Jeder Vierte in Deutschland nimmt täglich mehrere Pillen zugleich

Sebastian
Gesundheitsrisiko: Jeder vierte Erwachsene nimmt regelmäßig mehrere Medikamente
Vor allem viele Senioren sind auf die tägliche Einnahme von Medikamenten angewiesen. Die Auswirkungen von Nebenwirkungen sind ohnehin schon oft schlimm genug. Doch noch größer wird die Gefahr, wenn durch die Einnahme mehrerer Pillen gleichzeitig auch noch das Risiko von Wechselwirkungen erhöht wird. Experten fordern mehr Sicherheit.

Gesundheitsrisiken durch die gleichzeitige Einnahme mehrere Medikamente
Schmerzmittel, Cholesterin- oder Blutdrucksenker, Blutverdünner: Insbesondere viele Senioren schlucken oft mehrere Pillen gleichzeitig. Und auch viele jüngere Menschen nehmen täglich mehr als zwei verschiedene Medikamente ein. Seit Jahren weisen Fachleute auf Gesundheitsrisiken durch Polymedikation hin: Wenn mehrere Arzneien gleichzeitig eingenommen werden, steigt das Risiko von Wechsel- und Nebenwirkungen erheblich. Auch Apotheker warnen nun vor den möglichen gesundheitlichen Folgen und schlagen einen Lösungsweg vor.

Bild: Gina Sanders - fotolia
Bild: Gina Sanders – fotolia

Jeder zweite über 70-Jährige schluckt drei oder mehr Pillen
Einer Meldung der Nachrichtenagentur dpa zufolge gab bei einer Umfrage unter rund 13.000 erwachsenen Bundesbürgern rund jeder vierte (23 Prozent) an, regelmäßig drei oder mehr Medikamente zu nehmen. Und in der Gruppe der Senioren ab 70 Jahre ist es demnach sogar jeder zweite. Erstellt wurde die repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA). Der Präsident der ABDA, Friedemann Schmidt, präsentierte die Ergebnisse im Vorfeld des Deutschen Apothekertages, der am Donnerstag in Düsseldorf beginnen wird.

Vermeidbare und gesundheitsschädigende Fälle
Von den Patienten, die drei oder mehr Mittel gleichzeitig nehmen, ist etwa die Hälfte (54 Prozent) bei mehr als einem Arzt in Behandlung. Rund jeder dritte der Patienten (29 Prozent) mit drei oder mehr Arzneimitteln nimmt sowohl verordnete als auch zusätzlich rezeptfreie Medikamente ein. Zwar sei diese sogenannte Polymedikation laut Schmidt für viele Patienten – besonders bei Älteren – aufgrund mehrerer Erkrankungen erforderlich, doch es gebe oft vermeidbare und gesundheitsschädigende Fälle.

Mehr Todesfälle durch Nebenwirkungen als im Straßenverkehr
Laut ABDA gibt es für Polymedikation keine einheitliche Definition. Man gehe normalerweise von drei oder mehr Medikamenten aus oder aber von fünf oder mehr, die zeitgleich und auf Dauer geschluckt werden. Neun Prozent der Befragten gaben in der Forsa-Umfrage an, fünf oder mehr Arzneimittel zu nehmen. In Deutschland sterben mehr Menschen durch die Nebenwirkungen von Medikamenten als im Straßenverkehr. Darauf hatte die ABDA bereits Anfang des Jahres hingewiesen und in diesem Zusammenhang gefordert, Patienten besser vor Medikationsfehlern zu schützen. Im vergangenen Jahr gab es hierzulande rund 3.400 Verkehrstote.

Medikationsplan soll Risiken senken
Wie es heißt, sei ein häufiger Grund nicht nur, dass mehrere Ärzte gleichzeitig verordnen, sondern, dass Medikamente oft weiter eingenommen werden, auch wenn sich die Therapie bereits als erfolglos erwiesen habe. Oder auch, dass der Patient Mittel noch weiter schlucke, obwohl das Therapieziel schon erreicht sei. Schmidt forderte für jeden Patienten einen Medikationsplan, um die Risiken zu senken. In diesem müsse die gesamte Medikamentenliste – laufend aktualisiert und von Ärzten und Apotheken abgestimmt – enthalten sein. Allerdings gebe es derzeit noch zu wenig Abstimmung: „Neun von zehn Medikationslisten, die alleine vom Arzt ausgestellt werden, stimmen nicht mit dem überein, was die Patienten tatsächlich einnehmen“, so Schmidt. (ad)