Initiative macht mobil gegen Agro-Gentechnik

Heilpraxisnet

Die Initiative „Vielfalterleben“ fordert: Agro-Gentechnik jetzt stoppen

15.02.2011

Die Bundesregierung hält offenbar unvermindert an Agro-Gentechnik fest: Auch 2011 gilt für die Gen-Kartoffel Amflora eine Anbaugenehmigung. Auf EU-Ebene laufen derzeit 28 Zulassungsverfahren für den Anbau gentechnisch veränderter Organismen (GVO). Und das, obwohl laut einer Erhebung im Auftrag des Bundesumweltministeriums 87 Prozent der Deutschen Grüne Gentechnik ablehnen. Vertreter der Initiative Vielfalterleben wollen deshalb im Februar eine Petition beim Deutschen Bundestag einreichen. Das Ziel: Ein Anbaumoratorium für Agro-Gentechnik. „Vielfalterleben“ ist eines der größten Bündnisse gegen Agro-Gentechnik und für den Erhalt von Vielfalt. Auf Initiative von Alnatura engagieren sich über 100 Partner (u.a. WWF, Bioland, Rapunzel, Lebensbaum, Hess Natur, Weleda) gemeinsam. Alle gentechnik-kritischen Verbraucherinnen und Verbraucher sind aufgerufen, sich mit ihrer Stimme an den Aktionen von Vielfalterleben zu beteiligen. „Agro-Gentechnik ist ein Risiko für Mensch und Umwelt“, so Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), Petent der öffentlichen Petition und politischer Vertreter der Initiative. „Es muss sichergestellt sein, dass Landwirtschaft und Lebensmittelerzeugung ohne Agro-Gentechnik auf Dauer möglich sind. Und so lange darf diese Technik nicht zum Einsatz kommen.“

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Das Moratorium ist nach Ansicht der Gentechnik-Gegner zwingend erforderlich, weil das bisherige Zulassungsverfahren für GVO mangelhaft und intransparent ist. Denn die zuständige Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) führt keine eigenen Untersuchungen durch, sondern prüft lediglich die von der Agro-Industrie selbst durchgeführten Studien. Aussagekräftige Langzeituntersuchungen zu Risiken gentechnisch veränderter Pflanzen auf Umwelt und Gesundheit fehlen. Obendrein wird der EFSA fehlende Neutralität beim Thema Gentechnik vorgehalten, denn viele Experten der EU-Behörde haben zuvor für die Agro-Industrie gearbeitet. Noch nie hat die EFSA einen Zulassungsantrag für gentechnisch veränderte Pflanzen abgelehnt. Die EU-Umweltminister bezeichneten deshalb 2008 die Prüfverfahren für Gen-Pflanzen als unzureichend.

Der kommerzielle Anbau von gentechnisch manipulierten Pflanzen begann 1996 in den USA. Seitdem hat sich die Agro-Gentechnik rasant ausgebreitet, vor allem bei umsatzstarken Nutzpflanzen wie Soja, Mais, Baumwolle und Raps. Derzeit bauen 25 Länder gentechnisch veränderte Organismen an allen voran die USA, Brasilien, Argentinien, Indien und Kanada. Innerhalb der EU ist die Anbaufläche für GVO-Pflanzen rückläufig. Seit 1998 sind hier gentechnisch veränderter Bt-Mais (MON810) und seit 2010 die Gen-Kartoffel Amflora für den Anbau zugelassen. In Deutschland und sieben weiteren EU-Ländern ist der Anbau von MON810 gegenwärtig verboten. Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner bezeichnete 2009 das Verbot als vorsorgliche Maßnahme zum Schutz der Verbraucher und erklärte: „Ich komme zu dem Schluss, dass es berechtigten Grund zu der Annahme gibt, dass der genetisch veränderte Mais der Linie MON810 eine Gefahr für die Umwelt darstellt.“

Agro-Gentechnik verursacht massive ökologische, soziale und ökonomische Probleme: Die Vielfalt in der Natur geht durch den Einsatz von Gentechnik nachweislich zurück; Landwirte geraten durch patentierte Gen-Pflanzen in wirtschaftliche Abhängigkeit und der ökologische Landbau ist mittelfristig in seiner Existenz bedroht. Studien mit Bt-Mais zeigen, dass von der Gen-Pflanze abgesondertes Bakteriengift auch gegen Regenwürmer, Schmetterlinge und zahlreiche Nutz-Insekten wirkt. Obendrein funktioniert die Schädlingsabwehr längst nicht so wie erhofft. Denn nach einiger Zeit entwickeln Schadinsekten, wie zum Beispiel der Baumwollkapselbohrer, Resistenzen gegen das durch den Bt-Mais ständig vorhandene Gift.

Damit ist der angebliche Vorteil dieser Gen-Pflanzen, nämlich ein verminderter Einsatz von chemischen Spritzmitteln, nach kurzer Zeit wieder hinfällig. Durch den zunehmenden Einsatz von GVO kommen auch jene Landwirte in Bedrängnis, die nichts mit Gentechnik zu tun haben wollen. Durch Pollenflug, beim Transport oder bei der Lagerung kann es zu ungewollten Kontaminationen kommen. Dadurch ist Ko-Existenz von Agro-Gentechnik und gentechnikfreier Landwirtschaft so gut wie unmöglich. Hier setzt die Initiative „Vielfalterleben“ an: Die Bündnispartner engagieren sich für den Erhalt von Wahlfreiheit und Vielfalt. Zum Kampagnenstart auf der Branchenmesse Biofach am 15. Februar 2011 in Nürnberg beginnt eine mehrmonatige Unterschriften-Aktion gegen Agro-Gentechnik, die sich an Bundesministerin Ilse Aigner richtet. Begleitet wird dies von einer öffentlichen Online-Petition. Voraussichtlicher Beginn der Zeichnungsfrist ist Ende März 2011. Ziel ist es, in den ersten drei Wochen mindestens 50.000 Unterschriften zu sammeln, um damit eine öffentliche Anhörung vor dem Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages zu erreichen. Auf der zentralen Website der Kampagne www.vielfalterleben.info finden Interessierte ab sofort alle wichtigen Informationen sowie die aktuellen Termine und Mitmachoptionen. (pm)

Bildnachweis: Aktionslogo der Initiative.