AOK-Studie: Jedes fünfte Kind ist krank

Astrid Goldmayer

Studie: Beruflicher Stress der Eltern belastet die ganze Familie

07.03.2014

Jedes fünfte Kind in Deutschland hat gesundheitliche Probleme. Das ergab die „Familienstudie“ der AOK im Rahmen der Initiative „Gesunde Kinder – gesunde Zukunft". 1.503 Mütter und Väter wurden zu ihrem und dem Gesundheitszustand ihrer Kinder befragt. Demnach leiden Kinder häufig an Bauchschmerzen, Gereiztheit, Kopfschmerzen, Nervosität, Einschlafstörungen, Unwohlsein Rückenschmerzen und Benommenheit oder Schwindel.

Der Studie zufolge führen die gesundheitlichen Beschwerden der Kinder auch nicht selten zu Problemen in der Schule und der Kindertagesstätte sowie zu Nachteilen bei der sozialen und psychischen Anpassung. „Während 55 Prozent der gesunden Kinder in letzter Zeit stets gut zurechtkamen, sind es bei den gesundheitlich belasteten nur 39 Prozent", heißt es in der „Familienstudie“. Die Krankenkasse nennt den Zeitstress vieler Elten als eine der Hauptursachen für die gesundheitlichen Probleme ihrer Kinder.

Kinder sehr zufriedener Eltern sind seltener krank
Wie die Studie zeigte, wird die Krankheitsanfälligkeit von Kindern maßgeblich durch das familiäre Klima bestimmt. So sind Kinder von Eltern, die sehr zufrieden mit dem Familienleben sind, seltener krank. Das bestätigen auch die Zahlen: 19 Prozent der Kinder von sehr zufriedenen Eltern haben gesundheitliche Beschwerden, während es bei den unzufriedenen Müttern und Vätern 35 Prozent sind. „Wenn Eltern unzufrieden mit ihrem Familienleben sind, ist die Wahrscheinlichkeit, dass ihre Kinder gesundheitlich belastet sind, doppelt so hoch", fassen die Autoren zusammen.

„Unsere Studie zeigt, wie wichtig die Gesundheit der Eltern und ein entspannter Familienalltag für ein gesundes Aufwachsen der Kinder sind. Kindergesundheit hängt direkt vom Elternwohl ab. Eltern selbst, aber auch die Gesellschaft sollten diese Botschaft berücksichtigen", kommentiert AOK-Chef Jürgen Graalmann das Studienergebnis.

In der Befragung für die „Familienstudie“ gaben 67 Prozent der Eltern an, dass sie sich gut oder sehr gut fühlen. Dennoch zeigt die Auswertung, dass ein großer Teil der Eltern häufiger krank ist. So klagten 40 Prozent der Mütter und Väter über ihre Gesundheit und 22 Prozent erklärten, gelegentlich an gesundheitlichen Beschwerden zu leiden, die ihre Arbeit oder andere Tätigkeiten negativ beeinflussen. „18 Prozent beklagen, dass sie in den letzten vier Wochen immer oder häufig solche Schwierigkeiten hatten", berichten die Autoren. Vor allem Alleinerziehende sind von gesundheitlichen Problemen betroffen. Gut 30 Prozent haben eine hohe Krankheitsanfälligkeit. Es sei wenig überraschend, „dass alleinerziehende Eltern sich deutlich stärker zeitlich und finanziell belastet fühlen als Eltern in Paarfamilien. Entsprechend klagen Alleinerziehende auch häufiger über starke psychische Belastungen“, heißt es in der Studie. Im Vergleich zu Alleinerziehenden sind Eltern in Paarfamilien demnach deutlich im Vorteil.

Zeitstress der Eltern beeinflusst Gesundheit der Kinder
Etwa ein Fünftel der Eltern gab an, an seelischen Problemen zu leiden. Davon wurden aber nur bei sieben Prozent der Befragten in den vorangegangenen vier Wochen „immer oder häufig" Arbeit oder Familienleben negativ beeinflusst. Stress ist der Studie zufolge der Hauptgrund für seelische Erkrankungen in den meisten Familien. 24 Prozent der Kinder von zeitlich stark belasteten Eltern leiden an Krankheitssymptomen.

Viele Eltern gaben an, zu wenig Zeit für die Familie zu haben. „So sagen 81 Prozent der Befragten, dass es ihnen besonders helfen würde, wenn sie mehr freie Zeit mit dem Partner hätten. 90 Prozent wünschen sich mehr freie Zeit/Urlaub und 93 Prozent mehr Zeit mit der Familie“, beichten die Autoren. 38 Prozent der Befragten wünschen sich mehr Zeit für sich selbst.

Meist steht der Beruf einer entspannteren Zeitplanung im Wege. So sind häufig die festen Arbeitszeiten Ursache für den Zeitstress. Der Studie zufolge sind Eltern am zufriedensten, wenn sie ihre Arbeit frei einteilen und im Homeoffice arbeiten können. „Von den gesundheitlich nicht belasteten Eltern hat ein signifikant größerer Anteil die Option zum Homeoffice", heißt es in der Untersuchung. „Zugleich zeigt sich, dass Eltern, denen es gesundheitlich nicht gut geht, signifikant häufiger Partner haben, die an feste Arbeitszeiten gebunden sind oder häufig Wochenendarbeit leisten müssen."

Professor Ulrike Ravens-Sieberer vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) erläutert, dass sich flexible Arbeitszeiten positiv auswirken. „Eltern, die zeitlich und örtlich flexibel arbeiten können, fühlen sich oft gesünder. Wichtig ist auch die Verfügbarkeit eines sozialen Netzwerks und verlässlicher Kinderbetreuung, insbesondere durch Familienmitglieder", so die Expertin.

Insgesamt gehe es den Eltern der Studie zufolge aber besser als im Vergleich zum Jahr 2010. Belastungen wie beispielsweise finanziellen Sorgen hätten abgenommen. Das wirke sich auch auf die Kindergesundheit aus. „Eltern prägen das Lebensumfeld ihrer Kinder und sind Vorbild und erster Ansprechpartner in Sachen Gesundheit", fasst Graalmann zusammen. (ag)

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