Italien: Impfpflicht gegen zehn Krankheiten beschlossen – und in Deutschland?

Alfred Domke
Italien führt nach Masernausbruch Impfpflicht gegen zehn Krankheiten ein
In Italien hat die Regierung nach einer Masernepidemie eine Impfpflicht für Kinder beschlossen. Diese gilt für insgesamt zehn Krankheiten. Eltern, die sich nicht daran halten, drohen empfindliche Strafen. Auch in Deutschland wird seit langem über eine mögliche Masern-Impfpflicht nachgedacht.

Gesetz über Pflichtimpfungen erlassen
Gesundheitsexperten berichteten vor wenigen Monaten, dass die Masern-Ausrottung wieder gebremst wurde und es mehr Erkrankte gibt. Um den Kampf gegen die Viren zu gewinnen, müssten Fachleuten zufolge mehr Menschen geimpft werden. Daher wird auch immer wieder über eine Masern-Impfpflicht diskutiert. In Deutschland gibt es eine solche bislang nicht, in Italien hat die Regierung nun ein Gesetz über Pflichtimpfungen für Kinder erlassen.

In Italien wurde ein Gesetz über Pflichtimpfungen für Kinder erlassen. Die Impfpflicht gilt für insgesamt zehn Krankheiten, darunter unter anderem Masern und Mumps. (Bild: Konstantin Yuganov/fotolia.com)

Schutz vor zehn Krankheiten
In Italien wurden nach einem Masernausbruch Pflichtimpfungen für alle Kinder und Jugendlichen unter 17 Jahren beschlossen. Laut einer Meldung der Nachrichtenagentur dpa stimmte das Parlament in Rom am Freitag mit 296 zu 92 Stimmen dafür.

Vor dem Beschluss hatten Tausende Impfgegner im ganzen Land gegen das Gesetz demonstriert.

Den Angaben zufolge müssen Eltern ihre Kinder nun gegen zehn Krankheiten impfen lassen, neben Masern unter anderem auch gegen Mumps, Röteln, Polio, Tetanus, Keuchhusten und Windpocken.

Wenn sich Eltern weigern, dürfen sie ihre Kinder nicht mehr in den Kindergarten bringen und können gegebenenfalls mit einem Bußgeld von 500 bis 1.000 Euro belegt werden.

Wie es heißt, dürfen die Impfungen nur aus medizinischen Gründen verschoben oder ausgelassen werden – und nur dann, wenn ein Arzt diese attestiert.

Masern-Epidemie fordert drei Todesopfer
Die Masern-Epidemie in Italien hat seit Jahresbeginn bereits zu drei Toten geführt. Offiziellen Daten zufolge steckten sich bis Mitte Juli 3.672 Personen an. Nur 87 Prozent der Italiener seien gegen Masern geimpft.

Laut Experten ist jedoch eine Impfquote von 95 Prozent nötig, um eine Ausbreitung der hochansteckenden Erreger effektiv zu unterbinden.

Vor dem Beschluss hatten Tausende Impfgegner im ganzen Land gegen die Pflichtimpfung demonstriert, da sie unter anderem Nebenwirkungen der Impfung befürchten.

Auch die populistische Fünf-Sterne-Bewegung – Italiens mittlerweile größte Oppositionspartei – machte sich die Kritik teilweise zu eigen.

Keine Impfpflicht in Deutschland
In Deutschland gibt es keine Impfpflicht gegen Masern – und auch nicht gegen andere Krankheiten. Von einer Mehrheit der Deutschen würde diese zwar begrüßt werden, zahlreiche Experten sind jedoch dagegen. Sie setzen eher auf Aufklärung statt Impfpflicht.

Kritiker beziehungsweise Skeptiker gibt es viele. „Es ist gerechtfertigt, beim Impfen besondere Sorgfalt zu fordern und strittige Punkte auch kritisch zu diskutieren – nicht zuletzt deshalb, weil Impfungen zu den häufigsten medizinischen Maßnahmen überhaupt gehören“, schreibt das Robert-Koch-Institut (RKI) auf seiner Webseite.

Die RKI-Experten geben dort zusammen mit ihren Kollegen des Paul Ehrlich Instituts Erklärungen zu den „20 häufigsten Einwänden gegen das Impfen“.

Klar ist: „Impfungen unterscheiden sich von anderen ärztlichen Eingriffen. Zum einen zielen sie nicht nur auf den Nutzen des Einzelnen, sondern auch auf den Schutz der ganzen Bevölkerung. Zum anderen werden sie bei Gesunden durchgeführt.“

Risiken werden überschätzt
Impfungen sind aber zu Unrecht ein umstrittenes Thema, meint Mag. DDr. Wolfgang Maurer, der für das Impfwesen an der Wiener Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde zuständig ist.

„Generell werden Risiken falsch eingeschätzt“, so der Experte in einem Interview. Und: „Die Häufigkeit von Impfschäden wird maßlos überschätzt, oft stecken hier auch andere Krankheiten dahinter, die eben zeitlich nach Impfung auftreten, aber nicht ursächlich sind wie zum Beispiel viele Epilepsien.“

Durch Impfmaßnahmen kann man grundsätzlich nicht nur sich selbst, sondern auch andere schützen. Dies kann auch Todesfälle verhindern, wie sich unter anderem bei Masernerkrankungen von Kleinkindern immer wieder zeigt. (ad)