Ebola: Kanada offeriert WHO unerprobten Impfstoff

Heilpraxisnet

Experimenteller Impfstoff soll zur Bekämpfung der Ebola-Epidemie eingesetzt werden

13.08.2014

Angesichts der dramatischen Ausmaße der Ebola-Epidemie in Westafrika hat sich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) unter anderem für den Einsatz eines experimentellen Ebola-Impfstoffs aus Kanada entschieden, so die aktuelle Mitteilung der Nachrichtenagentur „Reuters“. Das Mittel wurde bislang lediglich an Affen erfolgreich getestet, klinische Studien am Menschen stehen noch aus. Dennoch soll der Wirkstoff nun zur präventiven Behandlung im Zuge der Ebola-Epidemie eingesetzt werden.

Kanada stellt der Weltgesundheitsorganisation 800 bis 1.000 Dosen des experimentellen Impfstoffs zur Verfügung, berichtet die Nachrichtenagentur „Reuters“ unter Berufung auf die kanadische Gesundheitsministerin Rona Amborse. Eine größere Menge des Impfstoffs sei erst in vier bis sechs Monaten verfügbar. Zunächst solle das medizinische Personal mit dem neuen Impfstoff versorgt werden. Angesichts der vermehrten Ebola-Infektionen von behandelnden Ärzten, Krankenpflegern und anderen medizinischen Hilfskräften, scheint hier ein effizienter Schutz am dringendsten erforderlich. Auch können Personen mit medizinischen Basiskenntnissen die Risiken des experimentellen Impfstoffs besser abschätzen, so dass der Einsatz bei ihnen ethisch weniger bedenklich ist. Dennoch bewegt sich die WHO mit der Anwendung unerprobter Arzneien auf einem schmalen Grad. Schwerkranke Patienten dienen quasi als Testobjekt für die neuen Wirkstoffe. Anderseits ist es schwer vertretbar, die Menschen einfach sterben zu lassen, obwohl eventuell eine Impfung oder medikamentöse Heilung möglich wäre.

Ebola-Epidemie außer Kontrolle
In der Abwägung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses hat sich die WHO aufgrund der Ausbreitung der Ebola-Epidemie für den Einsatz bestimmter experimenteller, nicht vollständig erprobter Arzneien entschieden. Denn das zunehmende Ausmaß der Epidemie bereitet den Experten erhebliche Sorgen. Bereits vor knapp zwei Monaten hatte die Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ darauf hingewiesen, dass die Ebola-Epidemie außer Kontrolle geraten sei. Seitdem ist die Zahl der Infizierten und Todesopfer drastisch gestiegen. Bis heute verzeichnete die WHO 1.013 Todesfälle und ein Ende der Epidemie ist nicht absehbar. Waren lange Zeit nur die westafrikanischen Staaten Guinea, Sierra Leone und Liberia betroffen, so hat die Epidemie mittlerweile auch Nigeria erreicht. Drei Todesfälle sind hier bislang zu aufgetreten, wobei alle im Zusammenhang mit einem infizierten Reisenden aus Liberia gebracht wurden. Eine weitere Ausbreitung innerhalb von Nigeria ist zu befürchten.

Neue Wirkstoffe im Kampf gegen Ebola
Für die WHO war das Ausmaß der Epidemie am vergangenen Wochenende Anlass den internationalen Gesundheitsnotstand auszurufen. Am Dienstag entschied sich die Weltgesundheitsorganisation schließlich dazu, auch den Einsatz wenig erprobter Wirkstoffe zuzulassen. Dabei bezieht sie sich vor allem auf den genannten Impfstoff aus Kanada und den Wirkstoff „Zmapp“, der als Antikörper-Serum die Ebolaviren im Körper angreift und maßgeblich mit der Rettung eines infizierten US-amerikanischen Arztes in Zusammenhang gebracht wurde. (fp)

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