Inversionstherapie gegen Rückenschmerzen

Thorsten Fischer

Fasziendistorsionsmodell: Inversionstherapie gegen Rückenschmerzen

12.02.2011

Auf dem Internationalen Fasziendistorsionsmodell (FDM) Kurs in Tokio, der vom 11.-13. Februar 2011 stattfindet, wurde die Inversionstherapie als spezifische Behandlung bei chronischen Rückenschmerzen vorgestellt.

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Die Inversionstherapie wurde von der us-amerikanischen FDM- Therapeutin Marjorie Kasten, P.T. maßgeblich weiterentwickelt. Kasten übt diese spezielle Form der Behandlung seit 1997 aus. Sie ist eine direkte Schülerin des Begründers des Fasziendistorsionsmodells, Dr. Stephen Typaldos D.O. Beide arbeiteten bis zu Typaldos Tod im April 2006 eng zusammen. Typaldos hat nach Kastens Angaben stets viele Patienten, die Inversionstherapie benötigten, an sie verwiesen. So hat sie im Laufe der Jahre viele Erfahrungen gesammelt, die sie nun in Tokio an die Teilnehmer des Internationalen Kurses weitergab. Nach Kasten wurde die Inversionstherapie schon um 400 vor Christus angewandt. Es gibt Berichte von Hippokrates, der die Inversion aber selber nicht anwandte, wonach damals menschen mit traumatisch entstandener Kyphose an den Füssen aufgehangen und recht brutal durchgeschüttelt worden seien.

Die Inversionstherapie besteht innerhalb des Fasziendistorsionsmodells zur Behandlung von sogenannten Faltdistorsionen. Dies sind dreidimensionale Verformungen der sogenannten Faltfaszien. Betroffene klagen meist über Schmerzen bei langem Stehen oder bei Bewegung, weisen dabei aber keine nennenswerte Bewegungseinschränkung auf. Ein verbaler Hinweis auf diese spezielle Distorsion der Faszien ist, dass die Patienten ihre Schmerzen als „immer“ vorhanden beschreiben.

Das Fasziendistorsionsmodell (FDM) findet den Weg zu der richtigen Behandlung dieser Beschwerden über die Körpersprache, die subjektiven und objektiven Befunde und die Entstehung der Beschwerden. Kasten wies daraufhin, dass eine häufige Ursache Autounfälle seien, die starke Traktions- und Dekompressionskräfte auf den menschlichen Organismus bringen. Zur Untermalung präsentierte sie Videos von Crash- Tests, bei denen gut zu sehen war, dass zum Teil beide Kräfte zusammen auf den Körper wirken. Neben Autounfällen sieht Kasten Stürze auf Treppen, Reitunfälle oder Unfälle bei sportlichen Aktivitäten als in der Praxis oft zu beobachtende Auslöser für Faltdistorsionen.

Als Geräte zur Behandlung setzt Kasten Inversionsgeräte und Gummibälle ein. Die Inversionsgeräte wirken der Schwerkraft entgegen, indem die Patienten auf einer Liege mit den Füssen fixiert und um 180 Grad gedreht werden. Es gibt auch den Invertrac aus Kanada, bei dem die zu Behandelnden eher in einer sitzenden Position umgedreht werden. Zusätzlich kann der FDM- Therapeut noch mehr Zug auf einzelne Körperteile und die Wirbelsäulenregion bringen, um so betroffene Areale spezifisch zu behandeln.

An den Gummibällen streckt Kasten die Patienten zusätzlich in Rücken- Bauch- oder Seitenlage im Bereich der Wirbelsäule. Gerade bei chronischen Rückenschmerzen empfiehlt sie die Inversionstherapie als wirksames Mittel für Therapeuten. Die anwesenden Teilnehmer, zu denen auch eine Delegation der europäischen FDM Organisation EFDMA gehört, konnten sich anhand von Live- Demonstrationen an Patienten von der Wirksamkeit der Therapien überzeugen. Zusätzlich setzte Kasten noch den sogenannten Plunger oder Masterplumber ein. Dies ist ein spezieller us- amerikanischer Pümpel, der statt eines Holzstieles einen längeren Stiel aus Plexiglas besitzt. Dieser Stiel ist im Gegensatz zur europäischen Variante geschraubt und nicht gesteckt. Ein weiterer Unterscheid besteht darin, dass die Ansaugfläche nicht aus Gummi, sondern aus Vinyl ist. Mit diesem Gerät wird am Rücken gearbeitet. Durch den starken Unterdruck sollen die Faszienflächen gelöst und wieder gleitfähig gemacht werden. Diese Behandlung ist aus Sicht des FDM bei Patienten angebracht, bei denen ein steifer Rücken der Grund des Aufsuchens eines FDM- Therapeuten ist.

Zusätzlich zu den Handgriffen und Techniken empfahl Kasten Übungen, die den Patienten mitgegeben werden können. Diese stellen eine gute Ergänzung aus ihrer Sicht zu den Behandlungen dar. Kasten empfiehlt die Inversionstherapie gegen Schmerzen, für eine bessere Durchblutung der Bein, eine verbesserte Bewegung oder als probates Mittel, um andere, bisher verborgene Fasziendistorsionen zu entdecken. Als relative, von den FDM- Therapeuten zu erfragende und zu beachtende Kontraindikationen betrachtet Marjorie Kasten unter anderem ein Glaukom, Osteoporose, Bluthochdruck, Herzinfarkt und andere. Am gestrigen Freitag hatten die Kursteilnehmer schon eine Einführung des Präsidenten der japanischen FDM- Vereinigung FAA Keisuke Tanaka in das Fasziendistorsionsmodell erhalten.

Tanaka, der mit dem Vizepräsidenten der FAA, Kohei Iwata, den International FDM Course in Tokio organisiert hat, trat dabei für eine Bewahrung der Ideen des Begründers Dr. Stephen Typaldos ein und sprach sich gegen Vermischungen mit anderen manuellen Verfahren aus. Der Kurs findet im achten Stock des Taitokan Gebäudes im Stadtteil Asakusa statt. Dieser Teil der Stadt ist wegen des sehr bedeutenden Asakusa Schreines auch über die Landesgrenzen Japans bekannt.

Am morgigen Sonntag wird Marjorie Kasten P.T. weitere Formen der Inversionstherapie demonstrieren. Da der Zeitunterschied zwischen Deutschland und Japan zur Zeit acht Stunden beträgt, ist der Kurs bei Erscheinen dieses Artikels in den Morgenstunden in Deutschland zu diesem Zeitpunkt in Japan schon gelaufen. (tf)