Kalte Füße: Winterleiden oder Krankheitszeichen?

Heilpraxisnet

Wärmehaushalt spielt große Rolle in der Chinesischen Medizin

08.12.2011

Alle Jahre das gleiche Bild: kaum hält draußen der Winter Einzug, kommen drinnen wieder dicke Socken, kuschelige Decken und Wärmflaschen zum Einsatz. Jedes Mittel ist recht, um kalte Zehen und Füße zu erwärmen. Gerade Frauen leiden häufig unter frostigen Sohlen – oft sogar bei normalen Temperaturen. Die Schulmedizin führt dies meist auf Durchblutungsstörungen oder niedrigen Blutdruck zurück und beschränkt ihre Behandlung auf entsprechende Medikamente. Aus Sicht der chinesischen Medizin deutet chronisches Frieren an den Füßen jedoch auf ein Ungleichgewicht im Wärmehaushalt hin. Sie führt diese Befindlichkeitsstörung auf unterschiedlichste Ursachen zurück und leitet daraus individuelle Therapien ab.

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„Die chinesische Diagnostik unterscheidet eine Vielzahl von Wärme- und Kältezuständen und misst dem Temperaturempfinden grundsätzlich große Bedeutung bei“, erklärt Dr. Christian Schmincke, TCM-Experte und Leiter der Klinik am Steigerwald. Zahlreiche Funktionen unseres Organismus dienen demnach dazu, äußere und innere, kühlende und wärmende Einflüsse auszugleichen, damit die Körpertemperatur konstant bleibt. Dauerhafte Störungen dieses hochkomplexen Regelsystems können daher Ausdruck einer Erkrankung sein und sollten deshalb ernst genommen werden. So verbirgt sich hinter einer Kältestörung manchmal eine Ansammlung von Schlackenstoffen in den unteren Körperpartien, eine versteckte Erkältung oder eine gestörte Spannungsregulation bei nervösen und stressgeplagten Menschen. In manchen Fällen stellen Kälteprobleme aber auch einen wesentlichen Ausgangspunkt in der chinesischen Diagnose und Therapie bei Migräne, Rheuma oder Darmentzündungen dar.

Um die Körpertemperatur zu regulieren und Kältekrankheiten zu behandeln, greift die chinesische Medizin auf die Kraft pflanzlicher Bestandteile wie Wurzeln, Rinden oder Knollen zurück, welche Patienten – aufgekocht als sogenannte Dekokte – in kleinen Schlucken über den Tag verteilt zu sich nehmen. Jedem der fast 3.000 Roharzneien schreiben die Chinesen bestimmte wärmende oder kühlende Wirkungen zu. Daher stellen erfahrene TCM-Experten auf Basis einer umfassenden Diagnose, die auch Pulstastung und Zungenanalyse einbezieht, für jeden Betroffenen eine individuelle Rezeptur zusammen und stimmen diese kontinuierlich auf den Gesundungsprozess ab. Ergänzend wenden sie im Rahmen von Akupunktur und Tuina-Massagen Moxibustion als Wärme zuführende Maßnahme an, bei der sie bestimmte Körperpunkte mithilfe von Akupunkturnadeln und einer Beifuß-Zigarre stimulieren.

Tritt das Phänomen „Eisfüße“ jedoch tatsächlich nur temporär und in der kalten Jahreszeit auf, empfehlen TCM-Experten, wärmende Speisen und Getränke zu sich zu nehmen. Lebensmittel wie Hafer, Fenchel, Kürbis, Lauch oder bestimmte Gewürze wie Zimt, Ingwer, Kardamon oder Nelken regen die Verdauungsorgane und damit die Produktion von Eigenwärme an. Auch lokale Wärme in Form von Wärmflasche oder Körnerkissen eignet sich zur Stimulation der natürlichen Temperaturregulation. „Grundsätzlich wirkt selbst produzierte Wärme jedoch nachhaltiger. Daher besser Wechselbäder als die heiße Wanne und eher wollene Kleidung als direkte Wärmezufuhr“, rät Dr. Schmincke. (pm)