Kardiologen: Aus diesem Grund sind Herzinfarkte am Morgen gefährlicher

Morgens ist das Risiko für einen Herzinfarkt besonders hoch und die Heilungschancen stehen deutlich schlechter. (Bild: michaeljung/fotolia.com)
Fabian Peters
Tageszeit mit maßgeblichen Einfluss auf das Herzinfarkt-Risiko
Herzinfarkte sind generell ein lebensbedrohliches Ereignis. Die Heilungschancen nach einem überstandenen Infarkt hängen dabei allerdings maßgeblich von der Tageszeit des Ereignisses ab, so das Ergebnis einer aktuellen Studie von Wissenschaftlern der Ludwig-Maximillians-Universität (LMU) in München. Morgens sind Herzinfarkte demnach besonders gefährlich.

Herzinfarkte zählen zu den häufigsten Todesursachen in den modernen Industrienationen. Frühere epidemiologische Studien hatten bereits gezeigt, dass Myokardinfarkte (medizinischer Fachbegriff für Herzinfarkte) dabei „häufiger am Morgen auftreten und mit einem schlechteren Ergebnis in Bezug auf die Sterblichkeit und Erholung in Verbindung gebracht werden“, berichtet das Forscherteam um Prof. Sabine Steffens vom Institut für Epidemiologie und Prophylaxe der Kreislaufkrankheiten am Klinikum der LMU. In ihrer aktuelle Studie haben die Wissenschaftler nun untersucht, welcher Effekt dem Zusammenhang zwischen dem Herzinfarkt-Risiko und der Tageszeit zugrunde liegt. Die Ergebnisse der Studie wurden in dem Fachmagazin „EMBO Molecular Medicine“ veröffentlicht.

Morgens ist das Risiko für einen Herzinfarkt besonders hoch und die Heilungschancen stehen deutlich schlechter. (Bild: michaeljung/fotolia.com)
Morgens ist das Risiko für einen Herzinfarkt besonders hoch und die Heilungschancen stehen deutlich schlechter. (Bild: michaeljung/fotolia.com)

Entzündungsreaktion variiert im Tagesverlauf
Die Forscher bestätigten in ihren Untersuchung an Mäusen, dass es nach einem Herzinfarkt vom Tageszeitpunkt abhängt, wie die Entzündungsreaktion im betroffenen Herzmuskel verläuft. Zudem fanden sie heraus, „dass die Stärke der Immunantwort und damit die Rekrutierung der Neutrophilen Granulozyten an die Entzündungsstelle über den Tagesverlauf schwankt“, so die Mitteilung der LMU. Hierfür entscheidend sei der Chemokinrezeptor CXCR2, dessen Aktivität vom Biorhythmus beeinflusst wird. Studienleiterin Prof. Steffens und Kollegen konnten im Mausmodell nachweisen, dass der Zustrom der Neutrophilen in den geschädigten Herzmuskel ebenfalls vom Biorhythmus abhängt. So werde durch die Immunzellen, etwa eine Stunde nachdem die aktive Phase begonnen hat, eine stärkere Entzündung ausgelöst als in der Schlafphase oder im späteren Tagesverlauf.

Neutrophile Granulozyten entscheidend für die Entzündungsreaktion
Durch das Absterben von Herzmuskelzellen bei einem Herzinfarkt werden Zellen des Immunsystems alarmiert und in das geschädigte Gewebe entsandt. Diese sogenannten Neutrophilen Granulozyten lösen eine Entzündungsreaktion aus, in deren Zuge das abgestorbene Gewebe von Immunzellen abgebaut wird. Die wichtige Funktion die Neutrophilen für den Heilungsprozess hatte Prof. Steffens bereits in früheren Studien belegt. Allerdings gilt diese nur, solange die Immunreaktion im Gleichgewicht ist und die Neutrophilen nicht in zu großer Menge auftreten.

Molekularer Mechanismus entschlüsselt
Welcher molekulare Mechanismus das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden, in den frühen Morgenstunden erhöht und den Zusammenhang zwischen der Tageszeit mit den Heilungschancen bedingt, bliebt bislang unklar. In ihrer aktuellen Studie konnten die Forscher der LMU nun zeigen, dass „zu Beginn der aktiven Phase mehr Neutrophile aus dem Knochenmark freigesetzt“ werden. Dies aktive Phase liege bei den meisten Menschen in den frühen Morgenstunden, berichtet Prof. Steffens. „Ein Herzinfarkt zu dieser Zeit führt zu einer übermäßigen Entzündungsreaktion durch Neutrophile“, so Steffens weiter. Infolge der stärkeren Entzündung bilden sich laut Aussage der Expertin auch mehr Narben im Gewebe und der Herzmuskel dehnt sich stärker aus, was das Herz zusätzlich schwächt.

Neue therapeutische Optionen?
In ihren Untersuchungen konnten die Wissenschaftler zudem nachweisen, dass auch der Chemokinrezeptor CXCR2, der an der Zelloberfläche der Neutrophilen sitzt, abhängig von der Uhrzeit arbeitet. „Am stärksten wird er direkt nach dem Aufwachen exprimiert“, so die Mitteilung der LMU. Bei einer medikamentösen Unterdrückung des Rezeptors habe sich die Entzündung und damit die Schädigung des Herzmuskels deutlich verringert. „Unsere Studie zeigt, dass der Tageszeitpunkt eine wichtige Rolle für die Behandlung eines Herzinfarkts spielt und dass CXCR2 ein interessantes therapeutisches Ziel sein kann, wenn nach einem Herzinfarkt zu viele Neutrophile in das geschädigte Muskelgewebe wandern“, betont Prof. Steffens. (fp)

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