Kardiologe: Starke Herzschäden durch Partydrogen

Sebastian

Amphetamine als Partydrogen können schwere Herzschäden bei jungen Menschen auslösen

14.10.2012

Sogenannte Partydrogen können schon junge Menschen herzkrank machen. Durch die Einnahme der Amphetamine kann das Herz stark geschädigt werden. Weil die Herzschäden nicht mehr reversibel sind, benötigen einige Patienten schon mit Anfang 20 ein Spenderherz, um überleben zu können. Schon die einmalige Einnahme kann tödlich enden.

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Nach Ansicht des Kardiologen und Leiter der Klinik für innere Medizin am Krefelder Helios-Klinikum, Prof. Dr. med. Heinrich G. Klues, werden viele Jugendliche durch den Verzehr von sogenannten Partydrogen in ein paar Jahren schwer herzkrank werden. Derzeit behandelt der Mediziner drei junge Menschen, die eine neue Amphetamin-Variante eingenommen haben. Gegenüber dem Magazin „Focus“ berichtete der Facharzt für innere Medizin, dass zwei seiner jungen Patienten infolge ein Spenderherz benötigen und der dritte bereits an ein Kunstherz angeschlossen wurde.

36 junge Menschen mit schweren Herzkrankheiten in klinischer Behandlung
Momentan werden in ganz Deutschland etwa 36 Jugendliche und Heranwachsende mit schweren Herzerkrankungen – ausgelöst durch Amphetamine – stationär behandelt. Gegenüber dem Magazin berichtet Klues: „Alle bekannten Fälle in Deutschland eint, dass stets beide Herzkammern schwer geschädigt sind“. Seiner Ansicht nach führe der Wunsch nach „Dauerparty“ am Wochenende sowie der steigende Leistungsdruck in Schule oder Universität zu einem temporeichen Anstieg des Drogenkonsums unter jungen Menschen.

In den USA würde diese Problem schon längere Zeit aus Mediziner-Sicht thematisiert, in Deutschland wird es „die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie auf ihrer nächsten Vorstandssitzung erörtern“, berichtete Klues gegenüber dem Nachrichtenmagazin.

Noch nie so schwere Symptome bei jungen Menschen gesehen
Noch nie habe der Herz-Kreislauf-Spezialist bei derart jungen Patienten so schwere Symptomatiken gesehen, wie bei den zwischen 19 und 23 Jahre alten Patienten. Als diese in die Klinik eingeliefert wurden, konnten sie kaum noch atmen, keine Treppe mehr ohne große Atemnot hochkommen“, berichtete der Kardiologe. Ein Patient habe in der Nacht nicht mehr im Liegen flach schlafen können, da er sonst unter Atemnot litt. Das sei ein „typisches Zeichen schwer Herzkranker“. Auch weisen die jungen Menschen Schwellungen in den Beinen und Wasserablagerungen in den Rippenfellen (Ödeme) auf.

Die chemischen Substanzen verändern sich fortlaufend. In Beratungen mit Drogen-Experten habe der Mediziner viel über die kriminellen Fabrikanten der illegalen Amphetamine erfahren. So berichtete der Arzt im Gespräch mit dem Focus, dass die Kriminellen sehr mobil wären. „Die Hersteller verändern die Pillen chemisch quasi wöchentlich, so dass der Organismus die Stoffe immer schneller aufnehmen kann und der Rausch immer länger dauert.“

Plötzlicher Herztod schwerste Folgeerscheinung
Zu den gefährlichen Drogen gehören beispielsweise Ecstasy mit und ohne MDMA. Auch für das Herz-Kreislauf-System gefährliche Drogen sind „Speed“ und Kokain. Ein schon länger bekanntes Phänomen bei Kokain ist der „plötzliche Herztod“. Laut einer italienischen Studie bemerken viele Konsumenten die Herzprobleme erst spät. Während der Untersuchung wurden bei 83 Prozent der Konsumenten Herzschädigungen festgestellt, obwohl die Probanden angaben, unter keinerlei Problemen wie Herzrasen, Thoraxschmerzen oder Atemnot zu leiden.

Experten schätzen, dass etwa ein Viertel der Herzinfarkte bei Patienten zwischen 18 und 45 Jahren auf den Konsum von Kokain zurückzuführen ist. Der Hamburger Ecstasy-Forscher Rainer Thomasius berichtet, dass „bereits die erstmalige Einnahme einer Ecstasy-Pille fatale und in seltenen Fällen tödliche Folgen für den Konsumenten haben kann“. Nach Angaben des Bundeskriminalamts sterben jedes Jahr in Deutschland etwa 43 Menschen allein am Ecstasy Konsum. Weil während des Rausches Hunger, Müdigkeit und Erschöpfungsgefühle unterdrückt werden kann es zum Kreislaufzusammenbruch kommen. (sb)