Individuelle Behandlung verbessert Heilungschancen bei einem Bauchspeicheldrüsenkrebs

Fabian Peters
Bauchspeicheldrüsenkrebs: Kombinierte Therapie verbessert Heilungschancen
Schauspieler Patrick Swayze, Opernsänger Luciano Pavarotti und Apple-Mitbegründer Steve Jobs: Sie alle erlagen dem Bauchspeicheldrüsenkrebs. Jedes Jahr sterben weltweit rund 330.000 Menschen an dieser Tumorerkrankung. Eine individuelle Therapie kann die Heilungschancen verbessern.

Bauchspeicheldrüsenkrebs anfangs ohne Beschwerden
Weltweit sterben jährlich rund 330.000 Frauen und Männer an Pankreaskrebs. Auch in Deutschland sind immer mehr Fälle von Bauchspeicheldrüsenkrebs zu verzeichnen. Pro Jahr sterben hierzulande etwa 16.600 Menschen an dieser Tumorerkrankung. Da Bauchspeicheldrüsenkrebs zu Beginn in der Regel symptomlos verläuft, wird er häufig erst spät diagnostiziert. Wenn die klassischen Beschwerdebilder wie Gelbsucht, Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit, Untergewicht, Übelkeit und Erbrechen auftreten, können in vielen Fällen keine Behandlungserfolge mehr erzielt werden. Nach der Diagnose überleben nur weniger als fünf Prozent der Betroffenen die nächsten fünf Jahre. Vor kurzem haben Wissenschaftler aus Großbritannien berichtet, dass in Zukunft Bauchspeicheldrüsenkrebs mit einem Urintest diagnostiziert werden könne. Die Forscher, die damit bereits gute Ergebnisse erzielten, teilten mit, dass eine frühere Diagnose die derzeit sehr schlechten Heilungschancen deutlich verbessern könne.

Bei Bauchspeicheldrüsenkrebs können die Heilungschancen durch eine individuelle Therapie deutlich verbessert werden. (Bild: Henrie/fotolia.com)
Bei Bauchspeicheldrüsenkrebs können die Heilungschancen durch eine individuelle Therapie deutlich verbessert werden. (Bild: Henrie/fotolia.com)

Spitzenzentrum der Deutschen Krebsgesellschaft
Über eine Verbesserung der Therapiemöglichkeiten berichtet auch das Pankreaszentrum der Universitätsklinik Düsseldorf (UKD) in einer Pressemitteilung. Als onkologisches Spitzenzentrum der Deutschen Krebsgesellschaft ist man dort auf Diagnostik und Behandlung dieser Krebserkrankung spezialisiert. „Bei uns wird keine Patientin und kein Patient aufgegeben“, sagte Univ.-Prof. Dr. Wolfram Trudo Knoefel, Direktor der Chirurgischen Klinik am UKD. „Heute werden Krebspatienten nicht mehr in einem einzelnen Fachgebiet behandelt, sondern sie erhalten eine Therapie in mehreren Schritten durch verschiedene Fachbereiche, die genau auf ihre Erkrankung abgestimmt ist. Dabei werden alle zur Verfügung stehenden Therapiemöglichkeiten wie Chirurgie, Immuntherapie oder Chemotherapie sinnvoll ausgenutzt.“

Nach der Diagnose folgt oft eine Operation
Dazu arbeiten verschiedene Institute der Klinik eng zusammen. „Für die Diagnostik des Bauchspeicheldrüsenkrebses sind Ultraschall, Computertomographie und Kernspintomographie, aber auch die sogenannte orale Endosonographie wichtig“, erklärte Univ.-Prof. Dr. Dieter Häussinger, Direktor der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie am UKD. „Bei der oralen Endosonographie wird ein Ultraschall der Bauchspeicheldrüse über eine Magenspiegelung durchgeführt.“ Die nächsten Schritte sind dann häufig Operation und Chemotherapie.

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Chemotherapie vor der OP
Laut den Experten gilt die chirurgische Behandlung als besonders anspruchsvoll, wenn ein Tumor als „nicht mehr operabel“ eingestuft wird, also wenn er beispielsweise zu groß ist, um vollständig entfernt zu werden oder wenn sich bereits Metastasen gebildet haben. Dann kann eine sogenannte neoadjuvante Chemotherapie sinnvoll sein, bei der vor der Operation eine Chemotherapie verabreicht wird, die das Potential hat, den Tumor zu verkleinern und so eine Operation doch noch zu ermöglichen. „Wir haben in unserem interdisziplinären Pankreaszentrum vor etwa acht Jahren angefangen, Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs und Lebermetastasen eine neoadjuvante Chemotherapie zu geben. Einige Patienten sprachen exzellent an und wurden anschließend erfolgreich operiert“, erläuterte Prof. Knoefel. Von einer solchen Therapie für Bauchspeicheldrüsenkrebs,  bei der Bestrahlung und Chemotherapie vor einer OP erfolgen, hatten auch Wissenschaftler des Universitätsklinikums in Hamburg-Eppendorf (UKE) vor einigen Jahren berichtet.

Empfehlungen für eine individualisierte Behandlung
Wie die Düsseldorfer Mediziner erläuterten, entwickeln einige Patienten trotz erfolgreicher Operation ein Rezidiv und Metastasen. Auf dieses Phänomen konzentriert sich ihre Forschungsarbeit: „Unsere Interpretation ist, dass sich einzelne Zellen vom Tumor ablösen und im Knochenmark, in der Blutzirkulation oder in den Lymphknoten überdauern und nach einer gewissen Zeit zu tumorösen Herden heranwachsen“, so Prof. Knoefel. Da die Zahl dieser zirkulierenden Tumorzellen im Blut sehr gering ist, reichern sie die Forscher an, um sie anschließend über molekularbiologische Methoden aufzuspüren und zu charakterisieren. Dadurch sollen Risikopatienten frühzeitig identifiziert werden. Das wiederum führt dazu, dass ihnen eine optimierte Therapie angeboten werden könne. Man beschäftigt sich in Düsseldorf aber nicht nur mit Bauchspeicheldrüsenkrebs. „Für alle Arten von Tumorerkrankungen haben wir Spezialisten, die eng zusammenarbeiten“, sagte Prof. Knoefel. Zudem verfügt das Universitätstumorzentrum (UTZ) über eine Tumorbank (Biomaterialbank), die eine Ausgangsbasis für weitere Forschung bildet. Die Mediziner forschen dabei an molekularen Diagnoseverfahren, die es auf der Basis einer DNA-Sequenzierung erlauben, die in einem Tumor möglicherweise vorliegenden genetischen Mutationen zu entdecken. Aus den Ergebnissen können sie Empfehlungen für eine personalisierte und individualisierte Behandlung ableiten. (ad)