Kardiologische Studie: Gesteigertes Herzinfarktrisiko durch Sex nur beim Seitensprung

Sebastian

Erhöhtes Herzinfarktrisiko beim Sex? – Nur beim Seitensprung

Menschen, die bereits einen Herzinfarkt erlitten haben, wird oft angeraten, kürzer zu treten und große Anstrengungen zu vermeiden. Manche beziehen das auch auf ihr Liebesleben und leben enthaltsam. Doch laut einer neuen Studie besteht keine Gefahr, dass Sex eine neuerliche Herzattacke auslöst. Es gibt aber eine Ausnahme.

Sex steigert das Herzinfarkt-Risiko nicht
Zwar wird Herzpatienten von Medizinern meist angeraten, sich regelmäßig zu bewegen, um einem erneuten Herzinfarkt oder Schlaganfall vorzubeugen, doch vor Überanstrengung wird gewarnt. So verweisen Gesundheitsexperten etwa darauf, dass nur maßvoller Sport für Herzpatienten geeignet ist. Viele Patienten sind sich oft nicht sicher, ob ein körperlich intensives Liebesleben nicht auch gefährlich werden könnte und leben daher enthaltsamer. Doch Sex steigert das Risiko für einen Herzinfarkt gewöhnlich nicht. Und zwar auch nicht für Herzpatienten, wie deutsche Forscher in einer Langzeitstudie herausgefunden haben.

Nur bei einem Seitensprung besteht ein höheres Herzinfarkt-Risiko. Bild: Photographee.eu- fotolia
Nur bei einem Seitensprung besteht ein höheres Herzinfarkt-Risiko. Bild: Photographee.eu- fotolia

Nur wenige Herzpatienten werden zu Sex beraten
Wie die Forscher um Dietrich Rothenbacher von der Universität Ulm im Fachmagazin „Journal of the American College of Cardiology“ berichten, gebe es bislang nur wenige Daten zu den Risiken von sexuellen Aktivitäten bei Patienten mit Herzinfarkt. Allerdings würden weniger als die Hälfte der Männer und weniger als ein Drittel der Frauen nach einem Herzinfarkt von ihrem Arzt diesbezüglich beraten. Einer Meldung der Nachrichtenagentur dpa zufolge sagte der Epidemiologe: „Das ist ein Thema, über das viel zu wenig gesprochen wird.“ Über einen Zeitraum von zehn Jahren untersuchte das Wissenschaftlerteam 536 Infarktpatienten im Alter von 30 bis 70 Jahren.

Die Teilnehmer sollten zunächst die Häufigkeit ihrer sexuellen Aktivitäten während der zwölf Monate vor ihrem Infarkt angeben. Über die Hälfte hatte in diesem Zeitraum mindestens einmal pro Woche Geschlechtsverkehr, rund 15 Prozent waren abstinent gewesen. Sie sollten außerdem berichten, wann sie vor ihrem Infarkt zuletzt Sex hatten. Bei fast 80 Prozent lag der Geschlechtsverkehr schon mehr als 24 Stunden zurück, lediglich drei Teilnehmer hatten in der Stunde davor Sex.

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Normaler Sex kein Infarkt-Auslöser
Insgesamt 100 Personen in der Gruppe erlitten in den folgenden zehn Jahren erneut einen Herzinfarkt, Schlaganfall oder andere kardiovaskuläre Ereignisse. Jedoch beeinflusste die Häufigkeit ihrer sexuellen Aktivität das Risiko nicht negativ. Rothenbacher hob hervor, dass es auf Grundlage dieser Daten sehr unwahrscheinlich sei, dass normaler Sex Auslöser von Infarkten sei.

„Es ist wichtig, diesen Patienten zu versichern, dass sie sich keine Sorgen machen müssen und ihr gewohntes Sexualleben wieder aufnehmen können“, so der Experte. „Sexuelle Aktivität ist sicher und wichtig für die eigene Psyche und die Partnerschaft. Wer unsicher ist, sollte sich von seinem Arzt beraten lassen.“ Auf Männer bezogen schränkte er diese Aussage jedoch etwas ein: Wurden ihnen beispielsweise Beta-Blocker zur Puls- und Blutdrucksenkung verordnet, beeinträchtige dies die Erektionsfähigkeit. „Das sollte bei der Verordnung auch mitgeteilt werden“, sagte Rothenbacher. Und wenn Männer deshalb zu Potenzmitteln wie etwa Viagra greifen und wegen ihrer Herzbeschwerden zusätzlich Nitrate einnehmen, drohe ein plötzlicher Blutdruckabfall – bis hin zur Bewusstlosigkeit.

Gefährliche Seitensprünge
Zudem hatten ältere Studien darauf hingewiesen, dass Seitensprünge gefährlicher sind als Geschlechtsverkehr in einer Partnerschaft. Von Rechtsmedizinern der Universität Frankfurt wurden 60 registrierte Fälle analysiert, bei denen ein Partner beim Sex gestorben war. 56 der Opfer waren Männer, die einem Herzinfarkt erlegen waren. Sie waren im Durchschnitt 59 Jahre alt. Wie festgestellt wurde, starb über die Hälfte der Betroffenen bei Geliebten oder Prostituierten. Und nur jeder Vierte bei der Ehefrau, wie das Magazin „Bild der Wissenschaft“ berichtete. Die übrigen Männer seien bei der Selbstbefriedigung gestorben. Über die Gründe könne nur spekuliert werden. So besagt eine These, dass sich ältere Männer beim Seitensprung mehr anstrengen als zu Hause. In der Frankfurter Studie sei auffällig gewesen, dass die jeweilige Prostituierte oder Geliebte im Schnitt 20 Jahre jünger war als ihr Sexualpartner. In der Untersuchung blieb aber offen, ob tödliche Herzinfarkte beim Seitensprung den Rechtsmedizinern eher bekannt werden als beim Sex im Ehebett. Dass ein Seitensprung die Gesundheit gefährden kann, hatten auch andere Untersuchungen feststellen können. Demnach haben Männer im Verlauf einer Affäre eine höheres Risiko für Migräne und krankhafte Arterienerweiterungen und erleben einen sehr hohen Stress-Pegel.

Sex ist vergleichbar mit flinkem Gehen
Wie es in der Agenturmeldung heißt, ist Sex nach Auskunft der Amerikanischen Herzgesellschaft (AHA) sportlich vergleichbar mit flinkem Gehen oder einigen Stockwerken Treppensteigen. Daher haben Menschen, die dies ohne gesundheitliche Probleme schaffen, nichts zu befürchten. Sex sei wichtig für die Lebensqualität von allen Menschen. Daher sei er auch Patienten mit milder Angina pectoris (Brustenge) zu empfehlen. Oder auch ein bis mehrere Wochen nach einem unkomplizierten Herzinfarkt, falls der Patient keine Herzbeschwerden durch moderatem Sport bekomme. Menschen mit schweren Herzleiden hingegen wird geraten, vor dem Sex zum Arzt zu gehen und sich behandeln zu lassen. Von der AHA wird aus verschiedenen Studien der Schluss gezogen, dass direkt beim Sex das Herzinfarkt-Risiko von Menschen in den 50er- und 60er-Jahren um das 2,7-Fache erhöht ist. Vor allem unsportliche Männer seien gefährdet. Die absolute Gefahr für Infarkte sie jedoch aufgrund der vergleichsweise kurzen Zeit sexueller Aktivität pro Jahr minimal. Er sei die Ursache von weniger als einem Prozent der akuten Herzinfarkte.(ad)