Kann diese neue Medizin zukünftig Millionen Hörverluste verhindern?

Alexander Stindt

Wie wirkt sich die Hemmung von CDK2 auf das Gehör aus?

Forscher fanden jetzt heraus, dass die Hemmung eines bestimmten Enzyms vor Lärm- oder Medikamenten-induziertem Hörverlust schützt. Diese Erkenntnis hat das Potenzial das Gehör von Millionen Menschen weltweit zu retten.


Die Wissenschaftler des St. Jude Children’s Research Hospital stellten bei ihrer Untersuchung fest, dass die Hemmung eines Enzyms namens Cyclin-abhängige Kinase 2 (CDK2) vor einem durch Lärm oder Medikamente ausgelösten Hörverlust schützt. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der englischsprachigen Fachzeitschrift „Journal of Experimental Medicine“.

Hörverlust kann durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden. Zu diesen gehören beispielsweise eine hohe Lärmbelastung und die Einnahme von Medikamenten. (Bild: Picture-Factory/fotolia.com)

Etwa 360 Millionen Menschen leiden unter einem Hörverlust

Bei ihren Versuchen an Mäusen und Ratten konnten die Experten feststellen, dass CDK2-Inhibitoren den Tod von Innenohrzellen verhindern. Dies könnte in Zukunft Menschen helfen, einen Hörverlust zu vermeiden. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation leiden etwa 360 Millionen Menschen weltweit, darunter auch 32 Millionen Kinder, an einem Hörverlust, der durch angeborene Defekte oder andere Faktoren verursacht wurde. Zu diesen Faktoren gehören beispielsweise Infektionskrankheiten, die Einnahme bestimmter Arzneimittel oder die Exposition gegenüber übermäßigem Lärm. Derzeit gibt es jedoch keine von der FDA zugelassenen Medikamente zur Vorbeugung oder Behandlung von Hörverlust, sagen die Forscher.

Wissenschaftler untersuchten mehr als 4.000 Medikamente

Die Mediziner haben jetzt mehr als 4.000 Medikamente auf ihre Fähigkeit getestet, Cochlea-Zellen vor dem Chemotherapeutikum Cisplatin zu schützen. Cisplatin wird zur Behandlung bei Krebs eingesetzt, verursacht aber bei bis zu 70 Prozent der Patienten einen irreversiblen Hörverlust, erläutert Studienautor Dr. Jian Zuo vom St. Jude Children’s Research Hospital.

Kenpulllon ist besonders wirksam

Die Forscher identifizierten bei ihrer Studie mehrere Verbindungen, die Cochleazellen vor Cisplatin schützen. Einige dieser Verbindungen sind bereits für die Behandlung anderer Erkrankungen zugelassen. Drei der zehn wirksamsten Verbindungen waren Inhibitoren eines Enzyms namens CDK2. Einer dieser CDK2-Inhibitoren, Kenpulllon, war wirksamer als vier andere Verbindungen, die sich derzeit in klinischen Studien zur Behandlung von Hörverlust befinden.

Injektion schützte Labortiere vor Hörverlust

Die Injektion von Kenpaullon in das Mittelohr schützte sowohl Mäuse als auch Ratten vor Cisplatin-induziertem Hörverlust. Darüber hinaus schützte Kenpaullon das Gehör von Mäusen auch vor Lärm bis zu 100 dB. Angesichts der Tatsache, dass 100-dB-Lärm im Bereich der Lärmbelästigung liegen, welche viele Menschen in der heutigen Gesellschaft betrifft, könnte Kenpaullon in Zukunft eine signifikante klinische Anwendung bei der Behandlung von Lärm-induziertem Hörverlust haben, erklärt Dr. Zuo.

Ergebnisse könnten Behandlung von Schwerhörigkeit verbessern

Der robuste Schutz, welcher durch die einmalige lokale Verabreichung von Kenpaullon entsteht, legt nahe, dass CDK2-Inhibitoren die klinische Prävention und Behandlung von Cisplatin- und Lärm-induziertem Hörverlust bei Patienten verändern können, sagt Dr. Zuo. Veränderungen der Behandlungsschemata, zusätzliche Optimierung der Verabreichungsmethoden durch die Verwendung von Hydrogelen und strukturelle Modifikationen der Verbindungen über die medizinische Chemie könnten noch bessere Ergebnisse mit CDK2-Inhibitoren bei der Behandlung von Schwerhörigkeit beim Menschen gewährleisten, fügt der Experte hinzu. (as)