Junge homosexuelle und bisexuelle Männer begehen bis zu sechs mal häufiger Selbstmord

Wissenschaftler stellten jetzt fest, dass junge homosexuelle und bisexuelle Männer ein erhöhtes Risiko für Selbstverstümmelung und Selbstmord aufweisen. Außerdem leiden solche Menschen oft an Depresionen und Ängsten. (Bild: Vacilando/fotolia.com)
Alexander Stindt
Psychische Gesundheit von homosexuellen und bisexuellen Männer ist oft angegriffen
Forscher stellten fest, dass junge homosexuelle und bisexuelle Männer ein signifikant erhöhtes Risiko für eine schlechte psychische Gesundheit im späteren Alter aufweisen. Dadurch ist bei Betroffenen die Rate der versuchten Selbstmorde um bis zu sechs Mal höher. Auch Depressionen und Ängste kommen bei diesen Menschen viel öfter vor.

Wissenschaftler von der London School of Hygiene & Tropical Medicine fanden bei einer Studie heraus, dass homosexuelle und bisexuelle Männer im jüngeren Alter oft zu Selbstverletzungen und Selbstmord neigen. Außerdem wurden sie doppelt so häufig depressiv wie heterosexuelle Männer und litten sehr oft unter Ängsten. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Untersuchung in der Fachzeitschrift „Journal of Public Health“.

Wissenschaftler stellten jetzt fest, dass junge homosexuelle und bisexuelle Männer ein erhöhtes Risiko für Selbstverstümmelung und Selbstmord aufweisen. Außerdem leiden solche Menschen oft an Depresionen und Ängsten. (Bild: Vacilando/fotolia.com)
Wissenschaftler stellten jetzt fest, dass junge homosexuelle und bisexuelle Männer ein erhöhtes Risiko für Selbstverstümmelung und Selbstmord aufweisen. Außerdem leiden solche Menschen oft an Depresionen und Ängsten. (Bild: Vacilando/fotolia.com)

Alter, ethnische Herkunft, Einkommen und Bildung beeinflussen psychische Gesundheit
Die Forscher sagten zu den Ergebnissen, dass die Behandlung der psychischen Gesundheit für solche Risikogruppen verstärkt werden müsse, da hier die Hilfe dringend benötigt wird. Homosexuelle oder bisexuelle Männer im Alter von 26 Jahren versuchen etwa sechs Mal häufiger Selbstmord zu begehen, im Vergleich mit Männer aus dieser Gruppe, die bereits ein Alter von 45 Jahren erreicht hatten, erklären die Autoren. Die neue Studie ist die erste, die Unterschiede in der psychischen Gesundheit innerhalb homosexuellen und bisexuellen Männern in Großbritannien untersucht. Die Untersuchung analysierte die Daten von 5.799 betroffenen Männern. Diese waren alle mindestens 16 Jahre alt oder älter und lebten in Großbritannien, sagen die Forscher. Bei der Studie untersuchten die Mediziner die Probanden auf Faktoren wie beispielsweise Depressionen, Ängste, Selbstmordversuche und Selbstverletzungen. Dabei wurde festgestellt, dass unser Alter, die ethnische Herkunft, das Einkommen und die Bildung einen großen Einfluss auf die psychische Gesundheit haben, erläutern die Experten.

Ältere Menschen können besser mit Homophobie umgehen
Schwarze junge homosexuelle und bisexuelle Männer hatten eine doppelt so hohe Wahrscheinlichkeit Depressionen zu entwickeln und begingen fünf mal häufiger Selbstmord, verglichen mit der weißen Mehrheit, sagen die Wissenschaftler. Auch Männer in den unteren Lohngruppen waren eher deprimiert und ängstlich. Diese Gruppe neigte ebenfalls öfter zu Selbstmord und Selbstverstümmelungen. Die Ergebnisse machen klar, dass ältere Menschen besser in der Lage sind, die sogenannte Homophobie besser zu bewältigen, erklären die Experten. Außerdem werden jüngere Menschen öfter mit den Auswirkungen von Homophobie konfrontiert. Natürlich können auch homosexuelle und bisexuelle Männer Diskriminierung oder Ausgrenzung erleben, die nicht mit ihrer Sexualität zusammenhängt, fügen die Mediziner hinzu.

Zusammenleben mit Partner stärkt unsere psychische Gesundheit
Psychische Erkrankungen sind eine der größten Herausforderungen im Gesundheitsbereich. Sie können alle Menschen auf der Welt betreffen und uns alle Bereiche unsere Lebens beeinflussen, warnen die Autoren. Gruppen von Minderheiten haben generell eine höhere Wahrscheinlichkeit, unter einer schlechten psychischen Gesundheit zu leiden als die heterosexuelle Mehrheit, erläutert der Hauptautor Dr. Ford Hickson. Grundsätzlich können wir feststellen, dass unser Zusammenleben sehr wichtig für unsere psychische Gesundheit ist. Wenn Männer beispielsweise mit einem männlichen Partner zusammenleben, sinkt ihre Wahrscheinlichkeit zur Entwicklung von Depressionen um bis zu 50 Prozent, verglichen mit homosexuellen und bisexuellen Männern, die alleine lebten, erläutert Dr. Hickson. Außerdem sei es von Vorteil, in Städten zu leben, in denen es viele homosexuelle Männer gibt. Dort sei die Isolierung und Diskriminierung häufig nicht so hoch. Die Ergebnisse der Untersuchung waren allerdings stark begrenzt, weil die Umfrageteilnehmer nicht wirklich eine Stichprobe der gesamten Bevölkerung repräsentierten. Daher ist es unwahrscheinlich, dass die Studie repräsentativ für alle homosexuellen und bisexuellen Männern in Großbritannien ist. (as)

Advertising