Industrie nimmt Einfluss auf Zuckergetränk-Studien

Astrid Goldmayer

Studien zu Zuckergetränken durch finanzielle Interessen beeinflusst

03.01.2014

Immer wieder untersuchten Forscher in der Vergangenheit den Einfluss von zuckerhaltigen Erfrischungsgetränken auf das Gewicht. Die Studienergebnisse wichen jedoch zum Teil stark von einander ab. Potsdamer Forscher kamen nun zu dem Ergebnis, dass viele Untersuchungen durch finanzielle Interessen seitens der Industrie beeinflusst wurden. Im Fachjournal „PLOS Medicine" stellen sie ihre Analyse der systematische Übersichtsarbeiten gemeinsam mit Kollegen der Universität Navarra in Spanien vor.

Von der Industrie geförderte Studien ergaben größtenteils keinen Zusammenhang zwischen dem Konsum von Zuckergetränken und einer Gewichtszunahme
Im Rahmen einer Forschungskooperation des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung (DifE) und der Universität Navarra in Spanien deckten Wissenschaftler auf, dass systematische Übersichtsarbeiten, bei denen ein finanzieller Interessenkonflikt durch industrielle Förderung bestand, fünfmal häufiger zu dem Fazit kamen, dass kein Zusammenhang zwischen dem Genuss zuckerhaltiger Erfrischungsgetränke und einer Gewichtszunahme besteht, als Studien, für die keine Fördergelder aus der Industrie geflossen waren. 83,3 Prozent der Studien, bei denen kein Interessenkonflikt bestand, belegten, dass ein hoher Konsum von zuckerhaltigen Getränken unmittelbar in Zusammenhang mit einer Gewichtszunahme steht.

Ebenfalls 83,3 Prozent der Untersuchungen, bei denen Interessenkonflikte gegeben waren, kamen zu dem gegenteiligen Ergebnis. „Obwohl unsere Untersuchung nicht darauf ausgerichtet war, zu klären, welche Interpretation der verfügbaren Daten richtig ist, stimmen die Ergebnisse uns doch bedenklich, da sie annehmen lassen, dass finanzielle Interessenkonflikte die Schlussfolgerungen einer Übersichtsarbeit beeinflussen können", erläutert Matthias Schulze, Co-Autor und Leiter der Abteilung Molekulare Epidemiologie am DIfE.

Mit systematische Übersichtsarbeiten wird versucht anhand bestimmter Methoden, das verfügbare Wissen zu einem Thema zu sammeln, zusammenzufassen und zu interpretieren. Wie die Forscher berichten, sei bei den industriell geförderten Übersichtsarbeiten häufig kein Zusammenhang zwischen dem Genuss von Zuckergetränken und Übergewicht festgestellt worden, obwohl die Originalarbeiten zu einem gegenteiligen Ergebnis kamen. Das deute auf Ungenauigkeiten hin, die bei Aussagen, die auf industriell geförderte Studien zurückgehen, berücksichtigt werden sollten. (ag)

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Bild: Grey59 / pixelio.de