Ist Kaffee gesund?

Fabian Peters

Während Kaffee bislang überwiegend als gesundheitsschädlich eingestuft wurde, haben neuere Studien diese Sichtweise erheblich revidiert und eine Vielzahl positiver Effekte des Kaffee-Konsums entdeckt.

Rund 200 Jahre ist es her, dass Carl Gottlieb Hering (1766–1853) den bekannten Kanon „C-a-f-f-e-e, trink nicht so viel Kaffee!“ komponierte, der vor den negativen Folgen des Kaffee-Konsums warnt. So sind einige Mediziner bis heute der Ansicht, dass Kaffee gesundheitsschädlich ist, da er den Insulinspiegel, den Blutdruck und den Blutzucker erhöhe, dem Körper Wasser entziehe und zudem das ganze Herz-Kreislauf-System schädige. Neue Studien belegen jedoch, dass die generelle Aussage „Kaffee ist schädlich“ so heute keine Gültigkeit mehr hat.

Dies betont auch der Deutsche Kaffee-Verband e.V. und hebt in einer aktuellen Pressemitteilung die positiven Effekte des Kaffee-Konsums für die Gesundheit hervor. Dabei ist der Verband aus der Natur der Sache heraus an einer positiven Darstellung des Kaffees interessiert, kann seine Aussagen jedoch auf die Ergebnisse verschiedener wissenschaftlicher Studien stützen, die sich intensiv mit dem Thema befasst haben.

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So ist zum Beispiel die dehydrierende Wirkung des Kaffees ein Irrglaube – Kaffee zählt ganz normal zum Flüssigkeitshaushalt und leistet „für viele Menschen (…) einen wesentlichen Beitrag zur täglichen Gesamtwasserzufuhr“, erklärte auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE).

Kaffee mindert das Diabetes Risiko.
Zudem haben Wissenschaftler in mehreren groß angelegten Untersuchungen mit bis zu 120.000 Teilnehmern festgestellt, dass der regelmäßige Genuss von Kaffee vor Typ-II-Diabetes schützen kann. „Verschiedene Studien kamen zu dem Ergebnis, dass das Diabetes-Risiko bei Personen, die täglich bis zu sieben Tassen Kaffee tranken, am geringsten ist", erklärte Prof. Dr. Stephan Martin vom Westdeutschen Diabetes Zentrum in Düsseldorf. Demnach besteht für Männer, die mehr als sechs Tassen Kaffee am Tag trinken, ein um etwa 50 Prozent reduziertes Risiko einer Typ-II-Diabetes Erkrankung, bei Frauen, die ebenfalls entsprechend viel Kaffee trinken, verringert sich das Risiko um ca. 30 Prozent. Dabei gehen die Wissenschaftler davon aus, dass vor allem die enthaltenen Antioxidantien, Polyphenole oder Mineralstoffen die Schutzwirkung entfalten, nicht das Koffein. Denn der Effekt war bei entkoffeiniertem Kaffee in gleicher Weise messbar.

Kaffee schützt vor Alzheimer.
Auch auf das Gehirn hat Kaffee eine positive Wirkung und kann vor Alzheimer schützen. Der Genuss einer Tasse Kaffee belebt und steigert die Konzentration. Außerdem können Informationen nach dem Kaffee-Konsum vom Gehirn schneller aufgenommen und verarbeitet werden. Der lebenslange Kaffeekonsum verringert nach Aussage von Prof. Jürgen Vormann, Leiter des Institutes für Prävention und Ernährung (IPEV) in Ismaning, bei Frauen und Männern den altersbedingten Abbau der geistigen Leistungsfähigkeit erheblich. "Eine aktuelle finnische Studie hat über viele Jahre den Kaffeekonsum von Menschen im mittleren Lebensalter beobachtet. Die Forscher fanden heraus, dass Kaffeetrinker seltener dement wurden als Kaffee-Abstinenzler. Bei Menschen, die pro Tag zwischen drei und fünf Tassen tranken, war das Risiko, an Alzheimer-Demenz zu erkranken, um 65 Prozent verringert.", erklärte der Fachmann Prof. Vormann. Da das Koffein im Gehirn außerdem die Freisetzung von aufmunternden Botenstoffen wie Dopamin, Serotonin und Endorphinen fördert, hat Kaffee auch einen positiven Effekt auf die Stimmungslage des Konsumenten.

Kaffee mindert das Leber-Erkrankungs-Risiko

Die Wahrscheinlichkeit an einem Leber-Leiden zu erkranken, sinkt mit dem täglichen Kaffee-Genuss ebenfalls, wobei nicht eindeutig geklärt ist, ob die positive Wirkung dem enthaltenen Koffein oder ebenfalls den Antioxidantien zuzuschreiben ist. Dabei beziehen sich die Ergebnisse der Forschung jedoch ausschließlich auf Menschen, bei denen ohnehin ein erhöhtes Risiko für derartige Erkrankungen vorliegt (z. B. Alkoholiker, Übergewichtige).

Wissenschaftler des „Nationalen Krebs-Zentrums“ in Tokio kamen im Rahmen einer zehnjährigen Studie außerdem zu dem Ergebnis, dass von 100.000 Kaffeetrinkern statistisch nur 214 Personen an Nierenkrebs erkranken. Da die Zahl der Krebserkrankungen bei Nicht-Kaffeetrinkern mehr als doppelt so hoch lag (547), gehen die Forscher davon aus, dass Kaffee Nierenkrebs vorbeugen kann. Dabei sind den Ergebnissen der Studie zu Folge, im Wesentlichen die enthaltenen Antioxidantien, welche vor kanzerogenen Sauerstoffradikalen schützten, für den positiven Effekt verantwortlich.

Kaffee kann auch die körperliche Fitness steigern, da "Koffein (…) nicht nur die Konzentrationsfähigkeit und Leistungsbereitschaft, sondern auch die Ausdauerleistung“ erhöht, erläutert der Sportmediziner vom Hessischen Sportärzte-Verband, Dr. med. Wolfgang Grebe. „Kaffee hat mit seinen gefässschützenden Inhaltsstoffen somit im Leistungs- und Breitensport seinen Platz" und wirkt (…) „vor allem bei Ausdauersportarten, bei denen die Belastung länger als fünf Minuten anhält", erklärte der Fachmann weiter.

So kommt auch das Deutsche Grüne Kreuz zu dem Schluss, dass der regelmäßige Kaffee-Genuss auf zahlreiche Organe und Körperfunktionen einen positiven Effekt ausübt und zudem bei einigen Erkrankungen sogar eine vorbeugende oder schützende Wirkung haben kann. Es spricht also aus gesundheitlicher Sicht normalerweise nichts gegen den täglichen Konsum von drei bis fünf Tassen Kaffee, jedoch sollten bestimmte Risikogruppen (z. B. Schwangere) im Zweifelsfall noch einmal ein Gespräch mit ihrem Arzt führen. (fp)