Jungbrunnen: Alterung schon bald umkehrbar? Zellen lassen sich regelrecht verjüngen

Alterungsvorgänge umgekehrt: Zellen können verjüngt werden
Das ewige Leben ist einer der ältesten Menschheitsträume. Die Hoffnung auf die Unsterblichkeit wird aber wohl niemals erfüllt werden. Dennoch beschäftigen sich Forscher weltweit mit der Frage, wie das Leben verlängert werden kann. Forscher in den USA haben nun in einem Experiment mit Mäusen herausgefunden, wie sich Zellen wieder verjüngen lassen. In bestimmten Bereichen sind Alterungsvorgänge also umkehrbar.

Die Lebenserwartung der Menschen steigt
Die Lebenserwartung der Deutschen hat in den vergangenen Jahren ein Rekordniveau erreicht. Auch in anderen Ländern leben die Menschen heute deutlich länger. In den vergangenen Jahren haben manche Forscher sogar behauptet, die Lebenserwartung könne verzehnfacht werden. Andere kamen zu dem Schluss, dass die maximale Lebenserwartung auf 115 Jahre limitiert sei. Auch wenn es das ewige Leben wohl für kein Lebewesen geben wird, ist zumindest der Alterungsprozess umkehrbar. Das haben Wissenschaftler bei einem Test mit Mäusen festgestellt.

Auch wenn die Menschen weltweit im Durchschnitt immer älter werden, ist uns allen kein ewiges Leben beschert. Forscher haben nun in Experimenten mit Mäusen aber herausgefunden, wie sich der Alterungsprozess umkehren lässt. (Bild: Robert Kneschke/fotolia.com)

Umkehr des Alterungsprozesses
Schon vor Jahren haben sich Studien damit beschäftigt, wie Zellen wieder jünger werden können. Nun ist es Forschern in den USA gelungen, die biologische Uhr von Zellen zurückzudrehen. Sie statteten Mäusen mit Extra-Genen aus, die zur Umkehr des Alterungsprozesses führten. Die Experten berichten im Fachblatt „Cell“ über die neue Erkenntnisse.

Zellen durch vier Gene wieder verjüngt
Schon vor rund zehn Jahren gelang es dem japanischen Forscher Shinya Yamanaka das Gesetz des Alterns zumindest bei Zellen mit einem Trick zu überwinden. Wie der österreichische „Standard“ berichtet, konnte der Japaner zeigen, dass sich erwachsene, ausdifferenzierte Zellen durch Umprogrammierung mittels vier Genen wieder verjüngen lassen – zu sogenannten „induzierten pluripotenten Stammzellen“. Dafür erhielt Yamanaka 2012 den Medizinnobelpreis.

Die iPS-Zellen finden in der biomedizinischen Forschung seither breite Verwendung, auch weil sie – im Gegensatz zu humanen embryonalen Stammzellen – als ethisch unproblematisch gelten.

Frühere Versuche waren gescheitert
Bisherige Versuche, die Yamanaka-Faktoren in allen Zellen eines Organismus zu aktivieren, waren indes spektakulär gescheitert. So berichteten zwei Forscherteams 2013 und 2014, dass alle Versuchstiere, denen die Yamanaka-Gene eingeschleust wurden, entweder an Krebs oder Organschäden starben, da die Zellen im Gewebe ihre Identität aufgegeben hatten.

Wissenschaftler vom Salk Institute in Kalifornien haben nun einen ersten Beweis dafür angetreten,dass man die Reprogrammierung nicht nur zur Verjüngung von Zellen, sondern tatsächlich auch von ganzen Organismen verwenden kann, wenn man sie sorgfältig dosiert und moduliert, schreibt der „Standard“.

Das Team um Juan Carlos Izpisua Belmonte stellte gentechnisch veränderte Mäuse her, die vier zusätzliche Kopien der Yamanaka-Gene aufwiesen. Den Angaben zufolge wurden diese jedoch nur dann aktiviert, wenn die Tiere Wasser mit einem speziellen Wirkstoff tranken.

Verlangsamung des Alterungsprozesses
Wie es heißt, ließ sich dadurch tatsächlich eine Verlangsamung des Alterungsprozesses um 30 Prozent bewirken, speziell an den Organen und an der Regeneration des Muskelgewebes.

„Unsere Studie zeigt, dass Alterung nicht nur in eine Richtung gehen muss“, sagte Professor Izpisua Belmonte in einer Mitteilung des Instituts. „Altern könnte umgekehrt werden.“

„Natürlich sind Mäuse keine Menschen und wir wissen, dass es viel komplexer sein wird, eine Person zu verjüngen“, so der Experte. „Aber diese Studie zeigt, dass die Alterung ein sehr dynamischer und plastischer Prozess ist und daher für therapeutische Interventionen besser geeignet ist als wir bislang dachten.“

Verjüngung beim Menschen
Auch Wissenschaftler, die nicht an der Untersuchung beteiligt waren, zeigten sich laut einem Bericht der „New York Times“ sehr beeindruckt von der Arbeit. Demnach könnten sie neuen Erkenntnisse für die biologische Alternsforschung von großer Bedeutung sein.

Die Forscher des Salk Institute nehmen zwar an, dass der vielverprechende Ansatz zur Verjüngung beim Menschen beitragen könnte. Bis jedoch klinische Studien durchgeführt werden könnten, würden mindestens noch zehn Jahre vergehen.

Bis dahin muss man sich wohl an die bislang bekannten Möglichkeiten halten, um länger zu leben. Wichtig ist hier vor allem ein gesunder Lebensstil, denn dadurch kann man im Durchschnitt 17 Jahre länger leben, wie Forscher des Deutschen Krebsforschungsinstituts (DKFZ) errechneten. Eine große Rolle spielt laut den Experten auch Geduld; die Zellen von Ungeduldigen altern viel schneller. (ad)

Outbrain
Impressum