Jedes vierte Kind leidet bereits an einer Allergie

Fabian Peters
AOK-Kinderreport: Knapp ein Viertel der Schulkinder sind Allergiker
Allergien können in unterschiedlichster Form auftreten und sie sind ein äußerst weit verbreitetes Beschwerdebild. Aus dem aktuellen AOK-Kinderreport geht hervor, dass in manchen Regionen fast jedes vierte Schulkind unter einer Allergie leidet. Neurodermitis und Heuschnupfen sind dabei die häufigsten Allergien.

Mehrfach wurde in den vergangen Jahrzehnte über die Zunahme allergischer Erkrankungen in der Bevölkerung berichtet, nun bestätigt der AOK-Kinderreport erneut das wachsende Ausmaß des Problems. Laut Angaben der AOK Nordost ist in ihrem Bereich fast jedes vierte Schulkind Allergiker. Allerdings konnte in einzelnen Regionen auch ein Rückgang der allergischen Erkrankungen festgestellt werden.

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Kinderreport untersucht das Ausmaß der Allergien
Insgesamt war 2015 im Nordosten Deutschlands „fast jedes vierte Kind im Alter von 6 bis 16 Jahren von Allergien betroffen.“, so die Mitteilung der AOK unter Berufung auf die ersten Ergebnisse des Kinderreports für die Region Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, der aktuell durch das Gesundheitswissenschaftliche Institut Nordost (GeWINO) erstellt wird. Demnach haben 24 Prozent der Kinder in Mecklenburg-Vorpommern, 23 Prozent der Kinder in Brandenburg und 22 Prozent der Kinder in Berlin eine Allergie.

Steigende Erkrankungsraten außerhalb der Ballungsräume
Überraschenderweise ist die Verbreitung der Allergien vor allem außerhalb der Ballungsräume gestiegen, berichtet die AOK. So stieg seit 2006 der Anteil von Schulkindern mit Allergien in Mecklenburg-Vorpommern um 3,2 Prozent und in Brandenburg um 0,8 Prozent, während in Berlin der Anteil sogar um 1,4 Prozent zurückging. „Innerhalb der vergangenen zehn Jahre mussten wir eine Zunahme der Allergiehäufigkeit insbesondere außerhalb der Ballungsräume feststellen“, betont der GeWINO-Geschäftsführer Professor Dr.-Ing. Thomas P. Zahn in der Pressemitteilung der AOK. Besonders hoch war der Anteil der Allergiker in dem brandenburgischen Elbe-Elster-Kreis mit 27,5 Prozent, während der Anteil allergischer Schulkinder in Berlin-Reinickendorf beispielsweise bei lediglich 17,6 Prozent lag.

Neurodermitis und Heuschnupfen die häufigsten Formen
Die häufigste Form allergischer Erkrankungen bildet die Neurodermitis, gefolgt von der allergischen Rhinitis, dem sogenannten Heuschnupfen, berichtet die AOK. So seien 11,3 Prozent der Schulkinder in Mecklenburg-Vorpommern, 11,1 Prozent der Schulkinder in Brandenburg und 9,2 Prozent der Kinder in Berlin von einer Neurodermitis betroffen. An Heuschnupfen leiden laut Angaben der AOK 9,2 Prozent der Schulkinder in Mecklenburg-Vorpommern, 8,8 Prozent in Brandenburg und 8,0 Prozent in Berlin. Für die Betroffenen stelle die „Allergie eine ernst zu nehmende Erkrankung (dar), die die Lebensqualität erheblich einschränken kann“, betont Frank Michalak, Vorstand der AOK Nordost.

Verharmlosung des Beschwerdebildes
Bis heute wird beispielsweise die allergische Rhinitis, welche der Volksmund eher verharmlosend als „Heuschnupfen“ bezeichne, in ihrer Gefährlichkeit immer noch unterschätzt, warnt Prof. Dr. med. Susanne Lauvon von der Charité–Universitätsmedizin Berlin, die an der Erarbeitung der Studie beteiligt war. Wird der Heuschnupfen nicht früh genug behandelt, kann schnell ein ausgewachsenes Asthma entstehen, so die Medizinerin weiter. Durch eine frühzeitige Hyposensibilisierung bei Heuschnupfen-Patienten könne indes die Asthmaentstehung um 40 Prozent verringert werden.

Fehlendes Bewusstsein für die allergischen Erkrankungen
Darüber hinaus beklagen die Experten, dass in Deutschland teilweise immer noch ein ausreichendes Bewusstsein und die nötige Rücksichtnahme auf Allergiker fehlen. Anders sei dies beispielsweise in Schweden, wo bereits spezielle Regelungen erlassen wurden, die Luftfilter vorschreiben und Duftstoffe in Schulen und Krankenhäusern untersagen. Bei der Verringerung des Erkrankungsrisikos sind laut Angaben der AOK außerdem folgen Punkte zu beachten: Verringerung der Tabakrauchexposition, Vermeidung unnötiger Kaiserschnitt-Geburten, Förderung der Hautbarriere bei Säuglingen durch regelmäßiges Eincremen. „Zudem sollten Säuglinge möglichst gestillt werden bis mindestens zum 4. bis 6. Lebensmonat und Eltern keine unnötigen diätetischen Einschränkungen im Säuglingsalter vornehmen“, berichtet die AOK weiter.

Den Angaben der AOK zufolge wurden für den ersten Kinderreport durch das GeWINO die ambulanten Diagnosen von mehr als 125.000 Schulkindern im Alter von 6 bis 16 Jahren mit Wohnsitz in Berlin, Brandenburg oder Mecklenburg-Vorpommern in 2006 und 2015 ausgewertet. (fp)