Jedes Jahr sterben 1,7 Millionen Kinder wegen Dreck und Hygienemangel

Alfred Domke
WHO-Bericht: Millionen kleine Kinder sterben durch Dreck und Hygienemangel
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat einen Bericht vorgelegt, aus dem hervorgeht, dass jährlich rund 1,7 Millionen Kinder aufgrund von Umweltdreck und mangelnder Hygiene sterben. Ein Großteil der Todesfälle könnte verhindert werden.

Umweltdreck und unhygienische Verhältnisse vor allem in Entwicklungsländern
Luftverschmutzung im Freien und auch innerhalb von Gebäuden, Belastung durch Passivrauchen, verseuchtes Wasser, fehlende sanitäre Anlagen: Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben weltweit jedes Jahr rund 1,7 Millionen Kinder unter fünf Jahren durch Umweltdreck und unhygienische Verhältnisse. Wie die WHO in einer Mitteilung schreibt, sei dies etwa jeder vierte Todesfall in diesem Alter. Die meisten Kinder sterben in Entwicklungsländern.

Jedes Jahr sterben weltweit Millionen Kinder aufgrund von Umweltdreck und unhygienischen Verhältnissen. Die Menschen bräuchten sauberes Trinkwasser, bessere sanitäre Anlagen und eine Verbesserung der Luftqualität. (Bild: Riccardo Niels Mayer/fotolia.com)

Kleine Kinder durch Umwelteinflüsse stärker gefährdet
Bereits im vergangenen Herbst hatte das Kinderhilfswerk Unicef berichtet, dass pro Jahr Hunderttausende Kinder durch Luftverschmutzung sterben.

Kleine Kinder sind durch das Einatmen von Rauch beim Kochen auf Feuerstellen und die Feinstaubbelastung im Freien, durch den Zigarettenrauch von Erwachsenen und die weiteren Belastungen besonders stark gefährdet.

„Eine verschmutzte Umgebung ist eine tödliche – vor allem für kleine Kinder“, sagte WHO-Generaldirektorin Dr. Margaret Chan. „Ihre noch wachsenden Organe, ihr Immunsystem, ihre kleineren Körper und Atemwege machen Kinder besonders anfällig für schmutzige Luft und dreckiges Wasser.“

Lebenslang erhöhtes Risiko für Atemwegserkrankungen
Schädigungen können bereits im Mutterleib beginnen. Kinder, die starker Luftverschmutzung ausgesetzt sind, haben mitunter ein lebenslanges erhöhtes Risiko für chronische Atemwegserkrankungen wie Asthma. Zudem kann sich die Gefahr für Herzerkrankungen, Schlaganfall und Krebs erhöhen.

Den Angaben zufolge sind Infektionen der Atemwege, Durchfall, Komplikationen im ersten Lebensmonat durch schlechte Gesundheitsversorgung der schwangeren Mutter, Malaria und Unfälle wie Vergiftung, Ertrinken und Stürze die fünf bedeutendsten Todesursachen für kleine Kinder.

Wie die Situation verbessert werden könnte
Die WHO sieht großen Handlungsbedarf. In einem Begleitbericht mit dem Titel „Verschmutze meine Zukunft nicht! Die Auswirkungen der Umwelt auf die Gesundheit von Kindern“ thematisieren die Experten, wie die Situation verbessert werden könnte.

So brauchen etwa Familien in armen Ländern Möglichkeiten zum Kochen und Heizen ohne Rauch, Schulen benötigen gute Toiletten und Gesundheitsstationen sauberes Wasser sowie zuverlässigen Strom.

Des Weiteren benötigen Städte mehr Grünflächen und sichere Geh- und Radwege, der öffentliche Verkehr sollte weniger Emissionen produzieren und die Industrie müsse den Einsatz von Chemikalien zurückfahren und giftige Abfälle besser entsorgen.

„Die Investition in die Beseitigung von Umweltrisiken für die Gesundheit, wie die Verbesserung der Wasserqualität oder die Verwendung von sauberen Kraftstoffen, wird zu massiven gesundheitlichen Vorteilen führen“, so Dr. Maria Neira, WHO-Direktorin für öffentliche Gesundheit. (ad)