Ingwer in der Krebstherapie

Fabian Peters

Ingwer reduziert die Nebenwirkungen der Chemotherapie

15.07.2013

Ingwer kann im Rahmen der Krebstherapie einen äußerst positiven Effekt entfalten. Wie die Deutsche Krebshilfe berichtet, hat die Wurzel eine überzeugende Wirkung gegen die mit einer Chemotherapie verbundenen Magenbeschwerden wie Übelkeit und Erbrechen. Einem Forscherteam um Dr. Beate Niesler vom Institut für Humangenetik des Universitätsklinikums in Heidelberg sei es nun gelungen, zu entschlüsseln, auf welchem Wege Ingwer den Brechreiz lindert und zur Beruhigung des Magens beiträgt, so die Mitteilung der Deutschen Krebshilfe.

„Die Inhaltsstoffe des Ingwer hemmen bestimmte Botenstoffe des Brechzentrums im Gehirn“, berichtet die Deutschen Krebshilfe und ergänzte: „Diese Erkenntnisse ermöglichen der Ingwerwurzel den Einsatz in der klinischen Praxis.“ Das Forschungsprojekt in Heidelberg wurde von der Deutsche Krebshilfe mit 208.000 Euro gefördert. Schon heute vertrauen laut Angaben der Experten, bereits viele Krebspatienten, die an Übelkeit und Erbrechen als Nebenwirkungen einer Chemotherapie leiden „auf die magenberuhigende Wirkung der Ingwerwurzel.“, obwohl „bis jetzt unklar (war), wie Ingwer eigentlich wirkt.“

Magenbeschwerden typische Nebenwirkung der Chemotherapie
Die Magenprobleme, welche infolge einer Chemotherapie oftmals auftreten, sind laut Angaben der Deutschen Krebshilfe für die Krebspatienten besonders gefährlich, weil sie die ohnehin schon stark geschwächten Patienten noch zusätzlich schwächen. „In schweren Fällen muss der behandelnde Arzt sogar die Therapie abbrechen – selbst wenn der Tumor eigentlich auf die Medikamente anspricht“, berichten die Deutsche Krebshilfe. Hervorgerufen werde die Übelkeit durch die in den Chemo-Medikamenten enthaltenen Zellgifte. Denn auch die Darmzellen seien anfällig für die Medikamente. Die geschädigten Darmzellen setzen anschließend den Botenstoff Serotonin frei, welcher „an einem Rezeptor auf der Oberfläche von Nervenzellen andockt und so das Brechzentrum im Gehirn“ aktiviert, erläutert die Deutsche Krebshilfe. Die Folge seien Übelkeit und Erbrechen.

Ingwerwurzel unterdrückt die Nebenwirkungen der Chemotherapie
Zwar stehen heute gegen die Begleiterscheinungen einer Chemotherapie zahlreiche spezielle Medikamente, sogenannten Anti-Emetika, zur Verfügung, doch auch die natürlichen Wirkstoffe der Ingwerwurzel unterdrücken den aktuellen Erkenntnissen zufolge erfolgreich die Übelkeit. Laut Angaben der Deutschen Krebshilfe hatten US-Forscher bereits im Jahr 2009 im Rahmen einer Studie festgestellt, „dass Ingwerextrakt die Beschwerden um 40 Prozent senken kann.“ Allerdings habe bislang der wissenschaftliche Beweis für die Wirksamkeit der Wurzel gefehlt. Nun konnte das Team um Dr. Beate Niesler feststellen, dass „die Ingwerwurzel eine Reihe von hochwirksamen Inhaltsstoffen“ enthält, welche die Serotonin-Andockstellen auf den Nervenzellen besetzten. „Die Folge: Das Serotonin kann nicht mehr binden. Das Brechzentrum wird nicht aktiviert und die Übelkeit bleibt aus“, erläuterte die Expertin.

Wissenschaftler hoffen auf Einsatz von Ingwer in klinischen Studien
Der Heidelberger Forscherin zufolge wirkt Ingwer im Prinzip auf dieselbe Weise wie klassische Anti-Emetika, die ebenfalls bestimmte Andockstellen auf den Nervenzellen besetzen. „Die Inhaltsstoffe des Ingwers sind sozusagen das natürliche Pendant zu den Wirkstoffen der Anti-Emetika“, erläuterte Dr. Beate Niesler. Angesichts der aktuellen Erkenntnisse hoffen die Wissenschaftler, dass die Ingwerwurzel und ihre Inhaltsstoffe schon bald in klinischen Studien zum Einsatz kommen. „Eine Kombination von Ingwerextrakt und Anti-Emetika wäre eine starke Waffe gegen die von der Chemotherapie verursachte Übelkeit. Die Behandlung wäre doppelt wirksam“, betonte Dr. Niesler.

Der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe, Gerd Nettekoven, zeigte sich über die aktuellen Erkenntnisse zur magenberuhigenden Wirkung von Ingwer ebenfalls erfreut. „Ziel der von uns geförderten Forschungsprojekte ist es nicht nur, neue Therapiestrategien zu entwickeln, sondern auch die bestehenden Behandlungen so effektiv und nebenwirkungsarm wie möglich zu machen“, betonte Nettekoven. Hier bietet Ingwer als natürliches Mittel gegen die Nebenwirkungen der Krebstherapie offensichtlich eine durchaus vielversprechende Option. (fp)

Advertising

Bild: w.r.wagner / pixelio.de