Junge Patientin benötigt gegen drei seltene Erkrankungen 100 Pillen täglich

Alfred Domke

Drei gefährliche Krankheiten gleichzeitig: Frau schluckt 100 Tabletten pro Tag

Eine junge Frau aus Großbritannien muss jedes Mal wenn sie das Haus verlässt, eine Gesichtsmaske tragen, weil sie durch Keime in der Luft getötet werden könnte. Zudem nimmt die ehemalige Lehrerin jeden Tag 100 Tabletten ein, um gegen drei seltene Krankheiten zu kämpfen.

Frau leidet an drei seltenen Erkrankungen

Eine ehemalige Lehrerin aus Großbritannien ist gezwungen, jedes Mal, wenn sie das Haus verlässt, eine Gesichtsmaske zu tragen – weil die Keime in der Luft sie töten könnten. Wie die „Daily Mail“ berichtet, schluckt die 27-jährige Hannah E. aus Südwales zudem jeden Tag 100 Tabletten, um gegen drei seltene Krankheiten zu kämpfen, die sie praktisch ohne ein Immunsystem leben lassen.

Eine junge Frau aus Wales, die an drei seltenen Krankheiten leidet, muss täglich 100 Tabletten schlucken und beim Verlassen des Hauses stets eine Gesichtsmaske tragen – sonst könnte sie sterben. (Bild: pix4U/fotolia.com)

Immunsystem bietet kaum mehr Schutz

Eine der Erkrankungen ist die sogenannte Mastozytose, die zu den „mast cell activation diseases“ (MCAD) gehört.

Es handelt sich dabei um eine Krankheit des Immunsystems, bei der die Zellen mutieren, die sie vor Umwelteinflüssen und Bedrohungen von außen schützen sollten, und ihren Körper angreifen.

„Mastozytose ist eine seltene Krankheit, die in einer abnormen Vermehrung von Mastzellen besteht“, erläutert der Selbsthilfeverein „Mastozytose e.V.“ auf seiner Internetseite.

„Die Erkrankung betrifft Kinder wie Erwachsene und kommt in unterschiedlichen Formen vor“, so die Experten.

„Mastzellen sind körpereigene Zellen, die aus Stammzellen im Knochenmark entstehen. Sie befinden sich bei jedem Menschen in der Haut, in den Schleimhäuten und in anderen Geweben, und spielen dort eine wichtige Rolle in der Abwehr von Erkrankungen“, erklärt das Kompetenznetzwerk Mastozytose e.V. auf seiner Webseite.

Lebensqualität wird stark beeinträchtigt

Laut den Experten werden so beispielsweise durch Freisetzung von chemischen „Alarmsignalen“, wie Histamin aus Mastzellen andere wichtige Spieler des Immunsystems aktiviert.

Durch Histamin und andere Botenstoffe können allerdings auch „allergische Reaktionen“ wie Juckreiz, Rötung und Schwellung der Haut, Kopfschmerzen, Schwindel, Durchfall und Kreislaufreaktionen hervorgerufen werden.

Weitere mögliche Symptome der Krankheit sind Hitzewallungen, Bauchschmerzen, Übelkeit, Nasenbluten, erhöhte Neigung zu blauen Flecken, Knochen-, Muskel- und Gelenkschmerzen, vermehrte Reizbarkeit, Konzentrationsprobleme und schockähnliche Symptome bis zur Anaphylaxie.

Dem Netzwerk zufolge heilt die Erkrankung nicht mehr aus. „Es gibt Patienten, die durch ihre Beschwerden stark in ihrem Lebensablauf und in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt werden“, so die Experten.

Das Niesen des Gegenübers könnte die Patientin töten

Auch die Lebensqualität der jungen Britin ist durch die Krankheit stark beeinträchtigt. Laut „Daily Mail“ macht die Mastzellenerkrankung die ehemalige Lehrerin so verletzlich, dass selbst ein Niesen von anderen Menschen sie töten könnte.

Neben Mastozytose leidet Hannah E. aber auch noch am Ehlers-Danlos-Syndrom (EDS) sowie am Posturalen Tachykardie Syndrom (POTS).

Bei ersterem „handelt es sich um eine angeborene, seltene, erbliche und vererbbare Bindegewebserkrankung, bei der eine Störung der Kollagenbiosynthese (Stoffwechselstörung) vorliegt“, erklärt der Bundesverband der Ehlers-Danlos-Selbsthilfe e.V. auf seiner Webseite.

Die Erkrankung kann unter anderem zu einer Überbeweglichkeit der Gelenke führen.

Und bei POTS stellen sich bei Betroffenen beim Wechsel in die aufrechte Körperlage ein erhöhter Puls sowie Benommenheit und Schwindel ein.

Nie ohne Gesichtsmaske aus dem Haus

Ihre drei Krankheiten haben die junge Frau aus Wales selbst schon in lebensbedrohliche Situationen gebracht.

So hatte die Patientin in der Vergangenheit Nasenbluten, dass sich zu einer Lungenentzündung verwandelte, die schließlich in eine Sepsis (Blutvergiftung) mündete. „Ich war viereinhalb Monate auf der Intensivstation“, sagte die frischvermählte Frau gegenüber der „Daily Mail“.

Hannah E. trägt jetzt immer eine Gesichtsmaske, wenn sie das Haus verlässt. Dem Zeitungsbericht zufolge erntet sie dafür oft böse Kommentare von Fremden, da diese befürchten, dass sie eine ansteckende Krankheit habe.

„Jahrelang war es mir peinlich, eine Maske zu tragen“, so die 27-Jährige.

„Ich bekam immer nur negative Kommentare von Leuten, die meinten, ich sollte nicht draußen sein, wenn ich Keime verbreiten könne, die sich andere einfangen können.“

„Aber die Maske ist für meine Sicherheit.“

16 verschiedene Schmerzmittel

Um mit einer Vielzahl von Symptomen fertig zu werden, bekommt sie täglich bis zu 16 intravenöse Injektionen und 16 verschiedene Schmerzmittel.

Mit ihrer Geschichte will sie nun auf die seltenen Erkrankungen aufmerksam machen und die Menschen auffordern, besser auf ihre Hygiene zu achten.

„Jemand, der neben mir hustet, könnte ein Virus verbreiten, das ihm nur einen einfachen Husten bereitet“, so die junge Frau. Doch „diese Virus kann dafür sorgen, dass ich eine intensive Behandlung brauche“.

Sie hofft nun, diesen Winter zu überstehen, ohne in die Klinik zu müssen: „ Seit ich ein kleines Mädchen bin, musste ich jedes Jahr ins Krankenhaus. Hoffentlich wird dieses Jahr anders sein.“ (ad)