallversorgung in Deutschland erfreulicherweise zu einem Rückgang der Neuerkrankungen geführt hat. Allerdings steigt die Gesamtzahl der Patienten nach einem Schlaganfall an", berichtet Professor Joachim Röther, Chefarzt der Neurologischen Klinik der Asklepios Klinik Altona und Pressesprecher der DSG.

Schlaganfälle treten meist in Folge von Durchblutungsstörungen im Gehirn auf, wenn die Gefäße durch Verkalkungen Engstellen aufweisen und durch Blutgerinnsel verstopft sind. Zu hoher Blutdruck kann zudem zu Massenblutungen im Hirn führen. Das betrifft etwa 15 Prozent der Fälle. Der „Global Burden of Disease“-Studie zufolge sind mehr als die Hälfte aller Todesfälle (51,7 Prozent) auf Hirnblutungen zurückzuführen, von denen meist Menschen im mittleren Lebensalter betroffen sind. (ag)

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