Jeder vierte Junge benötigt Logopäden

Astrid Goldmayer

Jeder vierte Junge und jedes sechste Mädchen benötigt Logopäden

21.12.2011

Der Trend ist eindeutig: Immer mehr Kinder benötigen beim Übergang vom Kindergarten zur Grundschule die sprachtherapeutische Unterstützung von Logopäden. Aus dem Heilmittelbericht der Krankenkasse AOK geht hervor, dass im Jahre 2010 etwa jeder vierte sechsjährige Junge und jedes vierte gleichaltrige Mädchen eine logopädische Therapie benötigte. Ingesamt verordneten Ärzte fast 40 Millionen Leistungen der Logopädie, Physiotherapie, Ergotherapie und Podologie für Patienten aller Altersgruppen.

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Immer mehr Kinder in logopädischer Therapie
Gegenüber dem Jahr 2006 wurden 2010 20 Prozent mehr logopädische Therapien bei Jungen und 30 Prozent mehr bei den Mädchen verordnet. Vize-Chef des AOK-Wissenschaftsdiensts, Helmut Schröder, berichtet: „ Wir beobachten seit Jahren, dass mehr Kinder für eine gesunde, altersgerechte Entwicklung vorübergehend therapeutische Unterstützung brauchen." Seiner Vermutung nach könnte einer der Gründe sein, dass immer mehr Kinder „ unter schwierigen sozialen und gesundheitlichen Bedingungen aufwachsen und für die Schulfähigkeit die Hilfe von Experten benötigen".

Der Deutsche Bundesverband für Logopädie (DBL) rät Eltern auf seiner Internetseite, sich nicht verrückt zu machen, wenn sie Auffälligkeiten in der Sprachentwicklung ihres Kindes feststellen. Betroffene Eltern sollten laut DBL die Entwicklung des Kindes mit einem Kinderarzt besprechen. Generell verlaufe die Sprachentwicklung von Kind zu Kind sehr unterschiedlich. Einige Kinder benötigten nur eine Unterstützung in Form einer Sprachförderung. Liegt eine Sprachstörung vor, ist eine logopädische Therapie unverzichtbar. Eine differenzierte Sprachdiagnostik ist Voraussetzung dafür, dass Kinder mit Sprachproblemen oder –störungen genau die Unterstützung und Therapie erhalten, die sie benötigen.

Mehr Ergotherapien für Jungen als für Mädchen
Laut AOK erhielten 5,6 Prozent der sechsjährigen Mädchen eine Ergotherapie und sogar 14 Prozent der gleichaltrigen Jungen. Von diesen Jungen zeigte fast ein Drittel motorische Entwicklungsstörungen und gut ein Fünftel litt am Zappelphilipp-Syndrom, einer hyperkinetischen Störung. Mit der Ergotherapie lernen die Kinder ihre Handlungsfähigkeit in verschiedenen Lebensbereichen zu stärken.

Ingesamt wurden fast 40 Millionen Leistungen der Logopädie, Physiotherapie, Ergotherapie und Podologie (Fußtherapie) für Patienten aller Altersgruppen laut Heilmittelbericht der AOK von Ärzten verordnet. Dafür seien Kosten in Höhe von rund 4,55 Milliarden Euro entstanden. Am häufigsten wurden Physiotherapien wie Krankengymnastik und Massagen verordnet. Sie machen etwa 86 Prozent des Gesamtvolumens im Heilmittelbereich aus. In erster Linie würden Erkrankungen der Wirbelsäule behandelt werden. Des Weiteren handele es sich hauptsächlich um Erkrankungen der Extremitäten und des Beckens. (ag)

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Bild: Dieter Schütz / pixelio.de