Kaiserschnitt Geburtenrate erreicht Rekordmarke

Sebastian

Kaiserschnitt Geburtenrate erreicht in Deutschland Rekordmarke

23.03.2011

Die Kaiserschnitt Geburtenrate hat eine neue Rekordmarke erreicht: Noch nie haben so viele Frauen Kinder per Schnittentbindung zur Welt gebracht. Laut dem Statistischen Bundesamt kam beinahe jedes dritte Kind in Deutschland durch einen medizinischen Eingriff zur Welt.

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Jedes dritte Kind kommt per „Kaiserlichen Schnitt“ zur Welt
Die Kaiserschnitt Geburtenrate hat in Deutschland einen neuen Höchstwert erreicht. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden haben im Jahre 2009 genau 201.480 schwangere Frauen Kinder per Kaiserschnitt zur Welt gebracht. Insgesamt wurden inklusive Mehrlingsgeburten 644.274 Klinikgeburten im vorletzten Jahr vollzogen. Damit stieg der Anteil der operativ erfolgten Geburten auf 31,3 Prozent. Auffällig: Seit Jahren hält der Trend an. Im Vorjahreszeit gebaren 30,2 Prozent der Schwangeren per Kaiserschnitt. Erstmals wurde im Jahr 2008 die 30 Prozent-Marke überschritten. Zum Vergleich: Im Jahre 2005 lag die Deutschlandweite Rate noch bei 28 Prozent. In den Jahren davor war die Rate noch niedriger. Seit 1991 ist damit ein satter Anstieg von über 15 Prozent zu verzeichnen.

Im Jahre 2009 wurden insgesamt 656.265 Kinder in Geburtshäusern und Kliniken geboren. Der Unterschied zu der genannten Geburtenrate ergibt sich durch Mehrlingsgeburten. Rund 2000 Kinder wurden tot geboren. Die Geburtenrate in Deutschland ist insgesamt betrachtet seit Jahren rückläufig. So wurden insgesamt 667.464 Kinder in der Bundesrepublik geboren. Fast 12.000 Kinder wurden in den eigenen vier Wänden zur Welt gebracht. Bei den Hausgeburten waren 328 Totgeburten zu verzeichnen.

Im Saarland wurden die meisten Kaiserschnitte durchgeführt
Am häufigsten wurde im Saarland ein Kaiserschnitt durch Ärzte durchgeführt. Etwa 38,5 Prozent der Klinikgeburten wurden per Schnittentbindung durchgeführt. Auf Platz rangiert Hessen mit knapp 34 Prozent, gefolgt von Bayern mit 33,1 Prozent. Am wenigsten Kaiserschnitte wurden in dem Bundesland Sachsen mit 22,6 Prozent und in Thüringen mit 26,1 Prozent unternommen. Insgesamt waren die Kaiserschnitte in den neuen Bundesländern und in den Stadtstaaten Berlin, Bremen und Hamburg unterdurchschnittlich. In Brandenburg (minus 1 Prozent), in Hamburg (minus 0,1) sowie in Bremen konnte ein leichter Rückgang gemessen werden. In Niedersachsen hingegen wurde der deutlichste Anstieg im Vergleich zu Vorjahr mit 2,4 Prozent gemessen werden. Mit Hilfe der "Saugglocke" (Vakuumextraktion) wurden im Jahre 2009 insgesamt 33.418 Kinder zur Welt gebracht, das sind etwa 5,2 Prozent aller Entbindungen im Krankenhaus. Mit Hilfe der Zangengeburt waren es 4.247 (0,7 Prozent).

Gründe für die hohe Kaiserschnittrate
Bei einem Kaiserschnitt (medizinisch Schnittentbindung oder Sectio caesarea) werden Säuglinge auf operativem Weg aus der Gebärmutter geholt. Hierzu wird zumeist ein Unterbauch-Querschnitt (Pfannenstielschnitt) vorgenommen. Medizinisch wird in einen primären und einen sekundären Kaiserschnitt unterteilt. Der primäre Kaiserschnitt wird noch vor Blasensprung und Wehen eingesetzt. Hier kann es sich als Indikation um absehbare Komplikationen, wie beispielsweise lebensbedrohliche Situationen für Mutter und / oder Kind handeln. Der sekundäre Kaiserschnitt wird nach dem Blasensprung oder dem Einsetzen der Wehen unter der Geburt durchgeführt, wenn absehbar ist, dass die Geburt über den Gebärmutterausgang nicht mehr durchführbar ist. Früher wurde dieser Eingriff nur dann vollzogen, wenn ein medizinischer Indikator vorlag. Heutzutage werden immer öfter Kaiserschnitte auf Wunsch der Mutter durchgeführt.

Bei einem erhöhten Risiko für Geburtsschäden und bei Problemschwangerschaften veranlassen Ärzte immer öfter einen Kaiserschnitt durchzuführen. Der Grund hierfür liegt sehr wahrscheinlich beim Haftungsrecht. Wurde ein großer Kopfumfang gemessen, befindet sich das Ungeborene in einer Querlage oder Beckenendlage, so tendieren Mediziner im Zweifelsfall für den operativen Eingriff. Ein weiterer Grund für die zunehmende Kaiserschnittquote dürfte das immer höhere durchschnittliche Geburtsgewicht in den westlichen Industriestaaten sein. Der Anstieg lässt sich aus den veränderten Essgewohnheiten der Menschen erklären. Die Menschen nehmen immer mehr an Körpergewicht zu, was sich auch auf das Geburtsgewicht auswirkt. Zudem erbringen medizinische Eingriffe ein höheres Honorar für Kliniken und Ärzte. Psychologen, Heilpraktiker und kritische Ärzte mahnen immer wieder in diesem Zusammenhang, dass Kinder nach Kaiserschnitten oftmals an Unruhe oder Symmetriestörungen leiden. Das körperliche Handicap der Mutter in den ersten Tagen nach der Geburt und die nicht erlebte natürliche Geburt können unter Umständen zu einem verzögerten Aufbau der Mutter-Kind-Beziehung führen. Daher raten beispielsweise Heilpraktiker in Regel von Wunsch-Schnittgeburten ab, wenn keine medizinische Notwendigkeit vorliegt. (sb)