Jedes dritte Baby kommt per Kaiserschnitt zur Welt

Fabian Peters

Jedes dritte Baby kommt per Kaiserschnitt auf die Welt.

(18.08.2010) Die Auswertung der Versichertendaten durch die KKH-Allianz ergab, dass in Deutschland rund jedes Dritte Kind per Kaiserschnitt zur Welt kommt.

Im Bundesweiten Vergleich liegt das Saarland mit ca. 37 Prozent an der Spitze der Statistik, dicht gefolgt von Niedersachsen, wo ca. 36 Prozent der Geburten per Kaiserschnitt erfolgen, so die Ergebnisse der KKH-Allianz. Den geringsten Anteil an den Geburten hatten Kaiserschnitte in Sachsen-Anhalt (26 Prozent) und Sachsen (24 Prozent).

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Eine Ursache für die Zunahme der Kaiserschnitte könnte die steigende Zahl der Risikoschwangerschaften sein, da bei den Frauen im Alter über 40 die Anzahl der Schwangerschaften massiv zugenommen hat, erklärten die Experten. So gab es allein bei den Frauen im Alter zwischen 40 und 41 Jahren ca. 41 Prozent mehr Schwangerschaften als noch im Jahr 2004. Zudem entscheiden sich immer mehr Frauen freiwillig für einen Kaiserschnitt, da sie Komplikationen bei der natürlichen Geburt fürchten. Weil auch die Sicherheitsanforderungen an eine Geburt immer weiter gestiegen sind, ist hier zudem eine weitere Ursache für die gestiegene Anzahl der Kaiserschnitte zu suchen. Statistisch betrachtet sind Kaiserschnitte und normale Geburten heute ungefähr gleich riskant, doch es ist eindeutig die Tendenz zu beobachten, dass Frauen trotz fehlender medizinischer Notwendigkeit den Kaiserschnitt vorziehen.

Die Zahl der Kaiserschnitte steigen nicht, weil sie im Krankenhaus-Ablauf besser planbar oder ökonomisch vorteilhaft seien, erklärte Chefarzt Dr. Dietmar Seeger vom Marienhospital in Vechta auf Nachfrage gegenüber der Oldenburgischen Volkszeitung. Ein Sprecher der AOK hält dem jedoch entgegen, dass insbesondere aus Sicht der Ärzte sehr wohl ökonomische Gründe für einen Kaiserschnitt sprechen können. Denn bei unkompliziertem Verlauf bringt der Kaiserschnitt rund 500,- Euro mehr Einnahmen als die normale Geburt. Eindeutig der wesentlichste Aspekt für den Anstieg der Kaiserschnitt-Geburten ist nach Meinung aller Fachleute jedoch der wachsende Anteil der Risikoschwangerschaften, zu denen auch sämtliche Fälle der über 40-jährigen Schwangeren gezählt werden. So liegt der Kaiserschnitt-Anteil bei den Spätgebärenden bei ca. 50 Prozent. „Aufgrund der gestiegenen Zahl der Risikoschwangerschaften werden Kaiserschnitte immer häufiger durchgeführt“, erläutert auch der Leiter des KKH-Allianz Servicezentrums in Gießen, Harry Konrad. „Spätgebärende bringen häufiger als junge Frauen zusätzliche Risiken mit. Aus diesem Grund kann ein Kaiserschnitt eher infrage kommen“, so Konrad weiter. Andere Faktoren die eine Geburt per Kaiserschnitt bedingen können, sind z. B. Mehrlingsgeburten, Querlagen des Kindes aber auch starkes Übergewicht.

Deshalb rät Dr. Dietmar Seeger eventuelle Sorgen zur Entbindung mit der behandelnden Ärztin oder der Hebamme ausführlich zu besprechen, um gemeinsam eine Lösung zu erarbeiten, die nicht zwangsweise der Kaiserschnitt sein sollte. Denn auch wenn dieser heute ein routinemäßiger Eingriff ist, kann er „auch schmerzhafte Komplikationen wie eine Wundheilungsstörung oder dauerhafte Unterbauchschmerzen auf Grund von Verwachsungen zur Folge haben.“, so Seeger gegenüber der Oldenburgischen Volkszeitung.

Ohnehin ist der Eingriff laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) nur bei jeder siebten Geburt medizinisch gerechtfertigt und aufgrund der möglichen Probleme wächst die Kritik seit Jahren. So birgt der Bauchschnitt die Gefahr von Infektionen und Gefäßverschlüssen, schmälert die Aussicht auf eine erneute Schwangerschaft und steigert das Risiko für Probleme bei zukünftigen Geburten erheblich. Und auch für das Kind hat die natürliche Geburt Vorteile: z. B. kann sich die Lunge besser an die neuen Umstände gewöhnen, da im engen Geburtskanal die Flüssigkeit aus den Atemwegen gepresst wird. Auch belegen die verschiedensten Studien, dass ein Kaiserschnitt Kinder anfälliger macht für Allergien und Asthma. Die Psychologin Petra Kolip von der Universität Bielefeld betonte zudem gegenüber der Zeitung „Neues Deutschland“, dass auch für die Mütter eine Spontangeburt mental äußerst wichtig sei. Viele von ihnen beklagen nach einem Kaiserschnitt, dass sie die natürliche Geburt nicht geschafft haben, so die Ausführungen von Kolip. (fp)