Inkontinenz: Blasenschwäche sollte kein Tabuthema sein

Viele Betroffene suchen trotz Inkontinenz keinen Arzt auf, wobei ihnen jedoch meist geholfen werden könnte. (Bild: SENTELLO/fotolia.com)
Fabian Peters
Inkontinenz ist fast immer behandelbar, allerdings nicht ohne ärztliche Unterstützung
Blasenschwäche und entsprechende Inkontinenz sind ein relativ weit verbreitetes Beschwerdebild, das allerdings immer noch ein Tabuthema bleibt. „Viele Betroffene behalten ihr Problem für sich, weil sie sich schämen und alleine fühlen“, berichtet das Universitätsklinikum Bonn anlässlich der Welt-Kontinenz-Woche, die am 21. Juni startet. Doch lassen sich nach entsprechender Diagnose theoretisch sämtliche Formen der Inkontinenz behandeln, Voraussetzung ist lediglich der Gang zum Arzt, betont Prof. Dr. Ruth Kirschner-Hermanns, Leiterin des Kontinenz- und Beckenbodenzentrums am Universitätsklinikum Bonn und des Rehabilitationszentrum Godeshöhe.

Inkontinenz ist Betroffenen meist extrem unangenehm und viele isolieren sich in der Folge immer mehr. Gerade ältere Menschen neigen dazu, wegen der Blasenschwäche nur noch selten ihre Wohnung zu verlassen, berichtet die Bonner Expertin. Eine fatale Entscheidung, denn beim Arzt könnte ihnen durchaus geholfen werden. Nach einer exakten Diagnose sind – wie auch immer diese ausfällt – alle Inkontinenzformen behandelbar, so Prof. Kirschner-Hermanns. „Meist verzichten die Betroffenen jedoch aus Scham darauf, bei Beckenbodendefekten wie Inkontinenz frühzeitig Hilfe zu suchen“, berichtet auch die Oberärztin Dr. Anke Mothes, Koordinatorin am Interdisziplinären Universitäts-Beckenbodenzentrum Jena der Frauenklinik am Universitätsklinikum Jena (UKJ).

Viele Betroffene suchen trotz Inkontinenz keinen Arzt auf, wobei ihnen jedoch meist geholfen werden könnte. (Bild: SENTELLO/fotolia.com)
Viele Betroffene suchen trotz Inkontinenz keinen Arzt auf, wobei ihnen jedoch meist geholfen werden könnte. (Bild: SENTELLO/fotolia.com)

Jeder zehnte Deutsche leidet an Inkontinenz
Etwa jeder zehnte Deutsche leidet laut Mitteilung des UKJ unter Inkontinenz, wobei das Risiko mit dem Alter steigt. „Das Durchschnittsalter unserer Patientinnen liegt bei 67 Jahren“, so Dr. Anke Mothes. Meist seien die Ursachen für Beckenbodenprobleme jedoch im jüngeren Lebensalter zu suchen. So könne insbesondere häufiges Tragen schwerer Lasten, Fettleibigkeit oder chronischer Husten die Spannkraft des Bindegewebes der Beckenorgane verringern, berichtet das UKJ. „Inkontinenz sollte kein Tabuthema mehr sein. Denn den Patientinnen kann heute mit modernen Methoden wirksam geholfen werden“, betont die Expertin.

Experten informieren über Risikofaktoren und Therapiemöglichkeiten
An zahlreiche Kliniken in Deutschland wie beispielsweise dem Universitätsklinikum Münster, der Uniklinik Bonn oder dem Universitätsklinikum Jena sind im Rahmen der Welt-Kontinenz-Woche Informations- und Beratungsaktionen rund ums Thema Blasenschwäche und Inkontinenz vorgesehen. Auch über Risikofaktoren und Therapiemöglichkeiten wird hier informiert. Initiiert wurde die erste Welt-Kontinenz-Woche im Jahr 2009 von der Deutschen Kontinenz Gesellschaft mit dem Ziel, die Prävention, Diagnose und Behandlung von Harn- und Stuhlinkontinenz zu verbessern. „Auch in der diesjährigen Aktionswoche vom 20. bis 26. Juni finden mehr als 100 Veranstaltungen wie Aufklärungsgespräche mit Patienten, Telefonhotlines oder Weiterbildungskurse für Ärzte statt“, berichtet das UKJ. (fp)

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