Ist die Schweinegrippe ein Grund zur Panik?

Sebastian

Ist die Schweinegrippe ein Grund zur Panik und sollen sich Menschen impfen lassen?

14.01.2011

Beinahe täglich berichten Medien über neue Todesfälle aufgrund der Schweinegrippe. Allein aus dieser Tatsache heraus fragen sich viele Menschen, ob nun auch sie betroffen sein könnten und wohl möglich an den Folgen einer H1N1 Infektion versterben. In diesem Artikel wollen wir differenzierte Antworten geben.

Mehr zum Thema:

Im letzten und im vorletzten Jahr rief die WHO eine Pandemie-Warnstufe aufgrund des damals neuen H1N1 Erregertyp aus. In der Medienlandschaft wurde das Thema entsprechend aufbereitet, im Fernsehen sah man Menschen, die aufgrund einer zu erwartenden Schweinegrippe-Welle Atemschutzmasken trugen. Viele scheuten Menschenansammlungen und vermieden es mit anderen einen körperlichen Kontakt zu pflegen. Die WHO und die nationalen Staaten hatten zahlreiche Pandemie-Pläne ausgearbeitet, die Regierungen riefen die Bevölkerung zu Massenimpfungen auf.

Doch die große Welle der todbringenden Schweinegrippe blieb nahezu aus. Denn tatsächlich verstarben nur wenige Menschen an der Schweinegrippe, sogar deutlich weniger, als an der „normalen“ saisonalen Grippe. Nachdem dann auch noch bekannt wurde, dass die Pharmaindustrie bezahlte Spitzenkräfte in den WHO-Schaltzentralen unterhielt, glaubte kaum mehr jemand, dass tatsächlich eine tödliche Schweinegrippewelle die Menschheit erfasst. Schon damals war „Heilpraxisnet.de“ mitunter die erste Gesundheitsnachrichtenquelle, die auf die Tatsachen in Sachen Schweinegrippe aufmerksam machte, um eine Zeichen gegen die Panikmache zusetzen. Später mussten immer mehr Fachleute und Mediziner eingestehen, dass die zu erwartende Pandemie ausblieb und die Grippeinfektionen bei Patienten in den meisten Fällen vergleichsweise mild verlief.

Nun, zu Zeiten der saisonalen Grippe, wird das Thema in allen bekannten Medien wieder zum Topthema hochstilisiert. Jeden Tag erreichen die Menschen neue Schreckensnachrichten über neue Todesfälle. Gesundheitsbehörden verweisen in diesem Zusammenhang darauf, dass es nun an der Zeit wäre, sich erneut zu impfen. Denn der H1N1 Virus hat fast alle anderen Grippeerreger verdrängt. Lassen wir also erneut die Tatsachen in Sachen Schweinegrippe sprechen.

Droht in diesem Jahr eine Schweinegrippewelle?
In jedem Winter erleben die Menschen eine Grippewelle. Auch in diesem Jahr startet die Grippe pünktlich, aber bislang noch relativ mild. Infizierte leiden unter bislang in den aller meisten Fällen unter den „normalen“ Grippesymptome wie Fieber, Gliederschmerzen und Schnupfen. Obwohl etwa zwei Drittel der Influenza-A-Viren vom Typ H1N1 sind, haben sich die üblichen Symptome im Vergleich der vorigen Grippeepidemien nicht verschlimmert. Experten des Robert-Koch-Instituts können zu dem derzeitigen Zeitpunkt noch nicht voraus sagen, wie viele Menschen an derzeitigen Grippe erkranken werden. Als Startpunkt der Epidemie wurde das Ende der Schulferien genannt. Denn vor allem Kinder und Jugendliche mit vielen gelebten sozialen Kontakten gelten als Hauptüberträger der Grippeviren. Doch eine regelrechte „Welle“ ist bislang ausgeblieben.

Grippeschutz-Impfung
Das Bundesgesundheitsministerium und das Robert-Koch-Institut rufen derzeit zur Grippeschutz-Impfung auf. Besonders Risikogruppenpatienten und erstmals auch Schwangere sollen sich impfen lassen. Zu den Risikogruppen gehören beispielsweise Menschen, die aufgrund einer chronischen Erkrankung über ein geschwächtes Immunsystem verfügen. Der derzeitige Grippeimpfstoff setzt sich aus drei Komponenten zusammen. Der Schutz soll für H3N2, Influenza B und H1N1 Erreger gelten. Diese Zusammensetzung von drei Schutzkombinationen ist keinesfalls neu. Der Grippeschutz orientiert sich immer an den aktuell grassierenden Vieren. Neu ist, dass nun der H1N1 Erregertyp mit in die reguläre Schutzimpfung aufgenommen wurde.

