Internetportale bilden meist die erste Anlaufstelle bei Gesundheits-Recherche

Das Internet ist für die meisten Deutschen ein ganz normales Rechercheinstrument, wenn es um die Gesundheit geht. Bei der Suche im Netz sollte man  aber stets kritisch bleiben. (Bild: Romolo Tavani/fotolia.com)
Alfred Domke
Beliebtes Rechercheinstrument: Netzportale zu Gesundheit als erste Anlaufstelle
„Dr. Google“ ist für viele Menschen ein selbstverständliches Rechercheinstrument, wenn es um die Gesundheit geht. Problematisch wird dies jedoch, wenn Nutzer bei der Suche im Internet nicht kritisch genug mit den Informationen umgehen. Experten haben Tipps parat, worauf beim Krankheiten-Googeln geachtet werden sollte.

Großteil der Deutschen recherchiert im Internet zu Gesundheitsthemen
Worauf könnten die pochenden Kopfschmerzen hindeuten? Welches Hausmittel gegen Durchfall ist das beste? Und was heißt es eigentlich, wenn der Arzt eine „Sinusitis“ diagnostiziert? Fragen wie diese führen häufig dazu, dass im Internet Rat und Informationen gesucht werden. Laut einer repräsentativen Umfrage der Kommunikationsberatung MSL Germany geben insgesamt fast drei Viertel der deutschen Bevölkerung an, das Internet regelmäßig (42 Prozent) oder gelegentlich (32 Prozent) für Recherchen zu Gesundheitsthemen zu nutzen. Das Netz bietet eine schier unendliche Flut an Informationen und häufig fällt es nicht leicht, dabei einen klaren Blick zu behalten. Das Problem bei der Recherche mit einer Suchmaschine ist, dass sich viele nur die am höchsten aufgelisteten Webseiten anschauen. Doch Klaus Koch vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen erklärte in einer Meldung der Nachrichtenagentur dpa: „Die Toptreffer sind aber keine Garantie, dass die Seiten auch aktuelle und ausgewogene Inhalte zu einem Thema liefern.“

Das Internet ist für die meisten Deutschen ein ganz normales Rechercheinstrument, wenn es um die Gesundheit geht. Bei der Suche im Netz sollte man  aber stets kritisch bleiben. (Bild: Romolo Tavani/fotolia.com)
Das Internet ist für die meisten Deutschen ein ganz normales Rechercheinstrument, wenn es um die Gesundheit geht. Bei der Suche im Netz sollte man aber stets kritisch bleiben. (Bild: Romolo Tavani/fotolia.com)

Informationen sollten aktuell sein
Die Stiftung Warentest hatte vor einigen Jahren eine Reihe großer Gesundheitsportale im Internet getestet. Gunnar Schwan, der das Projekt damals leitete, weiß, worauf es bei guten Gesundheitsseiten ankommt. „Sie müssen ausgewogen und aktuell berichten und transparent sein“, so der Experte laut dpa. So sollten beispielsweise immer mehrere Behandlungsoptionen beschrieben werden. Außerdem sollten unter einem Text Angaben zum Autor und seiner Qualifikation stehen. Auch ein Blick auf das Veröffentlichungsdatum lohnt sich. „Ein Text sollte nicht älter als zwei Jahre sein“, meinte Schwan. Falls aber doch, müsse ein Vermerk darunter stehen, dass die beschriebenen Inhalte noch immer dem aktuellen wissenschaftlichen Stand entsprechen.

Siegel für Gesundheitsportale
Laut den Experten bieten zwei Siegel für Gesundheitsportale eine Orientierung: Zum einen das Hon-Siegel der Schweizer Health on the Net Foundation und zum anderen das afgis-Siegel vom Aktionsforum Gesundheitsinformationssystem. Diese Zertifikate geben einen Anhaltspunkt für Verlässlichkeit. Allerdings sind sie Koch zufolge keine Garantie für ausgewogene und richtige Informationen. Schwan warnte davor, sich nur auf einem Portal zu informieren. „Man sollte immer mehrere Webseiten zu einem Thema lesen.“ Man bekomme damit ein eher ausgewogenes Bild und könne Widersprüche bei den Angaben aufdecken und bewerten. Internet-Foren zu Medizinthemen könnten manchmal eine nützliche, ergänzende Anlaufstelle sein. „Dort kann man sich etwa über gemachte Erfahrungen mit bestimmten Mitteln und Behandlungen austauschen“, so Schwan. Allerdings sollte stets im Hinterkopf behalten werden, dass dort häufig Laien ihr Wissen teilen.

Ministerin warnt vor Eigen-Diagnosen im Netz
Anfang des Jahres hatte auch Bayerns Gesundheitsministerin vor Eigen-Diagnosen im Internet gewarnt. In einer Pressemitteilung erklärte sie: „Das Internet kann den Menschen helfen, besser informiert zu sein oder vereinzelt Unklarheiten zu beseitigen. Viele Internetangebote aber sind unvollständig, unseriös oder gar fehlerhaft. Verunsicherung und unbegründete Angst können die Folge sein.“ Ministerin Melanie Huml, die selbst Ärztin ist, warnte: „Gefährlich wird es vor allem dann, wenn bei ernsthaften Krankheiten ganz auf einen Arztbesuch verzichtet wird.“

„Nicht nur auf das Internet stützen“
Während und nach der Recherche stellt sich auch die Frage wie man Informationen einordnen kann. Gesundheitsexperten sehen in ihnen normalerweise nur eine Ergänzung zum Rat des Arztes. „Sie helfen, um sich auf den Termin beim Arzt vorzubereiten, um gezielter nachfragen zu können“, erläuterte Gretje Stelzenmüller von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Auch nach einem Arztbesuch kann man zusätzliche Infos recherchieren. Zwar sei die Recherche im Internet über Krankheiten laut Stelzenmüller sinnvoll, doch sie warnte: „Informationen aus dem Netz können auch irreführend sein oder missverstanden werden. Deshalb sollte man sich nicht nur auf das Internet stützen.“ (ad)

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