Ist ein spezielles Hormon der Auslöser? Warum einige Menschen dauernd Appetit auf Süßes verspüren

Alfred Domke
Der Heißhunger auf Süßes wird durch ein bestimmtes Hormon beeinflusst
Manche Menschen greifen gerne zu salzigen Snacks wie Chips. Andere hingegen bevorzugen Schokolade, Kekse, Gummibärchen und Co. Vielen fällt es schwer, dem Drang nach den Leckereien zu widerstehen. Forscher haben nun einen Hinweis darauf gefunden, warum manche der Heißhunger auf Süßes quält, während andere kein Problem damit haben.

Drang nach Schokolade und anderen Süßigkeiten
Leckere Pralinen, ein Stück Sahnetorte, Kekse mit Schokolade überzogen: Bei vielen Menschen stellt sich der Heißhunger auf Süßes schon ein, wenn sie nur an die verschiedenen Leckereien denken. Entschuldigungen für das Schlemmen finden sich auch meist schnell: Stress im Job, eine kleine Belohnung für Erledigtes oder geselliges Beisammensein. Forscher liefern Menschen, die ihre Finger nicht von Süßigkeiten lassen können, nun eine weitere Ausrede: Der unbändige Drang nach Schokolade und Co wird offenbar durch ein bestimmtes Hormon beeinflusst.

Während manche Menschen bei Schokolade, Kuchen und Co kaum widerstehen können, haben andere kaum Appetit auf Süßes. Forscher berichten nun, dass der Heißhunger von einem bestimmten Hormon beeinflusst wird. (Bild: dream79/fotolia.com)

Das Hormon FGF21 wird in der Leber gebildet
Tipps gegen Heißhunger-Attacken werden häufig ignoriert. Schließlich sind Süßigkeiten für viele Personen unwiderstehlich.

Dänische Forscher liefern nun eine Begründung, warum das so sein könnte. Eine wichtige Rolle spielt hier die Leber, beziehungsweise das von dem Organ gebildete Hormon FGF21 (Fibroblasten-Wachstumsfaktor 21).

Besondere Varianten des dafür zuständigen Gens finden sich laut den Wissenschaftlern der Universität Kopenhagen bei Naschkatzen eher als bei anderen Menschen. Das berichtet das Team um Matthew Gillum und Niels Grarup im Fachblatt „Cell Metabolism“.

Hormon bremst Vorliebe auf Süßes
„Die Daten, die aus einer Studie zu Lebensstil und Stoffwechsel von 6500 Dänen stammen, bieten überraschende Einblicke zur möglichen hormonellen Basis der Lust auf Süßes“, erläuterte Gillum laut einer Meldung der Nachrichtenagentur dpa.

Schon in früheren Studien an Tieren hatte sich gezeigt, dass das von der Leber gebildete Hormon die Vorliebe für Süßes und Alkohol bremst.

Auch eine Untersuchung von Wissenschaftlern der Tufts University in Boston (USA), die vor kurzem in der Fachzeitschrift „The FASEB Journal“ veröffentlicht wurde, lieferte Hinweise darauf, dass die Gene Schuld am Heißhunger auf Schokolade haben könnten.

Naschkatzen die nicht zu Übergewicht neigten
Die dänischen Forscher untersuchten nun, wie zwei besondere Varianten des Gens, das den Bauplan für FGF21 enthält, die Neigung von Menschen zu Süßigkeiten beeinflussen. Dafür glichen sie die genetische Ausstattung der 6.500 Teilnehmer mit ihren Essensvorlieben ab.

Die beiden Varianten steigern demnach die Neigung zu Süßem. Den Angaben zufolge war die Wahrscheinlichkeit, dass sie Naschkatzen waren, bei den betroffenen Menschen um etwa 20 Prozent höher als bei den anderen Teilnehmern.

Sie neigten jedoch weder besonders zu Übergewicht noch zu Diabetes Typ 2. „Dutzende Faktoren tragen zu Stoffwechselerkrankungen bei“, so Grarup. „In dieser Studie sehen wir nur ein kleines Stück in einem großen Puzzle.“

Tendenz zu stärkerem Alkohol- und Tabakkonsum
Die Probanden mit den beiden Genvarianten hatten aber nicht nur eine Schwäche für Schleckereien, sondern auch eine Tendenz zu stärkerem Alkohol- und Tabakkonsum. Von den Wissenschaftlern wird dies damit erklärt, dass das Hormon auf das Belohnungssystem im Gehirn wirkt.

Es wäre jedoch auch denkbar, dass Menschen, die viel Süßes essen, allgemein weniger auf ihre Gesundheit achten.

Die Forscher beschäftigten sich in einem weiteren Versuch mit der generellen Rolle des Hormons für den Körper.

„Unsere Resultate zeigen, dass zirkulierendes FGF21 die Aufnahme von Süßem bei erwachsenen Menschen reguliert, ebenso wie bei anderen Primaten und Mäusen“, berichtete das Team. Womöglich bilde die Leber noch weitere Hormone, die einen Einfluss auf die Ernährung haben. (ad)