Ist es möglich, sich mit der Schweinegrippe zwei mal zu infizieren?
Eine neuerliche Untersuchung weist darauf hin, dass ein Immunschutz besteht, wenn man sich schon einmal mit dem Schweinegrippeerreger infiziert hat. US-Wissenschaftler haben in einer Studie festgestellt, dass Patienten die schon einmal mit dem H1N1 Erreger infiziert waren, oftmals spezielle Antikörper bildeten, die dazu führten, dass ein „außergewöhnlichen Immunschutz“ gegenüber zahlreichen Influenza-Stämmen gebildet wurde. Begünstigt wurde der Schutz durch vielfältige Antikörper, durch die besondere, andersartige Struktur des H1N1-Virus gebildet wurden. Der Schweinegrippe-Virus ist laut Forscher nur in solchen Teilen mit anderen Influenza-Erregern identisch, die für das Funktionieren der Viren unerlässlich sind. Dennoch rät das Robert-Koch-Institut dazu, sich auch bei einer überstanden Grippe impfen zu lassen. Das gelte vor allem für sogenannte Risikogruppen.

Impfen ja oder nein
Diese Frage kann nicht mit einem einfachen „ja“ oder „nein“ beantwortet werden. Denn es kommt immer auf die körperliche Versehrtheit des einzelnen Menschen an. Durch die Impfung besteht für etwa ein halbes Jahr lang ein Schutz gegen eine Grippeerkrankung. In wenigen Ausnahmen (unter fünf Prozent) kann dennoch eine Grippe auftreten. Vor grippalen Infekten mit anderen Viren schützt die Impfung hingegen nicht. Ist der Schutz vergangen, muss man sich demnach erneut impfen lassen.

Zu beachten ist, dass die Pharmaindustrie ein gesteigertes Interesse hat, Menschen zum Impfen zu veranlassen. Durch groß angelegte PR Aktionen wird fortlaufend auf die Wichtigkeit einer Schutzimpfung hingewiesen. Denn der Verkauf von Impfstoffen kurbelt auch den Umsatz an. Aus diesem Grund ist es mitunter schwierig, tatsächliche Neuigkeiten von PR Meldungen der Pharmahersteller zu unterscheiden.

Doch selbst offizielle Gesundheitsbehörden sind in ihren Äußerungen anderes als im letzten Jahr eher zurückhaltend und sachlich. Empfohlen wird die Impfung vor allem für Chronisch Kranke jeden Alters, schwangere Frauen und Personen die aufgrund ihres Berufsfeld viel in Kontakt mit Menschen kommen. Dazu gehören beispielsweise Ärzte und Medizinpersonal. In diesem Jahr wurde die „dringende Impfempfehlung“ auch auf junge Menschen ausgeweitet. In einigen Krankheitsfällen wurde beobachtet, dass infizierte junge Menschen einen schweren Krankheitsverlauf aufweisen. Doch fast alle Patienten wiesen auch Vorerkrankungen auf. Warum das so ist, ist bislang noch nicht geklärt. Solche Abweichungen der saisonalen Grippewelle wurden allerdings schon bei anderen Grippepandemien beobachtet.

Fand eine Mutation der Schweinegrippeviren statt?
Da der Impfstoff der selbe ist, wie vor einem Jahr, kann davon ausgegangen werden, dass sich der Virus nur unwesentlich verändert hat. Die damals prognostizierte gefährliche Mutation durch eine Vermischung mit anderen Vieren ist bislang weitgehend ausgeblieben.

Alternativer Schutz vor Grippeinfektionen
Ein sehr einfacher, aber wirksamer Schutz ist das regelmäßige Händewaschen. Die Hände sollten immer gewaschen werden, bevor man Nahrung zu sich nimmt oder wieder nach Hause einkehrt. Das bloße Händewaschen allein ersetzt jedoch keinen wirksamen Impfschutz. Im Netz kusieren zahlreiche Anbieter homöpathischer Mittel, die einen "alternativen Schutz" bieten. Solche Mittel werden allerdings nicht durch Vereinigungen wie dem Zentralverein homöopathischer Ärzte als "Ersatzschutz" empfohlen und gelten auch unter Heilpraktikern als unseriös. Allerdings gibt es zahlreiche homöopathische Mittel (Homöopathie bei Grippeerkrankungen), die im Verlauf einer Grippe zur Linderung der Beschwerden eingesetzt werden können. (sb)