Jeder Fünfte hatte Schweinegrippe

Fabian Peters

Schweinegrippe-Pandemie: Mehr als 20 Prozent de Bevölkerung infiziert

27.01.2013

Die Schweinegrippe-Pandemie hatte im Jahr 2009 zunächst weltweit für einen regelrechten Ausnahmezustand im Gesundheitswesen gesorgt, bevor sie sich am Ende als deutlich weniger gefährlich entpuppte, als ursprünglich befürchtet. Ein internationales Forscherteam um Maria van Kerkhove und Siddhivinayak Hirve vom „Global Influenza Programme“ der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat nun im Fachmagazin „Influenza and Other Respiratory Viruses“ eine Metastudie zu den Infektionsraten mit H1N1-Viren vorgestellt. Demnach haben sich mehr als 20 Prozent der Bevölkerung weltweit mittlerweile mit dem Erreger infiziert. Die Sterblichkeit lag erfreulicherweise jedoch extrem niedrig.

Den Ergebnissen der Forscher zufolge haben sich bis heute deutlich mehr Menschen mit dem Schweinegrippe-Virus infiziert, als ursprünglich angenommen. Zudem seien „die globalen Auswirkungen der Influenza A (H1N1)-Pandemie nicht gut verstanden“, schreiben die Wissenschaftler. Sie sehen ihre aktuelle Arbeit als Beitrag zum besseren Verständnis der Schweinegrippe-Pandemie 2009 / 2010. Die Auswertung bestehender epidemiologischer Untersuchung ermögliche eine realistische Abschätzung der tatsächlichen Infektionszahlen. Ihren Ursprung hatte die Schweinegrippe-Pandemie Anfang 2009 in Mexiko, von wo aus sich die Erreger über die ganze Welt verbreiteten. Die Angst in der Bevölkerung vor einer möglicherweise tödlichen Bedrohung war groß. Hastig wurde ein Impfstoff zum Schutz vor den Erregern präsentiert. Doch kam bald der Verdacht auf, dieser könne mit erheblichen Nebenwirkungen einhergehen, und Millionen Impfstoffdosen blieben zunächst liegen, bis sie Ende 2011 vernichtet wurden. Im August 2010 hatte die WHO die Pandemie für überstanden erklärt.

Kinder und Jugendlichem mit der höchsten Schweinegrippe-Infektionsrate
Das internationale Forscherteam um Kerkhove und Hirve hat im Rahmen seiner Metastudie „die Daten aus 27 veröffentlichten / unveröffentlichten Studien aus 19 Ländern / administrativen Regionen“ weltweit analysiert. Die Daten stammten unter anderem aus Australien, Kanada, China, Finnland, Frankreich, Deutschland, Indien, Italien, Japan und den Niederlanden. Anhand des Nachweises spezifischer Antikörper gegen die H1N1-Viren in mehr als 90.000 Blutproben ermittelten die Wissenschaftler, wie viele Menschen sich in den jeweiligen Regionen tatsächlich bereits mit den Schweinegrippe-Erregern infiziert haben. Auch eine altersspezifische Auswertung der Daten wurde vorgenommen. Insgesamt hatten rund 24 Prozent der Menschen Antikörper gegen die Schweinegrippe in ihrem Blut, berichten die WHO-Experten. Kinder im Alter von fünf bis 19 Jahren seien zu 47 Prozent und Kinder im Alter zwischen Null und vier Jahren zu 36 Prozent betroffen, so das Ergebnis der Wissenschaftler. Auch in den nicht untersuchten Ländern sei von vergleichbaren Infektionsraten auszugehen.

Geringe Sterblichkeit infolge von Schweinegrippe-Infektionen
Die Wissenschaftler bestätigen mit ihrer aktuellen Metastudie Untersuchungen aus dem vergangen Jahr, die ebenfalls zu dem Ergebnis kamen, dass sich deutlich mehr Menschen als die von der WHO geschätzten unter eine Millionen weltweit bis zum Ende der Pandemie mit dem Erreger infiziert haben und auch die Anzahl der Todesfälle deutlich höher lag als die angenommenen 18.500. Ob möglicherweise bereits 280.000 Todesfällen durch die H1N1-Viren bedingt wurden, wie in der Studie aus dem vergangenen Jahr festgestellt, bleibt jedoch offen. Denn der hohen Infektionsrate in der Bevölkerung von mehr als 20 Prozent, steht eine relativ geringe Mortalität gegenüber. So kommen die Forscher um Maria van Kerkhove und Siddhivinayak Hirve zu dem Ergebnis, dass lediglich 0,02 Prozent der Patienten infolge der Schweinegrippe-Infektion verstarben. „Unsere Ergebnisse bieten einzigartige Einblicke in die globalen Auswirkungen der H1N1-Pandemie und unterstreichen die Notwendigkeit zur Standardisierung von seroepidemiologische Studien und für ihre Aufnahme in die Pandemieplänen“, so das Fazit der Forscher. (fp)

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