Jeder zweite Schüler leidet unter Stress

Fabian Peters

Jeder zweite Schüler steht unter Stress

27.01.2011

Gestresste Schüler: Jeder zweite Schüler in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt steht laut einer im Auftrag der Techniker-Krankenkasse (TK) durchgeführten Umfrage des Forsa-Instituts unter Stress.

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Die im Auftrag der TK vom Forsa-Institut durchgeführte Elternbefragung zum Thema „Schulstress", kommt zu dem Ergebnis, dass jeder zweite Schüler in Thüringer, Sachsen und Sachsen-Anhalt unter Stress und Leistungsdruck leidet. Sechs Prozent der Heranwachsenden stehen den Angaben der Eltern zum Stresslevel ihrer Kinder zufolge sogar stark unter Druck. Als Stressauslöser wird dabei meist der zunehmende schulische Leistungsdruck und die Angst vor schlechten Noten genannt.

Stressursachen: Leistungsdruck und Angst vor schlechten Noten
Die Forsa-Elternbefragung aus dem Jahr 2010 hat außerdem ergeben, dass jeder sechste bis siebte Schüler in Mitteldeutschland aufgrund von Stress unter Konzentrationsstörungen und Kopfschmerzen leidet. Dabei erreiche der Leistungsdruck und die Angst vor schlechten Noten gerade jetzt, wenn am Freitag die Halbjahreszeugnisse in Thüringen ausgegeben werden, gewaltige Dimensionen, erklärte die Sprecherin der TK-Landesvertretung Thüringen, Teresa Urban. Häufig sind dabei auch die hohen Leistungserwartungen der Eltern mitverantwortlich für den Stress der Schüler. „Die Ausgabe der Halbjahreszeugnisse darf keine Belastungssituation sein – Kinder und Eltern sollten sie vielmehr als Chance begreifen“ betonte daher Teresa Urban. Denn bis zum Schuljahresende bleibe „noch genügend Zeit, sich gezielt um seine Problemfächer zu kümmern“ so die Sprecherin der TK weiter.

Kinder reagieren sehr unterschiedlich auf Stress
Dabei sind die Reaktionen der Kinder auf den wachsenden Schulstress äußerst unterschiedlich, während manche unter körperlichen Symptomen wie zum Beispiel Kopf- und Bauchschmerzen leiden, treten bei anderen eher Verhaltensänderungen auf. Die Schüler werden unaufmerksam und bisweilen aggressiv, ziehen sich immer stärker zurück oder reagieren mit gänzlicher Schulverweigerung. Häufig klagen die Heranwachsenden auch über Einschlafprobleme. Der vom Nachhilfeinstitut Studienkreis in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift „FOCUS SCHULE“ veröffentlichte Ratgeber „Guter Stress — schlechter Stress“ bietet Eltern und Schülern auf rund 50 Seiten eine Erklärung dafür, wodurch Stress ausgelöst werden kann, welche Folgen der kontinuierliche Druck haben kann und wie sowohl Eltern als auch Kinder den Stress am besten bewältigen. Dabei ist es nach Aussage von Kerstin Griese, Sprecherin des Studienkreises, vor allem „wichtig (…), dass Eltern und Schüler gemeinsam etwas tun. Denn Kinder und Jugendliche benötigen den Rückhalt von Bezugspersonen, um Krisen selbstbewusst überwinden zu können.“

Methoden zur Stressbewältigung nutzen
Um psychisch belastendem Stress erfolgreich zu begegnen, bieten sich verschiedenen Methoden des Stressmanagements an. Diese können von Übungen zum richtigen Zeitmanagement, über Entspannungsübungen bis zu sportlichen Aktivitäten reichen. Auch Kerstin Griese betonte die Bedeutung des körperlichen Ausgleichs zwischen Lernen und Hausaufgaben. Doch viele Methoden die Erwachsenen zur Entspannung nutzen, wie zum Beispiel autogenes Training, Yoga oder Tai Chi, sind bei Kindern recht unbeliebt. Auch haben Studien ergeben, dass mehr als ein Drittel der Kinder an einem Schultag überhaupt nicht oder maximal eine halbe Stunde körperlich aktiv ist. So fällt es den Heranwachsenden oft besonders schwer mit dem psychischen Stress umzugehen und sie sind umso mehr auf die Unterstützung ihrer Eltern angewiesen. Bei besonders kritischen Situation und schwerwiegenden persönlichen Auswirkung des Stresses empfiehlt sich außerdem dringend die Hinzuziehung eines Psychotherapeuten. Dieser kann mit den Betroffenen gegebenenfalls individuell angepasste Methoden zur Stressbewältigung entwickeln. Auch sollten sich Eltern stets bewusst sein, dass schlechte schulische Leistungen ebenfalls das Ergebnis von Stress sein können und hier verstärkte Leistungsanforderungen an ihre Kinder eher kontraproduktiv wirken. (fp)