Impfung gegen Prostatakrebs

Fabian Peters

Impfung heilt Prostatakrebs: Neuer Impfstoff soll Prostatatumore vollständig zerstören

20.06.2011

Forschern ist es gelungen Prostatatumore mit Hilfe einer neuartigen Impfung vollständig zu zerstören. Die Impfung könnte in Zukunft möglicherweise als effiziente Waffe im Kampf gegen Prostatakrebs dienen, schreiben die Richard Vile von der Mayo Clinic in Rochester, USA und Alan Melcher von der University of Leeds, UK in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Nature Medicine“.

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Die Forscher haben an Mäusen erfolgreich einen neuen Impfstoff getestet, mit dessen Hilfe die körpereigene Immunreaktion der Tiere derart stimuliert werden konnte, dass die Prostatatumore vollständig abgetötet wurden. Durch die Injektion genetisch veränderter Viren ließen sich die körpereigenen Abwehrkräfte derart stimulieren, dass eine massive Reaktion des Immunsystems ausgelöst und die Krebszellen abgetötet wurden. Andere gesunde Zellen blieben hingegen verschont und Nebenwirkungen seien kaum aufgetreten, berichten die US-amerikanischen und britischen Forscher. Richard Vile und Alan Melcher hoffen den neuartigen Impfstoff in Zukunft auch gegen andere Krebserkrankungen einsetzen zu können, denn das Grundprinzip der Aktivierung des Immunsystems sollte auch bei diesen seine Wirkung entfalten.

Immuntherapie im Einsatz gegen Krebs
Schon länger beschäftigt sich die Krebsforschung im Rahmen der Immuntherapie mit den Möglichkeiten zur Tumor-Bekämpfung durch die Aktivierung der körpereigenen Abwehrkräfte. Dabei wurden bislang stets gezielt besonders geeignete Antigene als Impfstoff verwendet. Bei dem Einsatz der Immuntherapie zur Behandlung von Tumoren waren dies bisher meist Oberflächenproteine der Krebszellen, die bei einer Injektion gesteigerte Immunsystemreaktionen auslösen sollen. Zur vollständigen Zerstörung der Krebszellen reichte die Reaktion in der Regel jedoch nicht aus, berichten Vile und Melcher im Fachmagazin „Nature Medicine“. Daher haben die britischen und amerikanischen Forscher gemeinsam einen neuen Impfstoff entwickelt, der unter anderem genetisch veränderte Viren enthält, welche zahlreiche Antigene der Prostatakrebszellen in den Organismus transportieren. Wie bei einer Virusinfektion folgt eine entsprechende Abwehrreaktion des Immunsystems. Dadurch, dass der neue Impfstoff nicht nur ein Protein sondern fast alle Antigene der Krebszellen enthielt, wurden unterschiedliche Varianten von Immunzellen aktiviert und eine deutlich Steigerung der Immuntherapie-Effektivität erreicht, berichten die Forscher.

Impfviren zur Behandlung von Krebserkrankungen
Im Rahmen ihrer Studie zur Wirkung des neuen Impfstoffs bei der Behandlung von Prostatakrebs habe sich gezeigt, dass bei Mäusen die wiederholte Injektionen der genetisch veränderten Viren in die Blutbahn zu den besten Resultaten führte, schreiben Alan Melcher und Richard Vile. Konnte nach der ersten Behandlung keine vollständige Zerstörung der Prostatatumore erreicht werden, erfolgte eine zweite Behandlung mit einem ähnlich aufgebauten Impfstoff, wodurch auch die letzten überlebende Krebszellen endgültig abgetötet wurden, berichten die Forscher. Bei ihren Untersuchungen seien außerdem keine nennenswerten Nebenwirkungen zu verzeichnen gewesen, so die Experten weiter. Gesunde Zellen blieben unversehrt und die anfangs befürchtetet Überreaktion des Immunsystems sei bei keinem der Tiere aufgetreten. Zwar müsse „der Impfstoff noch weiterentwickelt und am Menschen getestet werden, bevor wir sagen können, ob diese Technik eines Tages zur Behandlung von Krebspatienten einsetzbar ist“, kommentierte Peter Johnson vom Institute of Cancer Research London den aktuellen „Nature Medicine“-Artikel. Doch Richard Vile zeigte sich „optimistisch, dass wir jetzt einige der Hauptprobleme überwunden haben, die es in der Krebsforschung mit der Immuntherapie gab“. Die Forscher hoffen in den nächsten zwei Jahren mit der Untersuchung des Impfstoffs im Rahmen klinischer Studien beginnen zu können. Sollten sie Erfolg haben, könnte die sogenannten Impfviren in Zukunft auch bei der Behandlung anderer Krebsformen eingesetzt werden, so das Fazit von Melcher und Vile. (fp)

Bild: Viktor Mildenberger / pixelio.de