Industriefette fördern Depressionen

Sebastian

Industriefette in Fertigessen begünstigen Depressionen

27.01.2011

Wer ständig Kartoffelchips, Pommes und Kekse isst, begibt sich laut einer neu veröffentlichten Studie in die Gefahr an Depressionen zu erkranken. Industrielle Fette schädigen demnach nicht nur das Herz-Kreislauf-System und begünstigen Herzinfarkte, sondern steigern bei erhöhtem Konsum auch die Affinität zu Depressionen.

Eine ungesunde Ernährung macht nicht nur übergewichtig, begünstigt Krankheiten wie Diabetes und Herzinfarkt, sondern lässt zusätzlich das Risiko an Depressionen zu erkranken steigen. Zahlreiche voran gegangene wissenschaftliche Studien hatten bereits darüber berichtet, dass Industriefette das Herz-Kreislauf-System im hohen Maße schädigen. Daraufhin haben zahlreiche Länder strengere Richtlinien getroffen, um sogenannte Transfette in Lebensmitteln zu minimieren. Spanische Forscher der Universitäten von Navarra und Las Palmas ermittelten nun einer Langzeit- und Beobachtungsstudie die Ernährungsweisen von rund 12000 Probanden. In dem Wissenschaftsmagazin „Plos One“ berichten die Forscher von einem erhöhten Depressionsrisiko, wenn Teilnehmer in hohen Dosen industrielle Fette in Form von Margarine, Chips und Pommes Frites zu sich nahmen.

Sechs Jahre lang beobachteten die Forscher Lebenswandel und Essgewohnheiten der über 12.000 Männer und Frauen. Zu Beginn der Studie beklagte kein Studienteilnehmer ein diagnostiziertes depressives Syndrom. Am Ende der Beobachtungszeit waren über 650 Menschen an Depressionen erkrankt. Dabei zeigte sich, dass diejenigen, die viele Transfette zu sich nahmen, auch häufiger depressiv wurden. Das Erkrankungsrisiko gemessen an allen Teilnehmen lag mit 48 Prozentpunkten höher, als bei denen, die überwiegend auf solche Fette verzichteten. Je mehr jemand zu „Junk Food“ griff, um so höher lag auch das Risiko einer Erkrankung, heißt es resümierend in dem Studienbericht, den Almudena Sánchez-Villegas mit verfasste. Nach Meinung der Forscher könne nun auch erklärt werden, warum die Zahl der Depressiven in den westlichen Industrieländern seit Jahren ansteigt. Das veränderte Essverhalten hat gleichzeitig auch die Aufnahme von Transfetten erhöht.

Depressionen weltweit ansteigend
Gesundheitsexperten beziffern die Anzahl der Erkrankten mit rund 150 Millionen Menschen weltweit. In Deutschland sind rund vier bis fünf Millionen Menschen an Depressionen erkrankt. Die Welt-Gesundheits-Organisation (WHO) schätzt, dass bereits im Jahre 2020 der Anteil der Erkrankten genauso hoch sein wird, wie bei den Herz- und Gefäßerkrankungen. Jedes Jahr sterben rund 11.000 Menschen aufgrund von psychischen Krankheiten. Die spanischen Forscher mahnen, dass dieses Problem nur dann in den Griff zu bekommen ist, wenn die Menschen ihre Essgewohnheiten massiv umstellen.

Gesunde und natürliche Fette ließen Risiko sinken
Sehr wohl können Fette eine positive Wirkung auf die Gesundheit entfalten. Waren die Fettsäuren natürlichen Ursprungs, konnte eine Minderung des Erkrankungsrisikos festgestellt werden. Ganz besonders, betonten die Forscher, seien ungesättigte Fettsäuren wie sie in Olivenöl und Fisch vorkommen dazu geeignet, das Risiko von Depressionen zu senken. Laut Studiendaten konnten die ungesättigten Fette eine schützende Funktion entfalten.

Anteil der Transfette steigend
Im Verlauf der Studie analysierten die Forscher auch das Ernährungsverhalten in Europa. Europäer essen gewöhnlicherweise viel pflanzliche Öle und Fisch. Zudem stehen auf dem Speiseplan normalerweise weniger Nahrungsmittel, die viel Transfette enthalten. Im Durchschnitt nehmen Menschen hierzulande mit einem Anteil von 0,4 Prozent industrielle Fette auf. In den Staaten dürfte der Anteil der schlechten Fette bedeutend höher sein. Etwa sechs mal so hoch sei der Wert, so das Wissenschaftsteam. Aus diesem Grund könne man davon ausgehen, dass der Anteil der depressiven Menschen in den USA weitaus höher liegt.

Möglicherweise Förderung von Entzündungen im Körper
Nach Meinung der Forscher fördern Transfette spezielle Entzündungen im menschlichen Organismus, die zum einem Gefäße und Herz schädigen und zum anderen Depressionen begünstigen. Einen wissenschaftlichen Beweis für diese These können die Wissenschaftler allerdings nicht abliefern. Ein anderer Grund könne aber auch sein, dass Depressive weniger auf ihren Lebensstil und ihre Ernährung achten. Vorangegangene Auswertungen hatten nämlich auch ergeben, dass sich Patienten mit Depressionen bedeutend weniger bewegen und vermehrt Schokolade essen.

Transfette finden sich in Pommes, Chips und alle frittierten Lebensmittel wie Chicken Wings, Berlinern und Blätterteig, Fertigsuppen, Fertig-Braten-Soßen und in einigen Wurstsorten. Transfettsäuren finden sich aber auch in einigen Milchprodukten, Schokoriegeln und Frühstücksflocken. Seit Jahren fordern Ernährungsexperten ein Verbot der Industriefette. Bislang wurden lediglich vereinzelt Richtlinien verfasst, die die Verwendung in der Lebensmittelindustrie eindämmen sollen. (sb)