Kardiologen: Niedriger Blutdruck eine mögliche Demenz-Ursache

Alexander Stindt
Studie untersucht die Auswirkungen von niedrigen Blutdruck auf das Gehirn
Niederländische Forscher fanden jetzt heraus, dass orthostatische Hypotonie (Niedriger Blutdruck im Stehen) mit einer Erhöhung des langfristigen Risikos von Demenz um 15 Prozent assoziiert ist. Mit anderen Worten: Plötzlich auftretender niedriger Blutdruck steht im Zusammenhang mit der Entstehung von Demenz.

Die Wissenschaftler des Erasmus Medical Centre in den Niederlanden stellten bei ihrer Untersuchung fest, dass ein plötzlicher niedriger Blutdruck mit dem erhöhten Risiko der Entstehung von Demenz verbunden ist. Die Experten veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „PLoS Medicine“.

Ein plötzlich auftretender niedriger Blutdruck kann unserem Gehirn schaden. Mediziner stellten fest, dass solch eine orthostatische Hypotonie die Wahrscheinlichkeit für die Entwicklung von Demenz erhöhen kann. (Bild: michaelheim/fotolia.com)
Ein plötzlich auftretender niedriger Blutdruck kann unserem Gehirn schaden. Mediziner stellten fest, dass solch eine orthostatische Hypotonie die Wahrscheinlichkeit für die Entwicklung von Demenz erhöhen kann. (Bild: michaelheim/fotolia.com)

Niedriger Blutdruck und Demenz sind verknüpft
Es scheint eine Assoziation zwischen einem plötzlichen Blutdruckabfall beim Aufstehen (Orthostatische Hypotonie) und einem erhöhten Risiko für Demenz zu geben, erläutern die Experten. Die neue Studie untersuchte etwa 6.000 Niederländer und konnte dabei einen solchen Zusammenhang feststellen. Die Ursache dafür konnte allerdings nicht gefunden werden. Weitere Forschungen sollten sich mit diesem Thema befassen, sagen die Autoren.

Risiko für Demenz und Alzeheimer steigt um etwa 15 Prozent
Die Ergebnisse der Studie bekräftigen die Beweise dafür, dass der zerebrale Blutfluss mit kognitiven Störungen des Denkens zusammenhängt. Die Mediziner aus den Niederlanden analysierten die Daten von etwa 6.000 Menschen und konnten dabei feststellen, dass orthostatische Hypotonie nicht nur Schwindelgefühl und Kopfschmerzen verursachen kann, sondern auch mit einem 15 prozentigen Anstieg des langfristigen Risikos für Demenz und Alzheimer verbunden war.

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Reduzierter Blutfluss im Gehirn kann Hirn-Dysfunktion bedingen
Es ist schon lange bekannt, dass orthostatische Hypotonie zu kurzen Episoden der reduzierten Durchblutung des Gehirns führen kann, sagen die Forscher. Vorherige Untersuchungen zeigten auch, dass ein reduzierter Blutfluss im Gehirn bei älteren Menschen im Laufe der Zeit zu Hirn-Dysfunktionen beiträgt.

Sauerstoffmangel schadet dem menschlichen Gehirn
Durch kurze Episoden bei denen der Blutdruck plötzlich absinkt, kann Hypoxie [Sauerstoffmangel] zu schädlichen Auswirkungen auf das menschliche Hirngewebe führen. Die Untersuchung zeigte ein erhöhtes Risiko, dies bedeutet aber keine unbedingte Kausalität, sagen die Experten. Viele Patienten mit Demenz leiden nicht an einer Orthostase.

Niedriger diastolischer Blutdruck verschlechtert Ergebnisse von Gedächtnistests
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Behandlung der Orthostase das Risiko der Entwicklung einer späteren Demenz verringern könnte, erklären die Wissenschaftler. Vorherige Studien hatten bereits gezeigt, dass ein zu niedriger sogenannter diastolischer Blutdruck zu schlechteren Ergebnissen bei Gedächtnistests führt.

Die Balance muss stimmen
Sowohl ein niedriger als auch ein hoher Blutdruck hängen mit einer schlechteren Gesundheit des Gehirns zusammen. Die größte Schwierigkeit für Ärzte und Patienten ist die Einhaltung der richtigen Balance bei der Blutdruckkontrolle, sagen die Spezialisten.

Besser Aufklärung der Patienten gefordert
Ärzte werden dazu aufgefordert, dass sie ihre Patienten besser über mögliche Gefahren (beispielsweise Schwindelgefühl und Stürze) aufklären. Betroffene sollten sowohl die Risiken und auch die Vorteile der medizinischen Überwachung und Behandlung von Blutdruckabfall und Bluthochdruck kennen, betonen die Mediziner. (as)