Junge Mutter verliert durch fleischfressende Keime beide Arme und Beine

Alfred Domke

Gerade Mutter geworden: Bakterien kosten junger Frau beide Arme und Beine

Einer Frau aus Kanada mussten nach einer Infektion mit „fleischfressenden Bakterien“ beide Arme und Beine amputiert werden. Medienberichten zufolge waren die Erreger offenbar bei der Geburt ihres Sohnes durch eine kleine Wunde in den Körper eingedrungen. Das traurige Schicksal hätte wohl vermieden werden können: Die Ärzte im Krankenhaus hatten zunächst ein falsche Diagnose gestellt.

Mit falscher Diagnose nach Hause geschickt

Am 2. März brachte die 33-jährige Lindsey H. aus dem kanadischen Halifax einen gesunden Sohn zur Welt. Doch schon wenige Tage nach der Geburt verlor die junge Mutter beide Unterarme und Unterschenkel. Medienberichten zufolge hatte sich die Frau bei der Geburt offenbar mit „fleischfressenden Bakterien“ infiziert. Dies wurde von den Ärzten allerdings zunächst nicht erkannt, Lindsey H. war wegen einer falschen Diagnose vorerst nach Haus geschickt worden.

In Kanada mussten einer Frau kurz nach der Geburt ihres Sohnes beide Unterarme und Unterschenkel amputiert werden. Sie hat sich im Krankenhaus offenbar eine schwerwiegende bakterielle Infektion zugezogen. (Bild: AntonioDiaz/fotolia.com)

Starke Schmerzen durch nekrotisierende Fasziitis verursacht

Zwei Tage nach der Geburt ihres Kindes war Lindsey H. aus dem Krankenhaus entlassen worden. Doch schon einen Tag später begab sie sich wegen starker Unterleibsschmerzen erneut in die Klinik.

Dort diagnostizierten die Mediziner eine Verstopfung bei der jungen Mutter und schickten sie wieder heim, berichtet der kanadische Nachrichtensender „CTV News“.

Doch offenbar unterlief den Ärzten ein fataler Fehler. Denn einen Tag später musste Lindsey H. erneut wegen starker Schmerzen in die Klinik, auch ihr Körper hatte sich in der Zwischenzeit verfärbt.

Dieses mal erkannten die Ärzte, wodurch die Beschwerden der Patientin verursacht wurden. Wie die „Washington Post“ beichtet, stellten die Mediziner fest, dass die 33-Jährige unter einer nekrotisierenden Fasziitis litt.

Schwerwiegende bakterielle Infektion

Laut dem britischen National Heatlh Service (NHS) ist die nekrotisierende Fasziitis eine seltene, aber schwerwiegende bakterielle Infektion, die das Gewebe unter der Haut und die umgebenden Muskeln und Organe (Faszien) beeinflusst.

„Sie wird manchmal als „fleischfressende Krankheit“ bezeichnet, obwohl die Bakterien, die sie verursachen, Fleisch nicht „essen“ – sie setzen Giftstoffe frei, die das in der Nähe befindliche Gewebe beschädigen“, schreiben die Experten.

„Nekrotisierende Fasziitis kann von einer relativ kleinen Verletzung, wie einem kleinen Schnitt, ausgehen, verschlechtert sich jedoch sehr schnell und kann lebensbedrohlich sein, wenn sie nicht früh erkannt und behandelt wird“, so der NHS weiter.

Leider kommt es immer wieder zu solchen Infektionen, wie auch ein Fall aus Großbritannien zeigte. Erst vor wenigen Monaten hatte sich dort ein kleines Kind durch eine winzige Platzwunde mit „fleischfressenden Bakterien“ infiziert.

Unterarme und Unterschenkel amputiert

Bei Lindsey H. waren die Bakterien laut Medienberichten offenbar bei der Geburt durch eine kleine Wunde in der Vagina in den Körper gelangt.

Um die Infektion zu bekämpfen, waren drastische Maßnahmen erforderlich. Die Ärzte mussten sowohl beide Unterarme und Unterschenkel der Patientin amputieren als auch ihre Gebärmutter entfernen.

Die folgenden sieben Monate verbrachte die Frau im Krankenhaus, ohne sich um die Erziehung ihres kleinen Kindes kümmern zu können. Nun sitzt sie im Rollstuhl. Eine Nierentransplantation steht ihr noch bevor.

Mittlerweile hat Lindsey H. die Klinik verklagt. „Unser Vorwurf ist, dass ein Großteil, wenn nicht gar der komplette Schaden hätte abgewendet werden können“, sagte ihr Anwalt Ray Wagner laut einem Bericht des Portals „metronews“.

Er hat beim Obersten Gerichtshof von Nova Scotia (die Provinz, deren Hauptstadt Halifax ist) eine Schadensersatzforderung gegen fünf Ärzte eingereicht.

„Sie hatte großes Glück, überlebt zu haben“, so Wagner. (ad)